Almost von Anne Eliot

Posted on Mai 16, 2016

Auf Almost wurde ich in erster Linie durch die Slider-Show des Verlags aufmerksam, der das Buch gekonnt in Szene gesetzt und mich neugierig gemacht hat. Kurz darauf erblickte ich das Cover auch schon an zig anderen Stellen im Netz und immer wieder kam mir der eine Gedanke: Almost. Fast. Fast was? Ok, der Klappentext klang auch ganz vielversprechend, aber der interessierte mich, um ehrlich zu sein, nur halb so sehr wie die Frage danach, was es mit dem FAST auf sich hat. Meine Neugier war nicht nur geweckt, sie wollte auch gestillt werden und so blieb mir auch gar nichts anderes übrig, als mich auf die Suche nach einer Antwort zu machen.

Erschienen: März 2016 im dtv Verlag | Originaltitel: Almost | Format: Taschenbuch/Ebook | Seiten: 464 |Übersetzung: Birgit Niehaus | Webseite der Autorin Anne Eliot | Bewertung 4 von 5 Fläschchen

Aber worum geht es überhaupt?
3 Jahre ist es nun bereits her, das Jess’ den Boden unter den Füßen verloren hat und ihr Leben aus den Fugen geraten ist. Seither lebt sie ein isoliertes, einsames Leben. Ein Leben, das Notfallpläne, Rettungsanker und Heimlichkeiten erfordert. Ein Leben mit Helikoptereltern und Listen und Albträumen. Aber Jess will dieses Leben nicht mehr. Sie will eine Zukunft und für diese benötigt sie Normalität, was bedeutet, sie braucht nicht nur ein Sozialleben, sondern auch einen Freund. Ein schier unmögliches Unterfangen könnte man meinen, bis Gray Porter auf der Bildfläche erscheint und sich die Chance auf einen unglaublichen Deal auftut ..

Schon von der ersten Seite an..
hatte Autorin Anne Eliot mich fest im Griff und dabei hatte die Geschichte noch gar nicht angefangen. Geht nicht, denkt ihr? Geht doch und zwar, wenn das Buch eine Widmung enthält, die die sowieso schon vorhandene Neugier noch um einiges anwachsen und dich emotional bereits auf eine Achterbahn der Gefühle einstellen lässt.

Im echten Leben gibt es keine Wiederholungsspiele.
Und auch keine Strafpunkte, egal wie echt die Fouls sind. (S. 23)

Geschrieben ist das Buch aus der Ich-Perspektive, wobei Jess und Gray den Leser abwechselnd durch die Handlung führen, was ich in Anbetracht dessen, dass die beiden nicht nur durch die Gegenwart miteinander verbunden sind, sondern auch eine Vergangenheit teilen, von der Jess allerdings nichts weiß, als sehr spannend empfand. Dass Frau Eliot sehr fließend und mitreißend schreibt, war dann noch so etwas wie das berühmte Tüpfelchen auf dem I, wurde das Buch für mich dadurch doch zu einem absoluten Pageturner.

Nicht ganz unschuldig am Dahinfliegen der Seiten waren natürlich auch die Charaktere, mit denen ich sehr schnell warm wurde. Okay, Jess war mit ihrer zickigen Art und ihrer Sturheit bisweilen ein wenig anstrengend, doch empfand ich das nicht als so schlimm, als dass es nicht mehr als Unsicherheit und Resultat ihrer Situation zu verbuchen gewesen wäre. Und mein Augenmerk lag bei dieser Thematik ehrlich gesagt auch weniger darin, wie nett oder kotzbrockig die Charaktere sind, sondern vielmehr in der Frage, ob sie auf mich glaubwürdig und echt wirken und das taten sie. Zu jeder Zeit. Ich habe ihnen jede Verzweiflung, jedes Schuldgefühl und jede Not durchweg abgenommen, wodurch ich nicht nur mitlachen konnte, sondern während des Lesens auch tief bewegt war.

“Meine Mon sagt immer, dass jeder Mensch seine Geheimnisse hat.
So eine Art persönliche Dämonen, gegen die er kämpfen muss.
Die musst du überwinden – und ich weiß, dass du das kannst.
Vorausgesetzt, du versuchst es.
Das ist deine Entscheidung.” (S. 341/342)

Bereits durch die Widmung wird einem schnell klar, dass es hier nicht nur um Süßholzgeraspel und Herzschmerz gehen würde, sondern thematisch harter Tobak auf den Leser wartet. Depressionen, Panikattacken, Trigger, aber auch Vorurteile mit denen aufgeräumt wird, werden hier ins Zentrum des Geschehens gerückt und von Frau Eliot wirklich gut an den Leser gebracht. Ein wenig zu kurz gekommen ist mir dabei jedoch das soziale Leben von Jess, welches sie sich aufzubauen gedenkt. Hier hätte ich mir gewünscht, dass Frau Eliot uns an ein paar mehr Treffen zwischen Jess und Grays Freunden teilhaben lässt – zumal Michelle und Corey wirklich sympathische und unterhaltsame Charaktere sind. Etwas unbefriedigend fand ich auch das Ende der Geschichte, war es mir einfach zu kurz, zu rund und der Thematik auch ein wenig unwürdig. Es macht nicht einfach Klick und schon herrscht wieder eitel Sonnenschein, nein, es macht Klick und man kann beginnen zu verarbeiten und aufzuräumen, damit irgendwann eventuell einmal wieder eitel Sonnenschein herrschen kann und ich finde es schade, dass eine sonst so gut umgesetzte Geschichte ein Ende bekam, das in Sachen Glaubwürdigkeit nicht ganz an den Rest der Story herankommt.

Zusammengefasst heißt das .. 
Almost ist ein Jugendroman, der nicht nur mit sympathischen Charakteren und der witzigen Idee eines Beziehungsvertrags aufwartet, sondern auch äußerst mitreißend und echt aus dem Leben mit Depressionen erzählt, wobei Anne Eliot nicht nur aufzeigt, dass der Rückhalt in solchen Fällen von großer Bedeutung ist, sondern auch, wie wichtig es ist, aus der erschaffenen Komfortzone auszubrechen, sich Ziele zu setzen und an eine Zukunft zu glauben.

4 Gedanken

  • Rebecca S. Mai 16, 2016 at 08:31

    Schöne Rezension!
    Mir ist das Buch auch schon oft im Netz unter die Augen gekommen und es übt auch eine merkwürdige Faszination auf mich aus.
    Dann hab ich vor einiger Zeit eine eher negative Rezension gelesen und bin etwas verhaltener geworden. Jetzt schlägste das natürlich in die andere Richtung. Hach. Ich werde wohl noch warten (SuB ist eh schon zu hoch). Aber ganz abgeschrieben hab ich das Buch nicht. Meh. Nichts halbes und nichts ganzes gerade. ^^"

    Liebste Grüße
    Rebecca

    Antworten
  • Madame Lustig Mai 16, 2016 at 08:41

    Oh weh, dein Dilemma tut mir jetzt aber leid, liebe Rebecca. 🙁
    Ich glaube gern, dass das Buch nicht für jeden etwas ist. Gerade diese Thematik der Depressionen mit allem, was dazu gehört erfordert schon ein wenig Feinfühligkeit und Verständnis. Man muss sich dessen bewusst sein, dass eventuell nicht alle Handlungen rational sind und manchmal auch Situationen hochgepusht werden, denn genau das bringt dieses Krankheitsbild schließlich oft mit sich. Und ja, wenn man sich dessen bewusst ist und damit leben kann, dann denke ich, wird man Spaß an dem Buch haben. 🙂

    Liebe Grüße
    Maike

    Antworten
  • Patricia E. Juni 3, 2016 at 20:55

    Ich bin froh, dass ich (durch einen leichten Stupser) aufmerksam geworden bin. Die ist wirklich schön und total gelungen. Bis jetzt habe ich 'Almost' immer nur fast, ja fast, vom SuB befreit. Das soll sich nach dem Lesen deiner Rezi aber ganz schnell ändern. 😀

    Liebe Grüße
    Patty

    Antworten
  • Madame Lustig Juni 9, 2016 at 12:14

    Hallo liebe Patty,

    vielen Dank für deinen Besuch und eine lieben Worte. Ich freue mich sehr, dass dich meine Rezension neugierig gemacht hat und bin gespannt, was du nach dem Lesen über das Buch zu sagen hast. 🙂

    Liebe Grüße
    Maike

    Antworten

Lass mir deine Gedanken da

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.