Bannwald von Julie Heiland

Bannwald von Julie Heiland

von MadameLustig

Als ich zu Bannwald von Julie Heiland gegriffen habe, war ich auf der Suche nach einem schnulzfreien Buch fürs Herz, das zusätzlich auch mit spannenden, starken Charakteren aufwartet. Gefunden habe ich eine Story, die nicht nur Handlung und Charaktere in den Mittelpunkt stellt, sondern auch die von Leben übersprudelnde Natur in den Fokus rückt. Eine Story, die mich mit tollen Charakteren und völlig schnulzfreien Gefühlen in ihren Bann gezogen hat und erst wieder losließ, nachdem die letzte Seite gelesen war.

Erschienen: 21.05.2015 bei Fischer FJB | Format: Gebunden/Ebook | Seiten: 352 | Website der Autorin: Julie Heiland | Bewertung: 5 von 5 Fläschchen

So denke ich darüber
Als Leonin ist der Wald sowohl Robins Zuhause als auch ihr Gefängnis. Ihr Volk, Anhänger der weißen Magie, lebt im Einklang mit der Natur und unterdrückt von den Tauren. Mit Hilfe der schwarzen Magie machen diese sich Leonen und Menschen gewaltsam Untertan und schrecken auch vorm Töten nicht zurück. Es macht ihnen Spaß, verleiht ihnen Macht. Robin kann und will das nicht länger mit ansehen, zu sehr mussten Freunde und Familie bereits unter der brutalen Willkür der Tauren leiden. Doch sind wirklich alle Tauren böse? Nein, es scheint, als gäbe es eine Ausnahme, denn warum sonst sollte der junge Taurer Emilian sie fliehen lassen, wo sie doch in deren Gebiet eingedrungen ist? Immer wieder begegnet sie ihm, befürchtet späte Rache, doch nichts passiert. Ist es Berechnung, Teil eines ausgeklügelten Plans, oder ist Emilian tatsächlich vertrauenswürdig und damit anders als sein Volk?

Bannwalds Figuren setzen sich aus Leonen und Tauren zusammen, wobei der Fokus hier eindeutig auf den Leonen liegt – allen voran auf Robin. Sie ist 17 Jahre alt und hat in der Vergangenheit nicht nur gelernt sich anderen zu verschließen, sondern auch, Gefühle nicht zu nah an sich heran zu lassen. Für den Leser ist sie auf Grund der Ich-Perspektive jedoch kein Buch mit sieben Siegeln, nein, sie vertraut uns Gefühle und Gedanken an, sodass man sich bereits sehr bald in die junge Leonen hineinversetzen kann. Besonders schön war für mich persönlich mitzuerleben, wie Robin lernt, sich zu öffnen, nach und nach reifer und erwachsener zu werden scheint und nicht nur beginnt, sich selbst zu akzeptieren, sondern sich auch plötzlich einer inneren Stärke bedient, die dem König der Löwen alle Ehre gemacht hätte. Doch natürlich hat sie diese Wandlung weder im Schlaf noch alleine geschafft. Mitglieder ihres Volkes, wie ihr bester Freund Laurin, der ihr stets den Rücken stärkt und für Robin durchs Feuer gehen würde, ihr Ziehvater Almaras, dessen weise und mahnende Worte seiner Tochter Halt geben oder auch Marla, Robins Ziehmutter, deren liebevolle Art einfach nur ein Gefühl von Zuhause vermittelt, haben dabei geholfen, dass sie zu der Leonen wurde, die wir am Ende des Buches zurücklassen.

So toll ich dieses der Natur verschriebene Sternenvolk auch finde, so darf ich jedoch auf keinen Fall die Tauren vergessen. An erster Stelle steht dabei natürlich Emilian, ein junger Taurer, der sich mit Robin anfreundet und alles daran legt, dass sie begreift, wie stark sie wirklich ist. Dabei ist er stets direkt, nimmt kein Blatt vor den Mund und geht auch nicht zimperlich vor, wenn es die Situation erfordert, was ihn für mich zu einem sehr interessanten und gern gelesenen Charakter gemacht hat. Ebenfalls Erwähnung finden sollten Birkaras, der Anführer der Tauren und sein Berater Vincente. Beide Charaktere haben eine ganze Menge Potenzial, wenngleich ich gestehen muss, dass ich diese Hinterlistigkeit, die die beiden Herrschaften an den Tag legen, nicht mag und ich ihnen deswegen auch nicht das kleinste Fünkchen Sympathie entgegen bringen kann. Aber genau das ist ein ganz entscheidender Punkt, weswegen ich das Buch nur schwer wieder aus der Hand legen konnte. Diese Gegenspieler sind Meister der Geheimniskrämerei und der List, man kann ihnen zu keinem Zeitpunkt trauen, wodurch durchweg für eine gute Portion Spannung gesorgt ist. Und ja, ich meine hier ganz bewusst alle beiden Charaktere, denn auch, wenn Vincente wie ein treudoofer Dackel hinter Birkaras her scharwenzelt, bin ich mir nicht ganz sicher, ob er nicht vielleicht doch auch seine einen Intrigen schmieden könnte, sollte er nicht die Anerkennung erfahren, nach der er hungert.

Die Idee der Geschichte hat mir sehr gut gefallen, war sie für mich doch mal etwas völlig anderes. Allerdings hätte ich mir hier gewünscht, dass Julie Heiland noch ein wenig intensiver auf das Thema Sternenvolk, ihre Bedeutung und ihren Ursprung eingegangen wäre. Da es sich bei Bannwald jedoch um einen Trilogie-Auftakt handelt, hege ich große Hoffnung, dass all dies in den beiden Folgebänden noch geschehen und meine Neugier befriedigt wird.

Die Schreibe mit ihren kurzen, prägnanten Sätzen hat es mir hier besonders angetan und das, obwohl ich normalerweise eine ausgeprägte Vorliebe für Schachtelsätze hege. Hier jedoch passte die Wahl des Schreibstils perfekt, hat er mich doch mitzureißen gewusst, mir die Umgebung schnörkellos und bildhaft nahe gebracht und mir Gefühle übermittelt, die mich die Geschichte nicht nur miterleben, sondern mitleben ließen. Und das fand ich auch extrem wichtig, denn der Haupthandlungsort ist, bis auf vereinzelte kleine Szenen, der Wald, ein mir nicht ganz so tief vertrautes Umfeld. Um so wichtiger war es für mich, dass es der Autorin gelingt, seine Vielfalt und das Leben darin authentisch rüber zubringen – was ihr auch ausgesprochen gut gelückt ist. So gut, dass ich mich in dem Wald verlieren, in ihm wandern und seinen Geräuschen lauschen konnte.

Kurzum
Sternenvölker, große Gefühle, Intrigen und das Herz eines Löwen sind das Rezept, für aufgestaute Emotionen, die sich in einem tränenreichen Ende entladen.

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2 Gedanken

Marius Kü Januar 22, 2016 - 19:01

Hallo! 🙂

Ich wollte erst einen Namen hinter mein Hallo packen, aber ich weiß ehrlich gesagt nicht, wen ich anreden soll. 😀

Wirklich schöne Rezension. Bannwald hat mir, als ich es gelesen habe, genauso gut gefallen! Einzig der Schreibstil war anfangs etwas schwierig für mich, aber er passte tatsächlich echt gut zur Geschichte!

Jedenfalls wollte ich noch sagen, dass ihr es unglaublich schön hier habt! Euer Blog ist so toll anzusehen und es macht richtig Spaß rumzuklicken!

Ich wünsche euch ein schönes Wochenende.

Liebe Grüße,
Marius von booknator

Antworten
Madame Lustig Januar 24, 2016 - 21:30

Lieber Marius,

vielen Dank für deinen Besuch und deine super lieben Worte. Es freut mich sehr, dass du dich hier so wohlgefühlt hast und hoffe sehr, dich hier an einer anderen Ecke wiederzusehen. 😉

Liebe Grüße
Madame Lustig (auch Maike genannt. Fürs nächste Mal. xD)

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