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Buchbesprechung

    Im freien Fall oder wie ich mich in eine Pappfigur verliebte von Jessica Park

    Es gibt Bücher, zu denen kann und will man gar nicht viel sagen. Dabei liegt es nicht immer daran, dass sie einem nicht gefallen haben oder es nichts zu sagen gäbe, nein, manchmal ist genau das Gegenteil der Fall. Das Buch hat einen restlos begeistert und man hat Angst, zu viel zu sagen und am Ende irgendwem den Lesespaß zu rauben. Genau so ein Buch ist Im freien Fall oder wie ich mich in eine Pappfigur verliebte für mich geworden und deswegen will ich nun auch gar nicht zu sehr um den heißen Brei herum reden (oder schreiben), sondern einfach die – auf gar keinen Fall verräterischen – Fakten auf den Tisch legen.

    Erschienen: 21. Juli 2014 im Loewe-Verlag | Format: Gebundene Ausgabe | Seiten: 384 | Autor/in: Jessica Park | Bewertung: 4,5 Fläschchen

    Worum geht es überhaupt?
    Julie ist gerade von Ohio nach Boston gezogen, wo sie fortan das Collage besuchen möchte. Kaum angekommen, muss sie allerdings schon das erste Problem lösen: die Wohnung, die sie übers Internet gemietet und bereits bezahlt hatte, entpuppt sich als Burrito-Restaurant. Wo soll sie nun hin in einer Stadt, in der sie nichts und niemanden kennt? Hilfe kommt in dieser verzwickten Lage von ihrer Mutter, die in der Not eine Lösung parat hat und so wird Julie kurzerhand bei Erin Watkins, einer ehemaligen Studienkollegin ihrer Mutter, einquartiert. Als Julie in das Auto ihres Sohnes Matt einsteigt, ahnt sie noch nicht, dass mit ihrem Einzug in das Haus der Watkins das Abenteuer Boston erst so richtig für sie beginnt, denn diese Familie ist nicht das, was sie von außen scheint, was in Julie sofort Neugier und Helfersyndrom zum Leben erweckt – nicht ahnend, was sie damit auslöst.

    So denke ich darüber
    Auf die Thematik der Geschichte möchte ich gar nicht groß eingehen, denn das würde dem Leser, so glaube ich, die Möglichkeit nehmen, sich offen auf das Buch, die Gefühlswelt, die es bereit hält und seine Charaktere mit all ihren Facetten einzulassen. Nur so viel sei gesagt: die Autorin hat ein Händchen dafür bewiesen, Sarkasmus, Witz und Charme mit Tiefgang zu kombinieren und bleibt dabei stets glaubwürdig.

    In die Figuren aus diesem Buch habe ich mich absolut verliebt. Sie sind alle so sensibel und realistisch gezeichnet, so einzigartig in ihrem Wesen und ihren Eigenarten, das man gar nicht anders kann, als sie schlichtweg ins Herz zu schließen. Dabei hat es mir ganz besonders die kleine Celeste angetan, die mit ihrer herausragenden Intelligenz viel erwachsener wirkt als manch anderer ihrer Familienmitglieder und doch blitzt hier und da das Kind hervor, welches sie tief in ihrem Inneren doch immer noch ist.

    Matt ist Celestes großer Bruder und so etwas wie das provisorische Familienoberhaupt. Es scheint, als würde er alle Last auf seinen Schultern tragen und dennoch bewahrt er sich einen Funken Leichtigkeit, den er nur zu gerne dafür nutzt, Julie mit Freuden an seinen Sarkasmuskünsten teilhaben zu lassen. Aber nicht nur darin ist er gut, denn nicht nur seine Schwester ist hochintelligent, sondern auch Matt, der sein Köpfchen dafür nutzt, es mit Mathe und Physik zu füllen. Finn, der Älteste im Watkins Geschwister-Clan, lernen wir in erster Linie über Facebook kennen, da dieser als Langzeitreisender die Welt unsicher macht. Wenngleich der Leser ihm nicht “persönlich” begegnet, hat man nicht das Gefühl, ihn nicht zu kennen oder das die Autorin in seiner Ausarbeitung irgendwie geschludert hätte. Aber auch die Eltern der drei Geschwister sind durchaus erwähnenswert. Wenngleich sie nicht allzu viele Auftritte haben, hinterlassen sie doch ihre Spuren in dieser Geschichte. Hinter ihrem herzlichen Wesen merkt man, dass auch diese Beiden tief im Inneren ihr Päckchen zu tragen haben, wenngleich sie es konsequent zu verbergen versuchen.

    Julie ist die Hauptprotagonistin in diesem Buch und man könnte sagen, dass sie durch Zufall in diese Familie stolpert. Erin Watkins, die Mutter der drei und einstige Studienkollegin von Julies Mutter, bietet ihr ein Dach über dem Kopf, als sie es ganz dringend nötig hat. Kaum im Hause Watkins einquartiert merkt Julie recht schnell, dass in dieser Familie irgendwas nicht ganz koscher ist und macht sich direkt fleißig daran, hinter das Geheimnis der Familie zu kommen. Dabei überschreitet sie manches Mal ungewollt die ein oder andere Grenze und eckt an, aber das nimmt ihr nicht den Wind aus den Segeln, hat sie sich doch fest vorgenommen, dieser Familie zu helfen.

    Kurzum
    Im freien Fall oder wie ich mich in eine Pappfigur verliebte ist kein Buch, das vor Überraschungen nur so strotzt und den Leser am Ende mit einem lauten Knall sprachlos zurücklässt. Es ist ein Buch, in dem sich eine Familie hinter einer Mauer aus gespielter Harmonie versteckt, ein Buch, das zuckersüß wie sein Cover ist und bitter wie Medizin. Ein Buch, dass Tränen fließen lässt und Lächeln ins Gesicht zaubert.

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    No more Heartbeat von Emma McLaughlin & Nicola Kraus

    No more Heartbreak

    Als ich in der Buchhandlung meines Vertrauens um eine Buchempfehlung bat, wurde mir No more Heartbreak von den Autorinnen Emma McLaughlin und Nicola Kraus ans Herz gelegt. Da mir die Edelstein-Trilogie gefallen hatte, würde ich mit diesem Buch nichts falsch machen, hieß es. Im Nachhinein weiß ich zwar nicht, wie die nette Buchhändlerin darauf gekommen ist, die beiden Werke miteinander zu vergleichen, denn weder die Thematik noch der Schreibstil haben irgendwas gemeinsam, aber gut, ein rosafarbenes Cover könnte man eventuell auch als ausschlaggebende Gemeinsamkeit ansehen .. Wenngleich mich diese Empfehlung bzw die Begründung eben dieser also etwas irritiert muss ich der Buchhändlerin doch eins zugestehen: sie hatte einen Riecher dafür, was mir gefallen könnte.

    Erschienen: 2015 im cbj-Verlag | Format: Taschenbuch/Ebook | Seiten: 320
    Autor/in: Emma McLaughlin // Nicola Kraus | Bewertung: 3,5 von 5 Fläschchen

    Aber worum geht es genau?
    Als der 17-jährigen Max zum ersten Mal jemand das Herz gebrochen hat, hat sie sich nicht einfach zu Hause verkrochen und sich schluchzend durch die letzten Facebook-Einträge ihres Ex-Freunds Hugo geklickt. Na gut, hat sie. Aber nicht nur. Kein Mädchen sollte sich so quälen, findet sie. Also hat sie alle Ratgeberbücher und Talkshow-Aufzeichnungen durchgearbeitet, die sie in die Finger kriegen konnte, und daraus ein todsicheres Programm gegen Liebeskummer entwickelt. Das Programm wird ein voller Erfolg, immer professioneller ihr mobiles Einsatzkommando in Sachen gebrochenes Herz. Alles läuft prima, Max hat alles im Griff. Bis Hugo wieder auftaucht und Max langsam, aber sicher die Kontrolle verliert … (Kurzbeschreibung: cbj Verlag)

    So denke ich darüber
    Wer schon einmal unter starkem Liebeskummer gelitten hat, der weiß, wie weh das tun kann und wie sehr man manchmal in seinem Schmerz und der Trauer gefangen ist. Wie schön wäre es dann doch, jemanden an seiner Seite zu haben, der die Situation objektiv, ja, sogar ziemlich abgeklärt betrachtet und genau weiß, was nun zu tun ist. Hauptprotagonistin und Ich-Erzählerin Max, die aus der Not heraus den Einfall schlechthin hatte und damit nicht nur sich selbst aus einem tiefen Loch half, sondern fortan über ihre Firma Ex Inc. auch zig anderen an gebrochenem Herzen Leidenden helfend unter die Arme greift, ist so jemand. Während ihre armen Klientinnen vor lauter Taschentuch vollschniefen nicht mehr wissen, wo oben und unten ist und sowieso nur atmen, weil das irgendwie automatisch funktioniert, weiß Max ganz genau, was gut für ihre Kunden ist. Ähnlich des 12 Schritte Programms der AAs geht unsere Hauptprotagonistin ans Werk und setzt dabei ganz darauf, die armen Herzchen zu kitten, stärker zu machen und ganz nebenbei den Schmerzverursachern am Ende ihre eigene bittere Pille schlucken zu lassen. Dabei geht Max mit einer Mischung aus Feinfühligkeit und Härte an die Arbeit, brauchen ihre Kundinnen doch sowohl eine Schulter zum Ausheulen als auch die starke Hand, die sie von jeglicher Ablenkung wegführen.

    Während die Seiten beim Lesen nur so dahin fliegen, kann der Leser sehr gut beobachten, was für eine enorme Entwicklung unsere Hauptprotagonisten durchmacht. Ist sie zu Beginn der Geschichte noch völlig ausgeglichen und überzeugt von dem, was sie da tut, kommt ihre Gefühlswelt bloß durch eine einzige unerwartete Begegnung völlig ins Straucheln und je mehr es hier wackelt, desto mehr klammert sie sich wie eine Ertrinkende an ihre Firma, Ex Inc., stets darauf bedacht, sich nicht anmerken zu lassen, dass sich Objektivität und Abgebrühtheit in den Urlaub verabschiedet haben. Dabei ist es den Autorinnen gut gelungen, dieses Gefühlschaos einfühlsam und realistisch an den Leser zu bringen.

    Ich habe schon oft Bücher gelesen, die süß und vielversprechend anfangen und mir dann mindestens einen Charakter vor die Nase gesetzt haben, den ich absolut nicht leiden konnte, einen, bei dem ich mich regelrecht dazu zwingen musste, seine Szenen nicht laut stöhnend und widerwillig zu lesen und mir dadurch das Bedürfnis, das Buch einfach nur zu verschlingen, madig gemacht haben. No more Heartbreak aber hat es mit meinem Näschen gut gemeint. Klar, auch hier gibt es Charktere, um die ich im wirklichen Leben einen weiten Bogen machen würde, aber nicht, weil sich alles in mir gegen sie sträubt und ich beim bloßen Gedanken an sie schon körperliche und geistige Schmerzen verspüre, sondern ganz einfach, weil ich mich nicht mit ihrer Art, ihrem Lebensstil und ihren Einstellungen anfreunden kann. Aber zum Glück haben die Autorinnen größtenteils ein gutes Händchen bei der Ausarbeitung ihrer Charaktere bewiesen. Sei es nun Pheobe, die selbst bereits in den Genuss von Max’ Liebeskummerprogramm kam und oder Zach, Max’ bester Freund, der mit seinen Technikkenntnissen neben Max und Phoebe seinen Teil dazu beiträgt, die Klientinnen von Ex Inc. aus einem tiefen Loch zu ziehen, Bridget, deren Herz einfach nicht aufhören will für ihren Peiniger zu schlagen, oder auch der Babybettlieferant Ben, der eigentlich gar kein Babybett ausliefern will, sich aber schlussendlich dankbar seinem Schicksal ergibt – sie alle bereichern diese Geschichte und sind mir während meiner Stunden mit ihnen sehr ans Herz gewachsen.

    Auch vom Schreibstil her hat mir das Buch sehr gut gefallen. Es ist nichts allzu anspruchsvolles mit endlos verschachtelten Sätzen, die die gesamte Aufmerksamkeit des Lesers fordern, aber auch keine zu einfache Schreibe, die einen nicht fesselt. Es ist so ein Mittelding, eine gelungene Mischung aus kleinen Verschachtelungen und simpler Kürze und Leichtigkeit – für meinen Geschmack genau passend zu dieser Geschichte. Einzig die Tatsache, dass ich Max’ Erzählung an der einen oder anderen Stelle ein bisschen verwirrend fand und erst einmal ein zwei Seiten zurückblättern und den Faden suchen musste, hat meinen Lesefluss ins Stocken gebracht, aber da sich das in Grenzen hielt, war das für mich durchaus zu verkraften.

    Kurzum
    Spritzige, humorvolle und einfühlsame Geschichte über gebrochene Herzen, zweite Chancen und dem Erwachsen werden. Ideal für einen gemütlichen Schmökerabend auf dem Sofa!

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