Wichtig oder überflüssiger Schnickschnack: Wie beeinflusst die äußerliche Gestaltung den Buchkauf?

Posted on Mai 13, 2018

Auf Kunterbunte Flaschenpost findet man so einiges: Rezensionen, Podcasts, Alltagsgedanken, das Bloghoroskop, die Bookish Hall of Fame und die Beitragsreihe Drüber nachgedacht. Als ich Ende 2016 gefragt wurde, ob ich nicht Bock hätte, gemeinsam mit anderen Bloggern einmal im Monat über ein vorher festgelegtes Thema zu schreiben, war ich sofort Feuer und Flamme. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Ich liebe diese Beitragsreihe so sehr, dass sie inzwischen sogar mein Blogliebling geworden ist und das obwohl es hier nun schon seit fast einem Jahr ganz schrecklich still ist. Sprudelten die Ideen in der Vergangenheit immer so aus uns heraus, warteten wir nun monatelang vergeblich darauf, wieder von der Muse geküsst zu werden. Wir haben so lange gewartet, dass sich bestimmt schon jeder von uns ganz leise mit dem Gedanken angefreundet hat, dass diese wunderbare Gruppenaktion am Ende angekommen ist. Ich jedenfalls habe es. Tja und nun sitze ich hier, ordne meine Gedanken und haue in die Tasten. Nicht, weil ich mich öffentlich von Drüber nachgedacht verabschieden möchte, sondern weil die Muse zu uns zurückgekehrt ist und die Flamme wieder entfacht hat. Ich haue in die Tasten, weil ich nachgedacht habe und meine Gedanken mit euch teilen will.

Ja, ich weiß, ein Cover verrät nichts über den Inhalt und wahrscheinlich tue ich sehr vielen tollen Büchern unrecht, indem ich ihnen wegen ihres auf mich nicht sehr ansprechend wirkenden Covers kaum bis gar keine Aufmerksamkeit schenke, aber: Auf der Suche nach neuen Büchern lasse ich mich sehr von der äußerlichen Gestaltung beeinflussen. Ganz egal, ob ich in der Buchhandlung stehe und um mich schaue, im Internet auf Verkaufsportalen stöbere oder mich durch Blogs klicke: das, was mir zu einem Buch als allererstes ins Auge fällt, ist das Cover.

Natürlich bin ich mir bewusst, dass das wahnsinnig oberflächlich ist und eigentlich nur die inneren Werte zählen, aber diese werden mir nun mal nicht regelrecht unter die Nase gerieben, wie es beim Buchcover der Fall ist. Die Geschichte bleibt ein Geheimnis, solange, bis ich selbst entscheide, dass ich dieses lüften möchte (oder aber irgendjemand meint, dass es ganz furchtbar lustig wäre, einfach mal den halben Inhalt inklusive wichtiger Schlüsselmomente ohne Vorwarnung ins Netz zu hauen), was toll ist, denn immerhin bleibt so die Spannung von der ersten bis zur letzten Seite erhalten.

Was schön ist, liegt im Auge des Betrachters
Ziemlich häufig werden unsere deutschen Buchcover mit den Originalen verglichen und nicht gerade selten ziehen unsere dabei den Kürzeren. Und ich verstehe es absolut nicht. Bis auf einige Ausnahmen finde ich nämlich unsere Cover um einiges besser als die Originalen. Das hat allerdings nicht ausschließlich damit zu tun, dass ich unser Cover wirklich toll finde, sondern häufig allein daran liegt, dass unsere Verlage zumindest im Young- und New Adult sowieso im Jugendbuchbereich meinem Empfinden nach versuchen, kreativ zu sein und ein Cover zu gestalten, das den Inhalt des Buches irgendwie wiederspiegelt – sei es durch Darstellung eines oder mehrerer Kernelemente der Geschichte, durch den Versuch, die Stimmung des Buches grafisch einzufangen oder auch indem Grafikabteilung und Verlag Botschaften aufgreifen und diese in Szene setzen. Natürlich gibt es immer wieder Ausnahmen, gar keine Frage. Die Cover der Shatter Me Reihe finde ich im Original zum Beispiel viel schöner und besonderer als unsere, wobei ich die Deutschen auch keinesfalls hässlich finde. Oder vergleichen wir mal die Cover der Nighthuntress-Serie von Jeanine Frost: während unser Verlag vor Jahren auf den Stadt im Hintergund und Frauengesicht davor Zug aufgesprungen ist und damit nur wenig Wiedererkennungswert geschaffen hat, passen die Originalcover tatsächlich sehr gut zu der Geschichte. In den meisten Fällen allerdings finde ich die englischen und amerikanischen Cover ziemlich nichtssagend und austauschbar, was häufig an dem Trend bestehend aus Frau, Schnörkeln und übergroßer Schrift liegt. Wie einfallslos ist das denn bitte?

Schöne Buchschnitte sind der neue heiße Shit
Ernsthaft. Niemals nie nicht hätte ich gedacht, dass ein farbiger Buchschnitt ein ohnehin perfektes Buch, weil hammermäßige Geschichte und wunderschönes Cover, noch perfekter machen würde. Ich dachte immer, das wäre überflüssiger Schnickschnack, der zwar nicht schadet, aber eben auch nicht gebraucht wird. Okay, Buchkauf, Lesesucht oder gar mein Leben hängen nicht vom Buchschnitt ab, das gebe ich zu, aber nachdem ich nun Das Lied der Krähen mit seinem schwarzen Buchschnitt in meinem Regal stehen habe, bin ich angefixt und will mehr. Mehr Farbe, mehr Rundumaufbretzelpaket für Bücher. Dazu zählt aber keinesfalls dieser Rough Cut, der hoffentlich nur eine kurze Modeerscheinung sein wird, denn, mal ehrlich: das sieht einfach nur schlimm nach Buchmisshandlung aus!

Wie wichtig ist nun also eine schöne Buchgestaltung?
Auf den ersten Blick ist ein Buch für mich so eine “Das Auge isst mit” Sache. Stellt euch nur mal vor, ihr bekommt irgendein euch unbekanntes zusammen gemantschtes Gericht vor die Nase gesellt, das einfach nur aussieht, als wäre es schon einmal durchgekaut worden. Viele von uns hätten gar nicht erst Lust, es zu probieren, sondern würden es direkt dankend von sich wegschieben. Daran ändern auch Beteuerungen, dass es wirklich köstlich schmeckt, nicht unbedingt etwas und wenn doch, dann kostet es uns meistens Überwindung und auch dann wird erstmal ganz vorsichtig mit langen Zähnen probiert (man könnte uns ja vergiften wollen!).

Bei Büchern geht es mir nicht anders. Mein Auge möchte etwas geboten bekommen, neugierig gemacht werden und dafür braucht es einfach eine ansprechende Gestaltung. Was wir als ansprechend empfinden ist natürlich bei jedem von uns unterschiedlich, ganz klar und so gibt es für mich auch kein Buch von dem ich sagen würde, dass die Aufmachung misslungen ist. Irgendjemand wird sich nämlich auch von einem Cover angesprochen fühlen, das mir ganz und gar nicht zusagt, sonst wäre es immerhin niemals soweit gekommen, dass es ein Buch schmücken darf.

Kurzum: Cover können eine Droge für meine Augen sein und wie eine Süchtige auf Entzug bewege ich mich ihnen entgegen, weil ich sie einfach aus der Nähe betrachten, anfassen, streicheln, besitzen muss. Klingt abgedreht? Nun ja, das ist es vielleicht auch, aber das ist mir reichlich egal. Jeder hat seine Schwächen und ansprechende Cover sind eine von meinen. Allerdings schließe ich von einem schönen Cover nicht auf einen schönen Inhalt, ebenso wenig, wie ein Cover, das mir nicht gefällt, für mich automatisch eine nicht lesenswerte Geschichte bedeutet. Es nur einfach so, dass das Innere in den wenigsten Fällen das ist, was mich auf das Buch aufmerksam werden lässt.


Nicht nur ich, sondern auch TatiElli und Franzi haben sich Gedanken gemacht. Schaut unbedingt bei ihnen vorbei!

10 Gedanken

  • Don't judge a book by its cover - Buchhaim Mai 13, 2018 at 11:01

    […] Kunterbunte Flaschenpost […]

    Antworten
  • Drüber Nachgedacht: Never judge a book by it's cover - oder doch? | Mai 13, 2018 at 11:01

    […] Maike kunterbunteflaschenpost […]

    Antworten
  • Wie beeinflusst die äußerliche Gestaltung den Buchkauf? - Bücher & Quatsch | Bücher & Quatsch Mai 13, 2018 at 11:15

    […] Kunterbunte Flaschenpost Lovelymix […]

    Antworten
  • Elli Mai 13, 2018 at 11:16

    Liebe Maike,
    ich brauche unbedingt ein T-Shirt oder einen Beutel mit der Aufschrift “Schöne Buchschnitte sind der neue heiße Shit”, das ist (leider) nur allzu wahr. Bei manchen Büchern passt es wirklich gut (Six of Crows, Nevernight) aber es gibt auch welche, bei denen das irgendwie nicht zur Aufmachung passt.
    Ich muss leider sagen, dass ich die originalen Cover oft sehr viel schöner finde, als die deutschen Varianten. Deutsche Cover und Titel sind leider oft so ohne erkennbare Kreativität gestaltet.
    Hast du eine bestimmte Vorliebe/Geschmack, was Cover angeht?
    Ein toller Beitrag!
    Liebe Grüße,
    Elli

    Antworten
    • MadameLustig Mai 14, 2018 at 10:47

      Witzig, wie unterschiedlich wir das empfinden. Aber vielleicht liegt das auch an den Genres, die wir lesen? 🙂
      Mich stört an den Originalcovern, die meistens aus der UK oder aus den USA kommen, einfach, dass sie in den Genres die ich bevorzuge (Jugendbuch, Young- und New Adult und Fantasy) einfach sehr einfallslos und austauschbar sind. Frau (manchmal auch mit Mann), Schnörkel und Titel über die gesamte Seite. Meh. Natürlich sind die Cover deswegen nicht automatisch hässlich, nein, aber sie sagen nichts über den Inhalt aus. Ich mag es, wenn das Cover bereits kleine Schnipsel der Geschichte wiedergibt und dadurch meine Neugier weckt, ebenso, wie ich es mag, wenn die Kreativabteilung einfach wirklich kreativ ist und sich das Cover dadurch am Ende von allen anderen abgebt (der Scherenschnitt-Stil fällt zB sofort auf!).

      Um genauer zu beschreiben, was ich meine hier mal ein paar Beispiele für Bücher, bei denen ich das deutsche Cover eindeutig lieber mag.
      – Live fast, play dirty, get naked von Kevin Brooks. Ich finde, dass der dtv Verlag die Stimmung der Geschichte viel besser eingefangen hat.
      – No going back von Stephanie Monahan. Das deutsche Cover passt sehr gut zum Inhalt, während das Originalcover einfach mal total nichtssagend ist.
      – 36 Fragen an dich von Vicky Grant. Auch hier passt das deutsche Cover viel besser, weil es durch die Sprechblasen ein Kernelement der Geschichte wiedergibt.
      – Liebe ist wie Drachensteigen von Ashley Herring Blake. Nicht nur, dass ich die Covergestaltung vom Magellanverlag wieder mal total süß finde, haben auch sie ein Kernelement aufgenommen. Das Originalcover hingegen ist .. nichtssagend. Ebenso wie der Titel.
      – Skinned-Trilogie von Robin Wassermann. Ich finde die Originalcover zwar nicht unpassend, aber leider doch austauschbar. Wenn ich die deutschen Hardcover hingegen sehe, weiß ich sofort, um was für Bücher es sich handelt.
      – Die “Liebe lieber übersinnlich” Trilogie von Kiersten White. Auch hier finde ich die Originalcover nicht hässlich, aber einfach austauschbar. Die Cover des Loewe Verlags hingegen passen wie die Faust aufs Auge zu der Geschichte, die einfach rosa und verpiept (hier werden nämlich alle Schimpfwörter durch ein Piep ersetzt) süß ist.

      Aber wie auch schon im Beitrag erwähnt, gibt es durchaus auch Originalcover, die ich den deutschen vorziehe, weil sie besser passen oder besonderer sind. Wie “Shatter me” oder “The Thousands Floor” zum Beispiel. 🙂

      Ganz liebe Grüße,
      Maike

      Antworten
  • Franzi Mai 13, 2018 at 11:18

    Huhu liebe Maike,

    hihi ich bin auch so froh, dass wir wieder ein Thema haben, dank dir :). Und einen schönen Beitrag hast du da geschrieben. Bei mir hängt die Aufmachung tatsächlich keine ganz so große Rolle, außer im Laden, wenn ich ohne Ziel einkaufen gehe. Aber auch ich finde, dass häufig sogar die deutschen Cover schöner sind. Und das Cover sollte halt keines sein, was so auf hunderten Büchern in der Art vorkommt, sondern für mich auch einen Bezug zum Inhalt darstellen :).

    glg Franzi

    Antworten
    • MadameLustig Mai 14, 2018 at 10:53

      Genau das ist es: das Cover sollte einen Bezug zum Inhalt darstellen!
      Wie kaufst du denn deine Bücher meistens, mit oder ohne Ziel? 🙂

      Ganz liebe Grüße,
      Maike

      Antworten
  • Alex Mai 13, 2018 at 12:03

    Ja das mit den Cover ist so eine Sache ^^. Ehrlich gesagt gehe ich schon sehr danach, besonders wenn ich in einem Buchladen bin. Vieles läuft da wahrscheinlich auch unterbewusst ab. Ich hab immer das Gefühl anhand der Cover schon grob erkennen zu können um welche Art von Buch es sich handelt, auch wenn das vermutlich nicht immer zutrifft.
    Trotzdem hab ich auch so einige Bücher hier, mit Covern die ich ehrlich gesagt auch ganz schön hässlich finde. Besonders wenn ich ebooks oder Bücher aufgrund von Rezensionen kaufe, rückt das Cover aber eh in den Hintergrund.
    Ein toller Beitrag 🙂
    LG Alex

    Antworten
    • MadameLustig Mai 14, 2018 at 11:07

      Vielen Dank für dein liebes Feedback, Alex! <3

      Genau so geht es mir auch: wenn ich in die Buchhandlung gehe und meinen Blick durch die Cover schweifen lasse, habe ich oft das Gefühl zu erahnen, was mich zwischen den Buchdeckeln erwartet. Und genau das mag ich sehr!

      Bei Empfehlungen achte auch ich nur wenig aufs Cover, weil ich da einfach noch einen anderen Anhaltspunkt habe, wenn man das so sagen kann. Ich weiß, dieses Buch hat mit XY empfohlen und weil XY weiß, was mir gefällt, erahne ich, dass die Geschichte mir gefallen könnte. Allerdings habe ich dadurch bis jetzt zum Glück noch keine Cover ins Regal stellen müssen, die ich wirklich wirklich hässlich finde. Toitoitoi. 😀

      Ganz liebe Grüße,
      Maike

      Antworten
  • Dörte Mai 17, 2018 at 00:41

    Hallo Liebes. 🙂
    In deinem Beitrag habe ich mich gerade total wiedergefunden. Auch mich zieht ein schönes Cover magisch an. Bedauerlicherweise bin ich dadurch aber auch schon einmal “geblendet” worden, denn manchmal ist die Verpackung um einiges schöner als der Inhalt. Das macht mich dann immer traurig. 🙁
    Ich sehe das wie du, dass man einigen Geschichten bestimmt Unrecht tut, weil man nicht in sie versinken wird, da einem das Cover nicht anspricht. Deine Metapher mit den Gerichten finde ich absolut passend gewählt. Ja verdammt! Wenn etwas nicht ansprechend ausschaut, dann soll das bitte weg. 😉
    Schlimm finde ich es, wenn die Cover etwas zeigen, was mit dem Inhalt nichts zu tun hat. Ich hatte es schon häufiger, dass meine Beste ein Buch niemals angerührt hätte, weil sie aufgrund des Covers dachte, es würde nicht ihrem Geschmack entsprechen. Aber dann erzähle ich ein bisschen über die Geschichte und sie sagt: “Das hätte ich jetzt überhaupt nicht gedacht. Hm, das hört sich doch interessant an.” Bei “Liebeskinder” war das glaub ich mal der Fall.
    Letztendlich ist es aber natürlich dennoch der Inhalt der zählt. Allerdings kann man den ja bei einem Bücherkauf nicht sehen. 😉 Also greife ich eher zu Büchern, die mich optisch ansprechen, auch wenn das manchmal nach hinten los geht. :/
    Alles Liebe
    Dörte

    Antworten

Lass mir deine Gedanken da

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Cookie-Einstellung

Bitte treffen Sie eine Auswahl. Weitere Informationen zu den Auswirkungen Ihrer Auswahl finden Sie unter Hilfe.

Treffen Sie eine Auswahl um fortzufahren

Ihre Auswahl wurde gespeichert!

Hilfe

Hilfe

Um fortfahren zu können, müssen Sie eine Cookie-Auswahl treffen. Nachfolgend erhalten Sie eine Erläuterung der verschiedenen Optionen und ihrer Bedeutung.

  • Eigene Cookies zulassen:
    Für die Webseiten-Statistik nutze ich Piwik/Matomo. Es werden keine Daten an Dritte weitergereicht und die IP-Adresse wird für die Analyse anonymisiert.
  • Keine Cookies zulassen:
    Es werden keine Cookies gesetzt, es sei denn, es handelt sich um technisch notwendige.

Sie können Ihre Cookie-Einstellung jederzeit hier ändern: Datenschutz.

Zurück