Dem Leben so nah von Teresa Wagenbach

Posted on Juni 29, 2016

Ich lese ja ganz gerne Romane mit tragischem Hintergrund und einer guten Portion Drama, wodurch diesem Buch mit seinem tollen Titel und Cover schnell meine Aufmerksamkeit zuteil wurde. Dass hier zusätzlich noch ein spiritueller Aspekt zum Tragen kommt, klang interessant und weckte meine Neugier.

Erschienen: Juni 2016 bei Forever | Format: Ebook | Seiten: 304 | Bewertung: 3 von 5 Fläschchen

Aber worum geht es eigentlich?
Ein tragischer Unfall hat ihr nicht nur ihre Familie, sondern auch jegliche Lebensfreude genommen und alles, was Annabel jetzt will, ist, sich wieder mit ihrer Familie zu vereinen. Nach einem Selbstmordversuch wird sie ins Krankenhaus eingeliefert, wo sie auf den Krankenpfleger Lukas trifft, der sich ihrer annimmt und sie bei sich wohnen lässt, um der jungen Frau zurück ins Leben zu helfen. Und während er das tut hilft er auch sich selbst, denn auch Lukas’ Leben ist alles andere als aus dem Bilderbuch.

Die Erzählperspektive wechselt zwischen …
… Annabel und Lukas hin und her, was ich bei zwei zentralen Charakteren grundsätzlich sehr begrüße, da ich dadurch einen Bezug zu beiden aufbauen kann. Allerdings gingen mir die Perspektwechsel hier bisweilen zu schnell von statten, so dass ich oft verwirrt war und den Überblick verloren hatte. Das führte dazu, dass ich mich häufig gezwungen sah, nochmal zurückzublättern, was ich dann doch leider als etwas nervig empfand.

Es herrschte eine entspannte Atmosphäre in der Wohnung, 
und Lukas erkannte plötzlich wieder etwas von dem Glanz, 
welches dieses Haus früher für ihn besessen hatte. (S. 105)

Leider geht die Autorin auch während der einzelnen Szenen sehr sprunghaft vor, wodurch diese gar keine Chance bekamen, sich zu entfalten. Das hatte zur Folge, dass ich so meine Schwierigkeiten hatte, mich in Charaktere und Handlung einzufühlen. Dazu kamen gerade zu Beginn einstudiert wirkende Dialoge, die es mir zusätzlich nicht nur schwer machten, einen Bezug zu Annabel und Lukas aufzubauen, sondern nahmen sie dem Ganzen auch Glaubhaftigkeit und Tiefe. Schade, denn anstatt mich voll und ganz in die Geschichte zu vertiefen, hüpfte ich vorerst eine ganze Weile hilflos und überfordert von all den Szenenbruchstücken durch die Seiten, was nicht nur meinen Lesefluss, sondern auch meine Leselust störte.

Sie wollte ihm dafür danken, was er alles für sie getan hatte, 
doch sie konnte ihren Dank nicht in Worte fassen. Sie wollte ihm sagen, 
was für ein toller Mensch er war, 
doch sie konnte ihre Gefühle nicht ausdrücken. (S. 175)

In Dem Leben so nah erzählt Autorin Teresa Wagenbach eine Geschichte über Schmerz, Trauer, Hoffnung, Glauben, tiefer Verzweiflung und Liebe. Eine Geschichte über das füreinander da sein und stützen, über Verantwortung, uneigennütziger Hilfestellung und den Kampf fürs Leben. Eine Geschichte, die durch all dies eigentlich eine gewaltige und emotionsgeladene Atmosphäre hätte schaffen und ein Wechselbad der Gefühle nach dem anderen auslösen sollte, doch das tat sie aus oben bereits genannten Gründen bei mir leider erst spät. Aber sie kamen, die Gefühlsstrudel, die mich gefangen hielten und nicht mehr losließen. mich mit den Charakteren mitfühlen und hoffen ließen und ab dem Moment war der Knoten geplatzt und es wurde wirklich gut. Schade nur, dass ich circa die Hälfte des Buches lesen musste, ehe ich meine Freude daran gewann, denn die Geschichte um Annabel, Lukas und all ihren Problemen hat es eigentlich verdient, dass man von Beginn an an den Seiten klebt.

Zusammengefasst heißt das .. 
Nach anfänglichen Schwierigkeiten, mich in die Geschichte einzufinden wurde das Buch für mich ab circa der Hälfte zu einer fesselnden Lektüre, wobei es hauptsächlich dem angenehmen Schreibstil der Autorin zu verdanken war, dass ich überhaupt bis dahin kam. Aber ich wurde belohnt. Wer nun also von meinen Kritikpunkten nicht abgeschreckt ist, sollte sich das Buch ruhig mal etwas genauer ansehen.

 

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