Der Fall Paper Princess oder auch: Ich möchte bitte lesen dürfen, was ich möchte!

Posted on Dezember 15, 2017

Bücher lesen, Rezensionen und Adventsbeiträge schreiben, Weihnachtskekse backen, Geschenke kaufen, basteln, Termine wahrnehmen – meine To-Do Liste für den Dezember ist lang. Doch anstatt mich mit ihr zu beschäftigen und dafür zu sorgen, so schnell wie möglich alle Punkte abzuhaken, damit ich die Weihnachtszeit entspannt genießen kann, sitze ich nun hier und haue in die Tasten. Tippe Wörter in mein Word-Dokument, die so gar nichts mit dem zu tun haben, was ich eigentlich machen sollte. Aber ich ärgere mich gerade einfach grün und wenn das passiert, fällt es mir schwer, mich auf andere Dinge zu konzentrieren, ohne mir vorher Luft gemacht zu haben.

Immer wieder liest oder hört man, dass die falschen Bücher gelesen werden. Dass Unterhaltungsliteratur zu anspruchslos, zu klischeebeladen und zu vorhersehbar ist und oft Geschichten erzählt werden, die nicht realitätsnah genug sind, um lesenswert zu sein. Und um solche Bücher einen großen Bogen zu machen, ist ja auch Jedermanns gutes Recht, schließlich soll man seine Lesezeit nicht mit etwas vergeuden was einem nicht gefällt, aber soll ich euch mal was sagen? Ich finde Unterhaltungsliteratur – und darunter ganz besonders Jugend-, Young- und New Adult Bücher – toll! Dabei würde ich mich in keinster Weise als anspruchslos bezeichnen. Im Gegenteil. Wenn ich zu diesen Büchern greife, dann, weil ich von ihnen erwarte, dass sie mich zum lachen bringen, meinen Alltag für eine Weile ausknipsen, mein Gedankenkarussel in Zwangspause schicken und mir ein Gefühl von Leichtigkeit geben. Das ist phasenweise wahnsinnig wichtig für mich, um nicht unterzugehen. Bücher sind in dieser Zeit für mich Medizin. Sie setzen meine Gedanken Schachmatt, verschaffen mir Raum und Luft zum atmen und erfüllen mich darüberhinaus mit einem ganzen Haufen positiver Gefühle, die ich zu diesen Zeiten so bitter nötig habe. Sie erden mich. Und weil Bücher für mich all das sind, geht es mir mehr und mehr auf den Keks, dass sich immer mehr Leute herausnehmen, anderen Lesern zu sagen, was sie lesen dürfen und was nicht. Und das in einer Lautstärke, die einfach nicht mehr zu überhören ist.

 

Seit inzwischen gut zweieinhalb Jahren bin ich nun als Buchbloggerin unterwegs und wenngleich es während dieser Zeit natürlich immer mal wieder kleinere und größere Aufreger gegeben hat, habe ich nicht ein einziges Mal erlebt, dass ein Buch so heftig und vor allem so lange in der Kritik stand, wie es bei Paper Princess beziehungsweise der gesamten Paper-Serie nun der Fall ist. Und ich verstehe einfach nicht, wieso. Wobei, nein, das ist so nicht ganz richtig. Ich kann einige Punkte schon nachvollziehen, auch, wenn ich selbst anderer Ansicht bin. Und man sollte meinen, dass das kein Problem darstellt, dass wir alle unseren Standpunkt haben dürfen und niemand deswegen von der anderen Seite kritisiert oder gar beleidigt wird. Aber dem ist nicht so und während ich lange Zeit versucht habe, das zu ignorieren und dafür sogar eine Social Media Pause eingelegt habe, funktioniert das jetzt einfach nicht mehr für mich. Warum? Weil mir zum einen der Spaß am Austausch mit euch mehr und mehr abhanden kommt und ich zum anderen manche Aussagen einfach nicht so stehen lassen kann. Nicht zuletzt, weil ich mich persönlich angegriffen fühle.

Es stört mich einfach gewaltig, dass es nur eine Meinung, eine Sichtweise geben zu dürfen scheint und wer das anders sieht wird als Mensch dritter Klasse behandelt. Meinungsfreiheit, Akzeptanz und Respekt sollen aber nicht nur schön klingen und ausgelebt werden, wenn es gerade gut passt, sondern eben auch dann, wenn es schwer wird. Aber nein, es wird stattdessen fröhlich be- und verurteilt was das Zeug hält und das sehr häufig von Leuten, die noch nicht mal das Buch gelesen haben und sich nun an völlig aus dem Kontext gerissene Textstellen festklammern, die irgendwann mal auf Twitter geteilt wurden. Und das macht mich verdammt traurig.

Ihr Lieben, ich möchte hier keinen Streit vom Zaun brechen, keine Fronten verhärten oder große Grundsatzdiskussionen führen. Aber ich möchte auch nicht mehr die Klappe halten. Ich möchte euch erzählen, warum ich mich angegriffen und beleidigt fühle und euch erklären, warum ich die Paper-Serie nicht als Problem sehe. Mir ist natürlich vollkommen klar, dass ihr am Ende meines Beitrags nicht alles genauso sehen werdet, wie ich es tue und das ist aus meiner Sicht auch vollkommen okay. Ich würde mir nur wünschen, dass ihr über euren eigenen Tellerrand hinausschaut, eure Grenzen und eure Erfahrungen kurz beiseite schiebt und schaut, ob eine andere Sicht auf die Dinge, wenngleich ihr sie nicht gut heißt, nicht vielleicht doch auch nachvollziehbar wäre.

Wer die Paper-Serie mag, tritt den Feminismus mit Füßen
Diese Aussage ist vor einigen Monaten, als Paper Princess gerade ganz frisch ein Leserherz nach dem anderen erobert hat, tatsächlich in meine Twitter-Timeline gespült worden. Und ich fühle mich von ihr persönlich angegriffen. Versteht mich nicht falsch, ich finde den Kampf um Frauenrechte gut und wichtig und würde niemals einer Frau sagen, dass sie sich mal nicht so anstellen soll, weil ja alles sowieso nicht so gemeint war, wie sie das empfindet. Nie. Aber Leute, auch ich bin eine Frau und ebenso wie ihr, habe auch ich das Recht auf Selbstbestimmung. Ich lege fest, wo meine Grenzen sind, welche Worte ich in den Mund nehme oder welche Sexpraktiken ich toll finde und ausübe. Ich, nicht ihr und auch niemand anderes. Und weil jeder selbst bestimmt, wo seine Grenzen liegen, kann es eben auch zu Situationen kommen, die die eine als Übergriff empfindet, während sie für die andere Frau völlig normal und okay ist. Hier heißt das Schlüsselwort gegenseitige Akzeptanz. Beim Feminismus geht es nämlich nicht darum, allgemein gültige Grenzen festzulegen, sondern jedem Mädchen und jeder Frau das Recht einzuräumen, eigene Grenzen zu setzen.

Die Paper-Serie vermittelt ein völlig verzerrtes Bild der Realität und einer gesunden Beziehung
Eine gesunde Beziehung ist eine Beziehung, in der sich beide Seiten respektvoll und auf Augenhöhe begegnen, in der die Wünsche des anderen akzeptiert werden, in der man sich aufgefangen und sicher fühlt und in der man glücklich ist. Das alles kann auch in einer BDSM-Beziehung der Fall sein. Die Aufforderung Blas mir einen oder Nimm ihn in den Mund und lutsch meinen Schwanz hat per se nichts mit Machtposition oder sexueller Gewalt zu tun, wie es auf Twitter mehrfach hieß. Ihr mögt so eine Sprache oder gewisse Praktiken nicht? Völlig okay! Aber es ist auch in Ordnung sie zu mögen und jene Menschen, die es tun, haben ein Recht darauf, dass dies auch akzeptiert wird. Übrigens ist auch die Beziehung zwischen Ella und Reed nicht ungesund. Ja, ich weiß, die beiden hatten zu Beginn ein paar Probleme miteinander (auf die gehe ich gleich noch etwas genauer ein), aber das bleibt nicht so. Sie entwickeln sich ebenso weiter wie ihre Beziehung, räumen gemeinsam die Probleme aus dem Weg, begegnen sich auf Augenhöhe, stärken einander den Rücken und respektieren die Gefühle des anderen.

Wenig verzerrt wird meiner Meinung nach auch das Bild der Schule dargestellt. Dass hier die Schüler regieren und die Lehrer nur wenig bis gar nichts zu sagen haben, wurde ja ebenfalls heftigst diskutiert und ich freue mich, dass anscheinend so viele von euch eine Schule besucht haben, an der alles vorbildlich abgelaufen ist. Ich selbst war nicht auf so einer Schule, dabei sollte man doch eigentlich meinen, dass gerade eine Privatschule in Sachen Vorbild ganz oben auf der Liste der tollen Schulen stehen sollte, oder? Dem ist aber nicht unbedingt so. Bei uns hat ebenfalls das Geld regiert, die reicheren Kids haben die ärmeren Kinder schikaniert und die Lehrer konnten nicht wirklich durchgreifen. Aber wir hatten alle gute Noten und zwar ungekauft. Und auch an anderen Schulen läuft nicht alles so rund, wie man vielleicht meint. Gewalt, Gangs und Drogen sind keine Seltenheit und auch das sind Probleme, die die Schulen einfach nicht in den Griff bekommen und da frage ich mich schon, wie man nun darauf kommt, das Schulbild in der Paper-Serie wäre verzerrt?

Paper Princess

Junge Leser sollten vor Büchern wie die Paper-Serie geschützt werden
Wüsste ich nicht mit ziemlicher Sicherheit, dass diese Aussage ernst gemeint war, hätte ich gedacht, die Twitterer, die das befürworten, hätten sich einen Scherz erlaubt. Nein, ich bin nicht dafür, dass solche Bücher verboten werden und ja, ich würde solche Bücher auch meiner Nichte zum lesen geben, sobald sie alt genug ist. Ich verstehe ja den Wunsch, dass man gerade junge Mädchen schützen möchte, doch sehe ich hier einfach nicht wovor und habe die Hoffnung, dass der Nährboden dieser lauten Stimmen Halbwissen gewesen ist, denn das, was hier in den Büchern passiert, ist einfach nicht völlig aus der Luft gegriffen und realitätsfern, sondern tatsächlich ziemlich alltäglich. Wieso sollte ich also jungen Lesern Lektüren verbieten, die sich mit Problemschulen, Familiendramen, Tod und Liebeskummer befassen? Weil es nicht schön ist, wie die Figuren in den Büchern mit all diesen Dingen umgehen? Weil sie zeigen, dass es normal ist, von Gefühlen auch mal überwältigt zu sein, keinen klaren Gedanken mehr fassen zu können, mit sich selbst und seinem Drum herum überfordert zu sein und auch mal dumm zu handeln? Ich für meinen Teil bin der Meinung, dass es besser ist den Menschen zu zeigen, dass sie nicht alleine sind, dass ihr heißgeliebter Buchcharakter, Musiker, Schauspieler oder wen auch immer sie sonst so anhimmeln ebenso kämpfen muss, wie sie, aber dass es irgendwann auch wieder besser wird. Viel wichtiger als den ständig erhobenen Zeigefinger und die Moralpredigten finde ich doch, unsere Kinder zu starkten Persönlichkeiten zu erziehen, die keine Angst vor ihren Gefühlen haben zu müssen, ganz gleich, ob es schlechte oder gute sind und sie ermutigen, ihre eigenen Grenzen zu setzen, Nein! zu sagen und Nein! zu akzeptieren, anstatt immer sofort jeden zu verurteilen und ihm ein Etikett zu verpassen.

Aber zurück zu Paper Princess. Wie eben erwähnt, sind diese lauten und teilweise eskalierten Diskussionen durch Halbwissen entstanden. Halbwissen, mit dem ich hoffentlich gleich aufräumen werde. Wer die Serie also nicht gelesen hat, es aber noch tun möchte, sollte ab hier vielleicht nicht weiter lesen, da ab jetzt allerhöchste Spoilergefahr gilt.

Oh mein Gott, hier prostituiert sich eine 17-jährige!
Die Diskussion um Ella und womit sie ihr Geld verdient, hat mich oftmals ungläubig den Kopf schütteln lassen. Zum einen, weil Ella sich gar nicht prostituiert, sondern strippt! Klar, auch das ist kein geeigneter Job für eine 17-jährige, aber (und ab hier werdet ihr so einige Abers lesen) in Anbetracht der Umstände nachvollziehbar (auch das werdet ihr ab jetzt häufiger lesen). Ellas Mutter, die als Stripperin gearbeitet hat, erkrankt unheilbar an Krebs und muss in ein Hospiz. Das junge Mädchen steht nun vor dem großen Problem, sowohl für die Hospiz- und Medikamentenkosten wie auch für die Miete und Lebensmittel alleine aufkommen zu müssen und das neben der Schule. Wie andere Teenager als Babysitterin zu jobben, wie es auf Twitter so einige Male betont wurde, bringt in so einer Situation einfach überhaupt nichts und alleine, dass es solche Kommentare überhaupt gab, zeigt mir, dass sich noch nicht mal die Mühe gemacht wurde, auch nur die ersten 2 Kapitel zu lesen. Aber Hauptsache seinen Senf abgeben! Und ja, so unrealistisch, wie manch einer vielleicht denkt, ist eine 17-jährige Stripperin ja nun auch nicht, oder? Auch hierzulande gibt es solche Fälle.

Missbrauchsverhältnis in Paper Princess
Hierbei geht es darum, dass Callum Ella ein ziemlich hohes Taschengeld pro Monat zahlt und ihr noch einen Bonus verspricht, wenn sie bis zum Schulabschluss bei ihnen bleibt, aber auch das ist, ihr ahnt wahrscheinlich bereits, nachvollziehbar. Wie ihr inzwischen wisst, hat Ella gestrippt, weil sie Geld brauchte. Aber nicht nur, um die Rechnungen ihrer Mutter zu bezahlen und für Essen und Unterkunft aufkommen zu können, sondern auch, weil sie nach der Schule aufs College will. Sie will ein anderes, besseres Leben für sich. Callum weiß das und bietet ihr sozusagen an, das College für sie zu bezahlen, wenn sie dafür bei ihm wohnt und dort zur Schule geht. Als Tochter seines verstorbenen besten Freundes, ist sie für ihn ein Teil der Familie und er behandelt sie, als wäre sie seine eigene Tochter. Sie bekommt das gleiche Geld wie seine Söhne, ein Auto und nachdem die Probleme mit den Jungs aus dem Weg geräumt sind, lässt niemand von den Royals mehr etwas über Ella kommen. Ella ist Familie und die wird beschützt.

Paper Princess

Rape Culture, Gewalt und Alkoholmissbrauch in der Paper-Serie
Den Vorwurf Rape Culture finde ich schon sehr heftig und ich habe so einige Male mit befreundeten Lesern und Bloggern darüber geredet, weil ich befürchtete, dass mit mir irgendwas nicht stimmt, weil ich eben völlig anderer Ansicht bin. Und ich hadere ehrlich gesagt auch gerade mit mir, diesen Punkt hier überhaupt anzusprechen, weil ich niemanden vor den Kopf stoßen und auch nicht den Eindruck erwecken möchte, eure Gefühle unwichtig reden zu wollen. Da ich mir aber nun mal vorgenommen habe, euch zu erzählen, warum ich anderer Meinung bin, fänd ich es falsch, nun einen Bogen um den größten Kritikpunkt zu machen, weswegen ich mir jetzt einfach selbst ganz fest die Daumen drücke, dass ich gleich niemandem von euch zu nahe trete. Ich würde allerdings verstehen, wenn ihr glaubt, dass euch das zu sehr aufregen oder triggern könnte und ihr deswegen lieber nicht wissen wollt, was ich zu sagen habe und gleich bis zum Ende vorscrollt, auch, wenn ich natürlich hoffe, dass ihr weiter lest.

Bevor ich hier jetzt zu den kritisierten Stellen komme, muss ich euch erstmal ein paar Informationen an die Hand geben, die man im Laufe der Serie bekommen hat und die überaus wichtig sind, um zu verstehen, wieso die Figuren handeln, wie sie es nun mal tun. Reed ist einer von 5 Brüdern, seine Familie hat sehr viel Geld und sein Vater ist als Firmenchef sehr oft auf Reisen gewesen. Wie in jeder Familie gibt es auch bei den Royals Probleme. Eins davon ist, dass sich die Mutter der 5 das Leben genommen hat. Reed hat sie gefunden. Er vermutet, dass ihr Vater mehrfach fremd gegangen ist und die Mutter das nicht mehr ausgehalten hat. Außerdem geben sich Reed und Easton aus ganz eigenen Gründen (denn Heilige sind sie beide nie gewesen) die Schuld am Tod ihrer Mutter. Nun hat der Vater recht bald eine neue Freundin, die lediglich ein paar Jahre älter ist als Reed und sich an ihn ranmacht. Als Callum nun eines Abends mit Ella im Schlepptau erscheint, glaubt Reed, sie wäre die nächste Gespielin seines Vaters und um zu verhindern, dass sie sich an seine Brüder ranmacht, greift er voraus, schüchtert Ella ein und macht ihr das Angebot, sie ausreichend zu befriedigen, solange sie die Finger von seinen Brüdern lässt. Natürlich ist das nicht schön und von mir hätte er dafür wahrscheinlich einen Tritt in seine Kronjuwelen bekommen, aber unterm Strich hat er einfach versucht, seine Familie zu beschützen und in Anbetracht der Vorgeschichte und seinem Irrglauben kann ich durchaus nachvollziehen, wie es zu seinem Verhalten kommen konnte.

Nächster Kritikpunkt war, dass Ella unter Drogen stand als sie von Reed befriedigt wurde. Steinigt mich jetzt nicht, aber viele von uns standen sicher auch schon mal ordentlich unter Alkoholeinfluss, als sie unbändige Lust verspürt und daraufhin Sex hatten. War das am nächsten Morgen für euch im Nachhinein dann immer Vergewaltigung? Davon aber mal ganz abgesehen, war Reed hier sehr zurückhaltend. Er wollte Ella helfen, aber nicht auf die Art, weil er Angst hatte, sie würde das am nächsten Tag bereuen und ihn wieder hassen. Nachdem Ella ihn aber mehrfach anfleht, gibt er schlussendlich doch nach, hat am nächsten Morgen dann allerdings große Angst vor ihrer Reaktion. Sie beruhigt ihn jedoch und betont mehrfach, dass er nichts getan hat, was sie nicht wollte! Übrigens prescht Reed sexuell auch nicht vor, als die beiden dann irgendwann endlich ein Paar werden. Im Gegenteil, Ella ist diejenige, die mehr will und Reed der, der sie bremst, weil sie alle Zeit der Welt haben und nichts überstürzen müssen.

Stark kritisiert wurde außerdem, dass Reed und Easton sich regelmäßig prügeln und Easton darüberhinaus ein Alkohol- und Spielproblem hat. Nun, das finde ich auch nicht toll, aber auch hier gilt aus meiner Sicht: es ist nachvollziehbar. Man darf nicht vergessen, was diese Jungs durchmachen und wie sehr sie leiden und dass sie sich ein Ventil suchen, um ihre Wut, die Trauer und den Schmerz rauszulassen und irgendwie versuchen, überhaupt wieder etwas zu fühlen, ist nur menschlich. Als Nichtbetroffener kann man immer leicht sagen, sie hätten in der Situation dies das jenes tun können und dass ihr Verhalten kindisch war, aber soll ich euch mal was sagen? Wir sind alle Menschen und als solche handeln wir manchmal dumm. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich unüberlegt, impulsiv und dumm gehandelt habe, weil ich verletzt, tot traurig und überfordert war und ich würde nicht behaupten, dass ich dadurch nun weniger einfühlsam, sensibel und hilfsbereit und ein schlechter Mensch geworden bin. Wenn jeder so wunderbar beherrscht mit Schicksalsschlägen, Gefühlen und Überforderung umgehen würde wie jene, die hier so fröhlich kritisieren, wären Psychologen und Psychiater wohl bald arbeitslos.

Ihr seht, trotz dessen, dass ich die Reihe wirklich sehr gerne mag, finde auch ich nicht alles uneingeschränkt toll, was hier passiert, aber das muss ich auch gar nicht. Ich muss mit den Figuren nicht immer konform gehen, damit mir ein Buch gefällt und um ehrlich zu sein, will ich das auch gar nicht. Ich will Handlungen hinterfragen müssen, dazu angehalten werden, über meinen Tellerrand hinauszuschauen, mich in Figuren hineinzuversetzen und das große Ganze zu sehen, bevor ich mir ein Urteil bilde. Und ich wünsche mir, dass das akzeptiert wird, dass Leser wie ich nicht gleich an den Pranger gestellt werden und so getan wird, als hätten wir nicht mehr alle Latten am Zaun, nur, weil wir die Dinge ein wenig anders sehen oder etwas anders lesen. Ich möchte so gerne wieder Spaß daran haben, meine Begeisterung für ein Buch mit euch zu teilen und nicht erst überlegen müssen, wie hoch das Shitstormrisiko ist.

Bevor ich euch jetzt gleich euch selbst und der Kommentarfunktion meines Blogs überlasse, möchte ich abschließend noch eins loswerden: Jeder, der dieser Buchreihe oder auch dem gesamten Genre kritisch gegenüber steht, wird seine Gründe dafür haben. Das respektiere ich. Ich selbst habe allerdings auch Gründe für meine Meinung und die liegen in meiner Vergangenheit, in meinen Erfahrungen, auf den steinigen Wegen, die ich gegangen bin, in meinen Verlusten, in meinem Schmerz und meiner Angst. Ich habe über die Jahre gelernt, dass nicht alles schwarz oder weiß, gut oder schlecht ist und dass man Worte, Blicke, Situationen und Reaktionen nicht durch einen flüchtigen, oberflächlichen Blick beurteilen kann, sondern um die Ecke schauen und auch mal nach dem Warum fragen muss. Das ist, was das Leben mich gelehrt hat, doch es ist für mich auch vollkommen okay, wenn es euch da anders geht. Ich wünsche mir nur, dass ihr auch meine Sicht auf die Dinge respektiert und, solltet ihr mir im Anschluss eure Meinung mitteilen wollen, nicht beleidigend werdet.


Ihr möchtet noch ein bisschen über Paper Princess und die Gründe lesen, die für die Serie sprechen? Dann schaut unbedingt bei Ramona von Kielfeder vorbei, denn auch sie versucht euch heute zu erklären, wieso sie die Serie gut und die Diskussion darum übertrieben findet.

35 Gedanken

  • Vorwürfe gegen Paper Princess: Kommentar einer Leserin - Kielfeder Dezember 15, 2017 at 16:05

    […] hat sich auch Maike von Kunterbunte Flaschenpost Gedanken zum Fall Paper Princess […]

    Antworten
  • Pia Lutz Dezember 15, 2017 at 16:29

    Hallo!

    Ein toller Beitrag!
    Zunächst einmal, finde ich deinen Satz “Beim Feminismus geht es nämlich nicht darum, allgemein gültige Grenzen festzulegen, sondern jedem Mädchen und jeder Frau das Recht einzuräumen, eigene Grenzen zu setzen.” Sehr genial! Endlich sagt’s mal jemand!

    Die Reihe habe ich selbst nicht gelesen, und daher wohl auch dieses strittige Thema irgendwie verpasst, aber ein paar Dinge lassen sich natürlich auch auf die Allgemeinheit übertragen: Gerade der Punkt, dass jeder doch das lesen soll was er möchte und dass es so etwas wie “anspruchslos” nicht gibt, weil jeder seine eigenen Ansprüche hat. Nicht jeder muss ein Buch aus der aktuellen Liste des deutschen Buchpreises lesen. Und wenn mich Klischees unterhalten, dann ist das eben so!

    Die anderen Dinge wie Vergewaltigung, Gewalt, Sucht etc, finde ich sollte man in Büchern nicht verbieten oder kritisieren, so lange sie nicht verherrlicht werden. Wobei da natürlich jeder andere Grenzen setzt.

    Liebe Grüße,
    Pia! 🙂

    Antworten
    • MadameLustig Januar 10, 2018 at 14:25

      Ich stimme dir vollkommen zu, solange jene Themen nicht verherrlicht werden oder zumindest nachvollziehbar erklärt wird, woher dieses Verhalten rührt, sehe ich kein Problem darin, dass sie in Büchern Raum bekommen.

      Ganz ganz herzlichen Dank für dein liebes Feedback! <3

      Antworten
  • Buechertatzen - [Sonstiges] Vorschriften über den Büchergeschmack und das Sexleben? Ohne mich! - Buechertatzen Dezember 15, 2017 at 17:26

    […] Der Fall Paper Princess oder auch: Ich möchte bitte lesen dürfen, was ich möchte! […]

    Antworten
  • Kira Wendorff Dezember 15, 2017 at 17:27

    Ein wirklich toller Beitrag!
    Du sprichst mir da einfach aus der Seele, schön , dass du gleichzeitig sachlich und emotional – nachvollziehbar- deinen Standpunkt rüberbringst.
    Ich mag die Bücher und ich mag “leichte Kost”. Ich mag es Unterhalten zu werden!
    Danke für diesen Artikel.

    Antworten
    • MadameLustig Januar 10, 2018 at 14:26

      Vielen Dank für dein liebes Feedback, liebe Kira!
      Ich finde es toll, dass du von Büchern unterhalten werden willst und wünsche dir ganz viele Bücher, die genau das tun!

      Antworten
  • Steffi Dezember 15, 2017 at 18:03

    Hey,

    wenn ich schon lesen muss “dass die falschen Bücher gelesen werden”, dann bekomme ich schon einen zu viel. -.-

    Mich nervt die Diskussion um diese Buchreihe extremst. Und ich muss auch ehrlich sagen, dass ich keine Lust habe Paper Princess zu lesen, obwohl ich es mir auf der LBM17 gekauft habe. Damals haben die Wellen um die Reihe noch nicht so hoch geschlagen. Ich habe auch kein Nerv darauf mich rechtfertigen zu müssen, sollte mir das Buch tatsächlich gefallen.
    Ich liebe die Buchbloggerwelt, aber genau das ist echt anstrengend.

    Hab einen tollen Abend.

    Ganz lieben Gruß
    Steffi von angeltearz liest

    Antworten
    • MadameLustig Januar 10, 2018 at 14:34

      Wie Recht du hast, liebe Steffi. Grundsätzlich begrüße ich Diskussionen rund um Bücher, aber Twitter ist da einfach der völlig falsche Ort für. Dort ist es ein Leichtes, irgendwelche Ausschnitte mit einem hitzigen Kommentar zu posten und daraus eine kleine Hetzjagd gegen jeden entstehen zu lassen, der anderer Meinung ist. Twitter ist einfach zu schnelllebig und zu unübersichtlich, um das zu verhindern.

      Ich wünsche dir, dass du irgendwann vielleicht doch nochmal Lust auf das Buch bekommst. Es ist so traurig, dass die Community manchmal die Freude an Büchern nimmt.

      Antworten
  • Larissa | The Book Hubble Dezember 15, 2017 at 18:09

    Normalerweise bin eher stille Leserin und kommentiere selten, aber dein toller Beitrag hat mich dazu bewegt auch mal etwas loswerden zu wollen 😀

    Mal ganz davon abgesehen, dass es jedem selbst überlassen sein sollte was er gerne liest und wobei er abschalten kann und sich toll unterhalten fühlt, frage ich mich bei einigen Büchern, die als problematisch gelten, was genau denn an ihnen so problematisch sein soll. Es passieren im Leben eines jeden Menschen so viele furchtbare Dinge und so etwas sollte auch in Büchern repräsentiert sein. Das Leben ist nicht immer positiv, alles läuft rund und jeder verhält sich genauso wie man es sollte, in perfekter Harmonie. Nein, Menschen machen Fehler, treffen harte Entscheidungen, die manchmal einfach falsch sind, oder sind einfach bösartig anderen Menschen gegenüber. Freut es jeden über so etwas zu lesen? Natürlich nicht, aber so ist die Welt eben. Wie würden Bücher denn aussehen, wenn alles Negative herausgeschnitten wäre? Meiner Meinung nach furchtbar langweilig und absolut nicht repräsentativ.
    Wenn über solche Themen gesprochen wird muss man natürlich immer vorsichtig sein, weil sich viele so schnell auf den Schlips getreten fühlen und ich möchte auf gar keinen Fall irgendjemanden beleidigen oder angreifen. Es ist natürlich eine ganz andere Geschichte, wenn bestimmte Dinge oder Situationen für manche Leute Trigger darstellen, aber darum geht es glaube ich in der Diskussion eher weniger.

    Die Paper Reihe habe ich selbst noch nicht gelesen, habe neulich aber eine Rezension zum Buch “Anna and the French Kiss” gesehen in der bemängelt wird, dass eine der Hauptpersonen noch in einer anderen Beziehung ist während er Gefühle für ein anderes Mädchen entwickelt und sich seiner Noch-Freundin gegenüber in Folge dessen ziemlich mies verhält. Ist das Buch deshalb schlecht oder problematisch oder nicht lesenswert? Meiner Meinung nach auf keinen Fall. Natürlich ist das Beispiel etwas weniger extrem als die ganzen Vorwürfe, die der Paper Reihe gemacht werden, aber im Grunde geht es doch um das gleiche. Natürlich verhält er sich falsch, aber Menschen sind eben menschlich und machen Fehler. Niemand klopft ihm deswegen auf die Schulter und sagt “ja, mach weiter so”. Es führt zu Konflikten, durch die sich die Charaktere durcharbeiten müssen und mir kommt es mit der Paper Reihe durch all das, was ich schon über sie gehört habe, ähnlich vor.

    Ich mag Hauptcharaktere nicht, die immer lieb zu jedem sind, sich immer richtig verhalten und nie Fehler machen. Im Gegenteil, es gefällt mir, wenn sie sich im Laufe einer Geschichte entwickeln und trotzdem nicht komplett rund sind, denn das ist für mich realistischer. Das ist aber eben nur meine persönliche Meinung und jeder muss danach gehen, wie er selbst empfindet und die entsprechenden Bücher lesen.

    Dieser Kommentar ist jetzt sehr ausgeartet, aber ich hoffe es ist trotzdem verständlich was ich sagen wollte 😀
    Ein sehr schöner Beitrag von dir! 🙂

    Ganz liebe Grüße!

    Antworten
    • MadameLustig Januar 10, 2018 at 14:50

      Liebe Larissa, vielen vielen Dank für dein tolles Feedback!
      Ich konnte während des Lesens nur immerzu ganz kräftig nicken, weil du so Recht hast! Als Mensch handelt man einfach nicht immer rational, auch, wenn es manche Leute gibt, die genau das verlangen. Angst, Schwarm, Überforderung, Trauer etc führen halt dazu, dass wir dumme Dinge tun, um entweder uns selbst oder unser Gegenüber zu schützen. Macht uns das zu schlechten Menschen? Nein. Es macht uns einfach nur menschlich.

      Natürlich finde ich es nicht toll, wenn ein Kerl ein Mädchen sexuell bedrängt oder jemand betrogen wird. Es gibt aber einfach menschliche Gründe, wieso solche Dinge passieren können (jene, die sich gezielt so verhalten, schließe ich hier aus) und wenn diese Gründe dargelegt und sich mit ihnen auseinandergesetzt wird, sind solche Themen in Büchern für mich durchaus vertretbar.

      Antworten
  • Ira Dezember 15, 2017 at 18:53

    Hi, ich habe gerade schon bei Ramona ausführlich meinen Senf dazu gegeben… Mich wundert nur, dass diese Diskussion bei diesem Buch aufkommt (vielleicht, weil gerade #metoo und dergleichen durch die Medien gingen und das Bewusstsein gerade geschärft ist?). Ganz ehrlich, ich fand Bellas Verhalten in Twilight absolut krankhaft und ungesund, abhänging von einem Typen, nutzt den anderen aus usw., die Shades of Grey mochte ich gar nicht, auch weil ich nicht das Gefühl hatte, dass Anna richtig freiwillig mitgemacht hat, sondern nur, um Christian einen Gefallen zu tun, aber auf einmal waren überall Kabelbinder und Co ausverkauft und hier, bei Paper Princess, wird so ein Aufruhr verursacht? Das ist für mich, auch nach Lektüre des Buches (das ich übrigens per Zufall gerade gestern das erste Mal gelesen habe), absolut nicht nachvollziehbar. Und seit wann muss man sich dafür rechtfertigen, wenn man ein Buch mag?
    Liebe Grüße,
    Ira

    Antworten
    • MadameLustig Januar 10, 2018 at 15:04

      Liebe Ira,
      es tut mir sehr leid, dass ich dir erst heute antworte. Warum ausgerechnet dieses Buch so hitzig und beleidigend diskutiert wurde? Ich glaube, dass neben der minderjährigen, strippenden Protagonistin vor allem die Leserunde #bbfliest dazu geführt hat, dass das Ganze so ausgeartet ist. Sollte dir der Hashtag nichts sagen: darunter lesen eine Gruppe Buchfreunde Bücher, die in die Paper Princess Richtung gehen, regen sich auf Twitter darüber auf, zerreißen es und untermauern ihre hitzigen Kommentare mit Bildern einiger Textausschnitte.

      Nachdem ich mit einigen aus dem “anderen Lager” inzwischen sehr sachlich diskutieren konnte, ist für mich klar, dass es tatsächlich zwei Diskussionen gegeben hat. Einmal die #bbfliest Diskussion, die wirklich unschöne Züge angenommen hat und einmal die, in der es einfach nur um Rape Fiction im Allgemeinen und die Frage geht, was es über unsere Gesellschaft aussagt, dass so viele Leser sagen, sie fänden es anziehend, wenn der männliche Prota der weiblichen Prota dominant ist und sich ein wenig aufdrängt. Während ich letzteres durchaus interessant und okay finde, stört mich im Fall der Leserunde einfach alles. Hier werden Bücher gelesen, WEIL man bereits vorher weiß, dass man sie kacke finden wird und dann wird nicht nur das Buch beleidigt, sondern auch der Leser. Aber Paper Princess ist da wirklich keine Ausnahme. Die “Calender Girl” Reihe wurde ebenso zerfleischt (wenn auch nicht ganz so extrem) und auch “Das Reich der sieben Höfe” stand ganz heftig in der Kritik. Und das wegen einer Vergewaltigung, die es gar nicht gab. In der Szene, die da kritisiert wird, gabs keinen Sex, keinen Kuss, keine nackten Körper .. nichts. Da sieht man mal, was ein doofer Kommentar anrichten kann. Wir leben in einer “jeder muss mit Samthandschuhen angefasst werden, damit niemand verletzt wird” Gesellschaft und dadurch schreit der Mob lieber laut mit, anstatt auf der Seite der “Bösen” zu stehen.

      Wirst du die Reihe weiterverfolgen?

      Antworten
  • CHAOSKINGDOM Dezember 15, 2017 at 21:54

    Wow danke für den Beitrag. Den muss ich morgen direkt auf meinem Blog teilen. Den von Ramona muss ich auch noch lesen.
    Ich Stimme dir in jedem Punkt zu. Bin froh, auch mal solchen Leuten zu begegnen.
    Die ganzen Diskussionen auf Twitter und WordPress haben mich aufgeregt. Ich war ja selbst teilweise die, die diesbezüglich böse angegangen wurde.
    Naja. Ich kann verstehen wenn Leute das nicht mögen, aber einen derart zu beleidigen, weil ich den gut finde, ist eine Unverschämtheit.

    “Ich weiß nicht, was du für ein Mensch bist, wenn du das gerne liest.”

    Wtf????

    Xoxo Vera

    Antworten
    • Ramona Dezember 15, 2017 at 22:35

      Liebe Vera

      es ist unglaublich, wie es immer so schnell beleidigend wird.
      Furchtbar, was du dir da sagen lassen musstest…
      Ich verstehe solche Menschen ehrlich nicht.

      Aber lass dich davon nicht runterziehen!

      Liebe Grüße
      Ramona

      Antworten
    • MadameLustig Dezember 16, 2017 at 14:28

      Liebe Vera,
      vielen Dank für dein liebes Feedback! Es tut gut zu wissen, dass da draußen Leute sind, die meine Meinung teilen.
      So ähnliche Kommentare habe auch ich zu hören bekommen und ich finde das so unfassbar traurig. Ich habe eigentlich immer gedacht, dass wir einander offen gegenüberstehen und uns daran erfreuen können, wenn andere ein Buch lesen, dass ihnen gefällt, doch da habe ich eindeutig falsch gedacht. Umso wichtiger, dass wir hintereinander stehen und uns gegenseitig den Rücken stärken. 🙂

      Lies bitte weiterhin das, was dir gefällt und lass dir den Spaß nicht nehmen, liebe Vera!

      Antworten
  • Anna Dezember 16, 2017 at 01:22

    Hey 🙂

    Obwohl ich die Paper-Reihe nicht kenne, habe ich mit Begeisterung deinen Post gelesen. Er ist wirklich klasse geschrieben und zudem sehr argumentativ!

    Da ich die Bücher wie gesagt nicht gelesen habe, kann ich nicht konkret auf die genannten Beispiele eingehen, so wie du die Situationen aber schilderst, schließe ich mich komplett deiner Meinung an. Gerade der Punkt „Ich muss nicht alles gut heißen, es sollte aber nachvollziehbar sein“ passt perfekt zu meiner Einstellung 😉

    Ich hoffe, dass du dich nicht noch einmal so sehr rechtfertigen muss, nur weil dir ein Buch gefallen hat! Außerdem wird die Reihe doch zur Zeit super gehypet, oder nicht? Bis zu deinem Post hatte ich noch nichts Negatives gehört.

    Liebe Grüße
    Anna

    Antworten
    • MadameLustig Januar 10, 2018 at 15:10

      Vielen Danl für dein liebes Feedback, Anna!
      Ja, die Reihe wird gehypet und genau da liegt auch das Problem. Bis auf einige negative Rezensionen, wurde vor allem auf Twitter sehr heftig diskutiert und geschimpft. Vielleicht hast es deswegen nicht mitbekommen? 🙂

      Aber im Grunde bin ich froh für dich, dass du die Diskussion nicht mitbekommen hast. Wir alle bloggen und lesen schließlich, weil es uns Spaß macht und solch ein Geschimpfe nimmt einem dann doch die Freude.

      Antworten
  • Aurelia Dezember 16, 2017 at 11:35

    Okay, um tatsächlich auch meinen Worten auf Twitte (für alle, die vielleicht einfach nur mitlesen wollen und jetzt nach dem Kontext suchen: https://twitter.com/KB_Flaschenpost/status/941734933894180865) auch Taten folgen zu lassen, möchte ich als Gegnerin von sog. “rapefiction” (ich möchte den Begriff jetzt bewusst erstmal ohne negativen Beigeschmack verwenden, aber in Ermangelung eines Synonyms für diese spezielle Art Romane muss die Bezeichnung jetzt leider herhalten, auch wenn sie natürlich längst negativ aufgeladen ist) mich hier auch noch einmal zu Wort melden. Mich kümmert übrigens in der Debatte “Paper Princess” im Speziellen gar nicht so besonders, es ist nur ein Beispiel von vielen und in diesem konkreten Fall eines, das ich nicht einmal selbst gelesen habe, weil es mich inhaltlich null reizt. (Außerdem spreche ich ab und zu mal von “tropes”, meine das aber nicht per se negativ, sondern einfach als Erzählmuster, nur zur Info, weil ich da schon missverstanden wurde.)

    “Und man sollte meinen, dass das kein Problem darstellt, dass wir alle unseren Standpunkt haben dürfen und niemand deswegen von der anderen Seite kritisiert oder gar beleidigt wird.”
    Ich verstehe was du meinst, aber bei allem Verständnis kannst du von niemandem erwarten, dass er oder sie dich nicht für deine Meinung kritisierst. Beleidigungen gehen selbstverständlich nicht, aber Kritik an einem anderen Standpunkt gehört zu einer Diskussion. Ich denke auch, dass wir im Netz die Tendenz haben, zu selten auch mal “agree not to agree” zu sagen, aber zu fordern, dass keine Kritik an einem Standpunkt eines anderen geübt werden darf, halte ich für hochgefährlich. (Es kann auch sein, dass du diesen Satz vielleicht gar nicht so scharf gemeint hast, aber da sind wir eben genau bei diesen sprachlichen Feinheiten, die in dieser hitzigen Debatte wichtig werden, gerade weil die Buchcommunity eine Tendenz zu “Dir gefällt etwas nicht? Ok, dann schreib halt nicht drüber” hat.)

    “Es stört mich einfach gewaltig, dass es nur eine Meinung, eine Sichtweise geben zu dürfen scheint und wer das anders sieht wird als Mensch dritter Klasse behandelt.”
    Agree. Twitter halte ich auch für ein Problem in der Debatte, deshalb begrüße ich grundsätzlich Texte wie deinen, die das Thema zurück auf die Blogs holen. Die Unterscheidung in richtige und falsche Bücher, die da z.T. (nicht nur bei rapefiction, sondern auch z.B. bei Unterhaltungs- vs. Hochliteratur) mitschwingt, ist ein Problem, aber kein Argument der Gegner, sondern pure Polemik. Ärgert mich auch, ist mir aber ehrlich gesagt inzwischen zu müßig, mich mit so etwas auseinander zu setzen. (Kann aber auch daran liegen, dass ich seit 2012 blogge und inzwischen x Auflagen von “Buchblogger vs. Feuilleton” mitgemacht habe und mir diese Art Haltungen inzwischen grundsätzlich zu blöd sind.) Beim Thema rapefiction muss man aber auch anmerken, dass die Verteidiger z.B. von Paper Princess (bis zu den Blogposts, die jetzt so wohl in Folge des Lovelybooks Leserpreises nachkommen) mit keinem einzigen Argument um die Ecke gekommen sind, sondern nur gesagt haben “Lasst uns lesen, was wir wollen.” Das ist okay, will aber ein gesamtgesellschaftlichen Debatte mit dem Privaten kommen, was in dem Kontext vollkommen irrlevant ist. Dass es vielleicht so wirkt als gäbe es in der Diskussion nur eine Meinung liegt also auch an fehlenden (sachlichen und im Kontext korrekt verankerten) Äußerungen der Verteidiger*innen.

    “Ich lege fest, wo meine Grenzen sind, welche Worte ich in den Mund nehme oder welche Sexpraktiken ich toll finde und ausübe. Ich, nicht ihr und auch niemand anderes.”
    Das ist genau das, was ich mit meinem Punkt gerade, dass in einer gesamtgesellschaftlichen Diskussion mit dem Privaten argumentiert wird, meine. Flapsig formuliert: Es interessiert absolut niemanden, was du persönlich im Schlafzimmer machst. Oder ich. Oder sonst irgendwer. In der rapefiction- oder “Paper Princess”-Debatte geht und ging es nie um Sex. Die ganze Aktion war nie eine Prüderie-Debatte, sondern immer eine kunst- und gesellschaftskritische Debatte. In der Kunst ist alles erlaubt und das muss es auch im Sinne der Kunstfreiheit. ABER: Es steht auch jedem frei, zu hinterfragen, in wiefern diese Kunst unsere Realität spiegelt, verzerrt oder verkehrt. (Denn Kunst ist nie von ihrer Gesellschaft und Zeit zu trennen, egal wie sehr sich das manche Künstler*innen oder Konsument*innen wünschen.) Konkret bedeutet das, das nun einmal hinterfragt wird, was für ein Bild von gender, Liebe und Sexualität da als normal vermittelt wird. Und: Vor allem so gut wie immer vermittelt wird. Wäre “Paper Princess” ein Einzelfall wäre das Buch egal. Genauso wie “50 Shades of Grey” als Einzelfall vielleicht etwas wäre, das ich persönlich kritisch sehen würde, aber keine Diskussion in dieser Dimension lostreten würde. Der Knackpunkt ist, dass diese Art Romane vorherrschen. Ich lese auch gerne YA(-Fantasy) bzw. habe es gerne, weil das der Teil des Fantasy ist, in dem man am einfachsten weibliche Protagonistinnen findet und ich darauf eben auch von Zeit zu Zeit Lust habe, habe das aber weitgehend aufgegeben, weil so gut wie kein Roman ohne eine Verharmlosung von sexueller Gewalt, toxischen Machtverhältnissen in einer Beziehung oder missbräuchlichen Partnern auskommt. (Begründung ist dann oft “historische Korrektheit” und als jemand, der Geschichte studiert und sich viel mit dem Mittelalter beschäftigt, will ich bei der Begründung nur noch schreiend im Kreis rennen, weil sie eine Ausrede und Quatsch ist.) Das normalisiert und reproduziert gefährliche Genderstereotypen u.v.m., die gesamtgesellschaftlich gesehen Frauen wie Männern schaden.

    Das nächste, was ich an dem Argument, das du in dem Absatz machst, schwierig finde, ist, dass du argumentierst, Feminismus sollte keine allgemein gültigen Regeln festlegen, aber im selben Moment so tust als gäbe es “den” Feminismus. Würde man das auf den kleinsten gemeinsamen Nenner der meisten modernen Feminist*innen herunter brechen, dann würde da sexuelle Befreiung des/der Einzelnen mit drin stecken, du sprichst hier aber an, dass die Akzeptanz dafür nicht gegeben sei. Was denn nun? (Mir ist auch klar, welche Strömungen du damit meinst, aber damit meinst du denke ich in erster Linie eine bestimmte Art von Netzkultur, in der jeder sich zu schnell äußert, und nicht “den Feminismus” im Allgemeinen, den es in diese Homogenität ohnehin nicht gibt. Diese Art von Netzkultur ist nur nicht exklusiv feministisch und wird obendrein immer wieder auch von Feminist*innen kritisiert.)

    “Eine gesunde Beziehung ist eine Beziehung, in der sich beide Seiten respektvoll und auf Augenhöhe begegnen, in der die Wünsche des anderen akzeptiert werden, in der man sich aufgefangen und sicher fühlt und in der man glücklich ist. Das alles kann auch in einer BDSM-Beziehung der Fall sein.”
    Dazu nur am Rande etwas, weil ich a) “Paper Princess” nicht gelesen habe und b) die Romane wie gesagt auch nicht das sind, was mich an der Debatte großartig kratzt. (Mein Zugang zu der rapefiction-Debatte kommt tatsächlich von anderen Büchern wie z.B. den Büchern von Sarah J. Maas u.a.) Mit diesen beiden Sätzen, die ich hier zitiere, stimme ich vollständig überein. Das Problem an rapefiction im Allgemeinen ist eben nur, dass diese Augenhöhe nicht gewährleistet wird. Und z.B. das Vorkommen von BDSM per se tut ohnehin nichts zur Debatte, denn again: Es geht hier nicht um Sex.

    “Wüsste ich nicht mit ziemlicher Sicherheit, dass diese Aussage ernst gemeint war, hätte ich gedacht, die Twitterer, die das befürworten, hätten sich einen Scherz erlaubt. Nein, ich bin nicht dafür, dass solche Bücher verboten werden und ja, ich würde solche Bücher auch meiner Nichte zum lesen geben, sobald sie alt genug ist.”
    Dass jemand ernsthaft einen Jugendschutz für Bücher oder gar ein Verbot gefordert hätte, wäre mir neu. Worauf du hier anspielst, sind glaube ich eine Reihe von unterschiedlichen Dingen, die in der Debatte aufkamen und sie zugegbener Weise auch sehr unübersichtlich gemacht haben: Die vermittelten Ideale in Jugendbüchern, ihre Dominanz auf dem Markt und Triggerwarnings.
    Natürlich messen sich Jugendliche bewusst oder unbewusst an den Medien, die sie konsumieren, und den Idealen darin. (Dazu ein sehr interessanter Artikel, der sich zwar mit dem Körperbild in High School-Filmen beschäftigt, aber der Mechanismus dahinter trifft auch auf andere Bereiche zu: http://www.slate.com/blogs/screen_time/2017/12/13/what_effect_does_it_have_on_viewers_when_mature_adults_play_teens_on_high.html?wpsrc=sh_all_dt_tw_ru – Der Artikel ist einfach nur relativ neu, deshalb habe ich den Link gerade zur Hand) Wir leben in einer Medien- und Informationsgesellschaft. Medien formen uns und da sind auch Bücher nicht ausgeschlossen, deshalb ist es selbstverständlich legitim zu fragen, was da eigentlich vermittelt wird.
    Damit verbunden kommen wir auch zur Dominanz auf dem Markt: Es wäre nur ein Geschmacksfrage, wenn diese Art von Büchern nicht a) dominieren und b) nicht gezielt von Verlagen zum Hype aufgebaut werden würden. Beides ist aber der status quo und beides ist meiner Meinung nach nicht sonderlich gesund. Und auch wenn das jetzt etwas vom Thema wegführt: Da stoßen wir alle auch auf das Problem, dass Unterhaltungsliteratur keine Presse hat, sondern Blogger, die das hobby- und influencermäßig machen und zu oft von Verlagen nur als Marketinginstrumente verwendet werden und das auch mit sich machen lassen. Genauso wie dass es nach wie vor eine allgemein akzeptierte Haltung ist, zu sagen, man schreibt keine Rezension zu einem Buch, wenn es einem nicht gefallen hat, was aber für eine kritische Presseposition nötig wäre. (Wie gesagt, das führt zu weit, aber ich sehe eben Marketing und Bloggingkultur mit als ein Teil des Problems, wenn wir über die Dominanz von bestimmten Beziehungsbildern, Vorstellungen von gender u.v.m. mit fehlenden Alternativen sprechen.)
    Das Thema Triggerwarnings war da dann noch so ein Nachzügler und eine eigene Diskussion, aber etwas, das oft mit einer Jugendschutzforderung verwechselt wurde. Jugendschutz liefert keine Triggerwarnings, aber es gibt eben Menschen, die für ihre psychische Gesundheit eine Warnung vor bestimmten Inhalten (z.B. auf der letzten Seite, klein gedruckt) gebrauchen könnten. Und wieder hier: Dominanz ist das Problem. Wäre klar abzulesen “Okay, das Genre x und nur das Genre x enthält eh solche Inhalte, deshalb fasse ich das nicht an”, wäre auch das nicht so das große Problem, aber diese Dinge sind als Teil von immer wieder vermittelten Vorstellungen von gender, Liebe und Sexualität dominant, auch wenn nicht immer alle Dinge vorkommen, und diese Menschen müssen da eben im Trüben fischen und hoffen, dass sie genug Infos zusammenkratzen, um abschätzen zu können, ob das Buch für sie gefährlich sein könnte. (Ich halte Triggerwarnings btw für eine zusätzliche Debatte, aber die wurden eben da immer wieder mit reingemischt.)

    “Die Diskussion um Ella und womit sie ihr Geld verdient, hat mich oftmals ungläubig den Kopf schütteln lassen. Zum einen, weil Ella sich gar nicht prostituiert, sondern strippt!”
    Das ist genau so ein Beispiel, bei dem ich mir denke “Okay, weird und wäre nicht mein Weg, um zu illustrieren, dass sie in Geldnot ist, aber mir ehrlich gesagt scheißegal”. Also – immer unter dem Disclaimer, dass ich mich hier auf Beschreibungen von anderen verlasse – agree.

    “Nun hat der Vater recht bald eine neue Freundin, die lediglich ein paar Jahre älter ist als Reed und sich an ihn ranmacht. Als Callum nun eines Abends mit Ella im Schlepptau erscheint, glaubt Reed, sie wäre die nächste Gespielin seines Vaters und um zu verhindern, dass sie sich an seine Brüder ranmacht, greift er voraus, schüchtert Ella ein und macht ihr das Angebot, sie ausreichend zu befriedigen, solange sie die Finger von seinen Brüdern lässt. […] Nächster Kritikpunkt war, dass Ella unter Drogen stand als sie von Reed befriedigt wurde. Steinigt mich jetzt nicht, aber viele von uns standen sicher auch schon mal ordentlich unter Alkoholeinfluss, als sie unbändige Lust verspürt und daraufhin Sex hatten.”
    1. Sind das genau die Erzählmuster, die (in ihrer Dominanz auch jenseits von PP) vermitteln, dass Frauen sexuell immer verfügbar sind solange Männer Bock drauf haben
    2. Verharmlost der Drogenkonsum die Notwendigkeit von consent, auch weil das ein gängiger trope ist. Sowohl in die Richtung “eigentlich willst du es doch auch” als auch wenn man sich kritisch mit gender und dem trope der tendenziell immer züchtigeren Frauen auseinander setzt, die erst durch Drogen im wahrsten Sinne des Wortes die Hüllen fallen lassen.

    “Stark kritisiert wurde außerdem, dass Reed und Easton sich regelmäßig prügeln und Easton darüberhinaus ein Alkohol- und Spielproblem hat. Nun, das finde ich auch nicht toll, aber auch hier gilt aus meiner Sicht: es ist nachvollziehbar. Man darf nicht vergessen, was diese Jungs durchmachen und wie sehr sie leiden und dass sie sich ein Ventil suchen, um ihre Wut, die Trauer und den Schmerz rauszulassen und irgendwie versuchen, überhaupt wieder etwas zu fühlen, ist nur menschlich.”
    Da würde ich zwar fragen, warum es ausgerechnet dieses Brooding YA-Hero-Klischee sein muss, das hier bedient wird, aber geschenkt. Ganz grundsätzlich nur zu dieser Art Kritik: Hier wird schlicht gender hinterfragt. Warum werden Jungs/Männer fast immer so dargestellt und was macht das mit uns gesamtgesellschaftlich? Da wären wir beim Konzept von “toxischer Maskulinität” als Männer in Geschlechterklischees einschränkenden Faktor. Führt wieder einen Tick zu weit und der Kommentar eskaliert hier bereits, wollte das nur anmerken.

    Abschließend noch eins, auch wenn ich das bereits geschrieben habe: Es geht bei der rapefiction-Kritik nicht um Sex, nicht um Prüderie und nicht darum, irgendwem seinen Geschmack zu verbieten. Es geht um eine gesamtgesellschaftliche Debatte, die weit über “Paper Princess” und sogar weit über Bücher hinaus geht und auch alle anderen Medien betrifft.

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    • Ira Dezember 16, 2017 at 23:40

      Ganz ehrlich? Ich habe an dem Punkt aufgehört zu lesen, wo du schreibst, dass du das Buch gar nicht gelesen hast. Wie kannst du dann über dieses Buch urteilen? Und nur um dieses Buch und unsere jeweilige, ganz persönliche Meinung dazu geht es hier. Keiner von uns heißt es gut, wenn Vergewaltigung und Missbrauch glorifiziert werden, da bin ich mir sehr sicher. Genau das passiert hier in diesem Buch, um das es hier nur geht, aber auch gar nicht. Im Gegenteil, der Typ, der das versucht, wird bestraft und die anderen finden es tatsächlich nicht gut. Sex gibt es, dort, wo er positiv dargestellt wird, mit beiderseitigem Einverständnis usw. #METOO hat deutlich gemacht, dass die Grenzen, was Übergriffe anbelangt, schnell verschwimmen und von allen unterschiedlich wahrgenommen werden. Genauso wie das okay ist, ist es okay, auch in Büchern unterschiedliche Situationen unterschiedlich wahrzunehmen – man sollte das betreffende Buch allerdings gelesen haben, bevor man darüber urteilt.

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      • MadameLustig Dezember 17, 2017 at 12:40

        Bevor ich dir gleich ausführlich antworte, Ira, muss ich mich hier mal ganz schnell zwischenklinken. Den Kommentar von Aurelia zu lesen oder eben nicht zu lesen steht dir natürlich frei, aber er ist sehr interessant (und könnte das auch für dich sein), weil sie sich eben nicht auf Paper Princess bezieht, sondern auf Geschichten dieser Art im Allgemeinen und einige Fragen stellt, auf die wir vielleicht nicht die gleiche Antwort haben, die aber dennoch nicht uninteressant sind.

        Davon aber mal ganz abgesehen, finde ich es richtig toll, dass du hier aktiv mitdiskutierst, Ira! 😀

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    • Ira Dezember 17, 2017 at 12:19

      Oh, eine Ergänzung noch:
      ” als Gegnerin von sog. “rapefiction” (ich möchte den Begriff jetzt bewusst erstmal ohne negativen Beigeschmack verwenden, aber in Ermangelung eines Synonyms für diese spezielle Art Romane muss die Bezeichnung jetzt leider herhalten, auch wenn sie natürlich längst negativ aufgeladen ist) ”

      Wie kann irgendwas, das mit Vergewaltigung zu tun hat, nicht negativ aufgeladen sein? Vergewaltigung ist niemals, in keiner Weise auch nur annähernd positiv belegt.
      Davon abgesehen, wie bereits in meinem anderen Beitrag erwähnt, dass es in diesem Buch auch gar nicht zu einer Vergewaltigung kommt.

      Antworten
      • Aurelia Dezember 17, 2017 at 14:28

        “rapefiction” ist zu einem Fachbegriff in der Debatte gewachsen und inzwischen eine Genrebezeichnung. Eine negativ aufgeladene, ja, aber eben die einzige, die zur Hand ist. Wenn du einen neutraleren Begriff hast, kannst du den mir gerne mitteilen.
        Abgesehen davon habe ich mit meinem Kommentar bewusst “Paper Princess” nicht kritisiert, gerade weil ich es nicht gelesen habe, sondern diesen Typ Bücher bzw. viel mehr ihre Erzählmuster, die sich auch in anderen Medien und Genres außerhalb der Erotikromane finden lassen, grundsätzlich kritisiere. Ich bin übrigens hierher gekommen und habe diesen Kommentar auf Bitten der Autorin geschrieben, weil wir beide den Dialog gesucht haben. Dass du den offenbar nicht suchst, ist da nur schade.
        Liebe Grüße,
        Aurelia

        Antworten
        • Ira Dezember 17, 2017 at 22:34

          Nun, offensichtlich suche ich den Dialog schon, sonst hätte ich hier nichts geschrieben. Letztlich geht es aber ja auch darum, dass diese Buchreihe, an der diese Diskussion aufgehängt ist, eben nicht in dieses Schema passt. Die Diskussion als solche ist eine Sache, aber an dem Punkt, wo sie mit falschen Fakten arbeitet und sich auf Bücher als Beispiel bezieht, die gar kein Beispiel dafür sind, irritiert es mich einfach.

          Antworten
          • Aurelia Dezember 18, 2017 at 12:39

            1. Diese Debatte gibt es nicht erst seit “Paper Princess”, genauso wenig wie das Phänomen. “50 Shades of Grey” weist das auf, vorher “Twilight” und viele andere. Es ist nicht einmal ein Phänomen der 2000er-Jahre, sondern findet sich auch z.B. schon in “Vampire Diaries”, das in den 90ern veröffentlicht wurde. Die Diskussion ist damit zwar mit “Paper Princess” am aktuellsten aufgeflammt, aber nichts Neues, weshalb ich bewusst in meinem Ausgangskommentar das Signal gegeben habe, dass ich mich auf das Phänomen beziehen möchte, weil “Paper Princess” als Einzelfall wenig zu tun hat.
            2. Du scheinst hier meiner Wahrnehmung nach gerade die Diskussionkultur im Netz und der Buchcommunity kritisieren zu wollen, ich habe von Anfang an aber klargestellt, dass ich über “rapefiction” als Phänomen auf dem Buchmarkt spreche. Letzteres habe ich gestern auf meinem eigenen Blog ausführlich (und etwas besser strukturiert als in meinem ersten Kommentar hier) erklärt (siehe: http://geekgefluester.de/rapefiction-debatte-es-geht-um-alles-aber-nicht-um-sex ) und damit klinke ich mich hier aus. Nach dem letzten Wochenende bin ich zu müde, immer wieder erklären zu müssen, worum es in dieser Diskussion geht und was andere Baustellen sind, die eine gesondere Debatte nötig hätten.
            Hab eine schöne Woche, ich bin raus.

            P.S.: Für einen Dialog hätte es geholfen, meinen Ausgangskommentar direkt zur Kenntnis zu nehmen anstatt noch stolz zu schreiben, du hättest aufgehört ihn zu lesen. Ich war sachlich und habe zivilisiert argumentiert und dann wäre dir evtl. auch direkt aufgefallen, dass ich bewusst nichts zu “Paper Princess” geschrieben habe, um nicht genau den Fehler zu machen, etwas nur basierend auf Hörensagen zu kritisieren.

          • MadameLustig Dezember 19, 2017 at 09:20

            Ich muss mich hier Aurelia anschließen. Auf mein Bitten hin hat sie sich die Mühe gemacht, ausführlich unter meinem Beitrag zu kommentieren und zu erklären, worum es in der eigentlichen Rapefiction-Debatte eigentlich geht und dafür bin ich ihr sehr dankbar. Nicht zuletzt, weil mir so klar geworden ist, dass wir von zwei völlig unterschiedlichen Diskussionen gesprochen haben.

            Während ich mich in meinem Beitrag auf die beleidigende, alles blind verurteilende Diskussion auf Twitter bezogen habe, geht es Aurelia (und einigen anderen) ganz allgemein um die sexuelle Darstellung (die häufig von Macht und Dominanz geprägt ist) in unserer Gesellschaft (und den Medien, klar.) und nicht um Buch X im Speziellen. Das Thema ist tatsächlich ziemlich interessant und Aurelias erklärender Artikel sehr lesenswert.

            Das heißt also, Aurelia hat mit ihrem Kommentar also nur versucht mir zu erklären, dass die eigentliche Rapefiction-Debatte ein ganz anderer Schuh ist und sich damit von der hitzigen, Fronten verhärtenden und unter die Gürtellinie gehenden Diskussion, die an einer anderen Twitterecke zeitgleich stattgefunden hat, distanziert.

          • Ira Dezember 20, 2017 at 16:17

            Madame Lustig, ich hatte Aurelias Kommentar schon noch gelesen und eben weil es sich eindeutig um eine ganz andere Diskussion handelt, dann von weiteren Antworten abgesehen. Das eigentliche Thema finde ich selbst schon sehr interessant, mich störte halt nur, dass sich die Diskussion auf diese Buchreihe bezog, die damit, sozusagen, nichts zu tun hat. Ich hatte ein Problem damit, diese andere Diskussion weiter damit zu vermischen. Ich habe selber Literaturwissenschaft studiert, derartigen Diskussionen bin ich also von Haus aus eher nicht abgeneigt. 😉

    • MadameLustig Dezember 17, 2017 at 12:35

      Ich habe dir auf Twitter bereits gedankt, möchte das hier aber auch nochmal tun: vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, dich hier nochmal ausführlich in die Diskussion einzubringen. Ich freue mich wirklich sehr darüber!

      “Und man sollte meinen, dass das kein Problem darstellt, dass wir alle unseren Standpunkt haben dürfen und niemand deswegen von der anderen Seite kritisiert oder gar beleidigt wird.”
      Ich verstehe was du meinst, aber bei allem Verständnis kannst du von niemandem erwarten, dass er oder sie dich nicht für deine Meinung kritisierst. Beleidigungen gehen selbstverständlich nicht, aber Kritik an einem anderen Standpunkt gehört zu einer Diskussion. Ich denke auch, dass wir im Netz die Tendenz haben, zu selten auch mal “agree not to agree” zu sagen, aber zu fordern, dass keine Kritik an einem Standpunkt eines anderen geübt werden darf, halte ich für hochgefährlich. (Es kann auch sein, dass du diesen Satz vielleicht gar nicht so scharf gemeint hast, aber da sind wir eben genau bei diesen sprachlichen Feinheiten, die in dieser hitzigen Debatte wichtig werden, gerade weil die Buchcommunity eine Tendenz zu “Dir gefällt etwas nicht? Ok, dann schreib halt nicht drüber” hat.)

      Hier muss ich dir vollkommen Recht geben. Das ist doof ausgedrückt und sagt etwas aus, was ich eigentlich gar nicht möchte. Ich befürworte Kritik und natürlich darf mir auch jeder sagen “Hey, dass, was du da sagst, finde ich totalen Käse”, doch sollte man dabei nicht unter die Gürtellinie gehen und genau das ist in der Vergangenheit leider viel zu häufig der Fall gewesen. Auf beiden Seiten. Ich weiß nicht, ob das ein grundsätzliches Problem innerhalb unserer Community ist, oder ob es vielleicht weniger Missverständnisse und infolgedessen auch weniger hitzige und beleidigende Diskussionen geben würde, wenn nicht jeder an einem anderen Ende, sondern am selben Ort diskutieren würde? Vielleicht wäre es für solche umfassenden Themen (und auch für unsere Community) viel besser und gesünder, die Diskussionen in Foren oder eben auf den Blogs zu führen?

      “Es stört mich einfach gewaltig, dass es nur eine Meinung, eine Sichtweise geben zu dürfen scheint und wer das anders sieht wird als Mensch dritter Klasse behandelt.”
      Agree. Twitter halte ich auch für ein Problem in der Debatte, deshalb begrüße ich grundsätzlich Texte wie deinen, die das Thema zurück auf die Blogs holen. Die Unterscheidung in richtige und falsche Bücher, die da z.T. (nicht nur bei rapefiction, sondern auch z.B. bei Unterhaltungs- vs. Hochliteratur) mitschwingt, ist ein Problem, aber kein Argument der Gegner, sondern pure Polemik. Ärgert mich auch, ist mir aber ehrlich gesagt inzwischen zu müßig, mich mit so etwas auseinander zu setzen. (Kann aber auch daran liegen, dass ich seit 2012 blogge und inzwischen x Auflagen von “Buchblogger vs. Feuilleton” mitgemacht habe und mir diese Art Haltungen inzwischen grundsätzlich zu blöd sind.)

      Ich glaube, wenn es nur um das Thema richtige und falsche Bücher gegangen wäre, wäre auch alles halb so schlimm. Da hätte man sich vielleicht mal kurz drüber aufgeregt, aber das hätte sich auch schnell wieder gelegt. Doch diese ganze Paper Princess Diskussion umfasst einfach extrem viele Themen und bei der Masse wurden dann eventuell unwichtigere Aussagen zum Tropfen auf dem heißen Stein.

      ““Ich lege fest, wo meine Grenzen sind, welche Worte ich in den Mund nehme oder welche Sexpraktiken ich toll finde und ausübe. Ich, nicht ihr und auch niemand anderes.”
      Das ist genau das, was ich mit meinem Punkt gerade, dass in einer gesamtgesellschaftlichen Diskussion mit dem Privaten argumentiert wird, meine. Flapsig formuliert: Es interessiert absolut niemanden, was du persönlich im Schlafzimmer machst. Oder ich. Oder sonst irgendwer. “

      Ganz zu Beginn der Paper Princess Diskussionen ging es sehr oft um Feminismus, darum, was eine gesunde Beziehung ist, was die Dos and Donts (auf sexuelle Vorlieben bezogen) zwischen Mann und Frau sind und um sexuelle Gewalt. Ich habe damals versucht mich in die Diskussion einzuklinken und zu bedenken gegeben, dass doch jeder für sich ganz persönlich festlegt, wo seine Grenzen liegen, wo für ihn Spaß und Gefallen aufhören und Gewalt beginnt und dass es durchaus auch Frauen gibt, die Dirty Talk, Peitschen, Dominanz und ähnliches sehr mögen und ich es deshalb sehr schwer (wenn nicht sogar unmöglich) finde, eine generelle Aussage darüber zu treffen, was in einer Beziehung in der Hinsicht erlaubt ist und was nicht (davon mal ganz abgesehen möchte ich das auch gar nicht.). Daraufhin wurde mir dann an den Kopf geworfen, dass es erniedrigend für eine Frau sei, wenn sie vor dem Mann niederkniet und ihm einen bläst, oder dass es sexuelle Gewalt ist, wenn sie gefesselt daliegt, mit der Peitsche was auf den Po bekommt und danach hart genommen wird, dass ich den jahrelangen Kampf für die Frauenrechte mit den Füßen trete, dass meine Meinung ein Schlag in die Fresse für Opfer von sexueller Gewalt sei und dass es billig wäre, auf sowas abzufahren. Das habe ich nicht einfach als Kritik an meiner Meinung, sondern als persönlichen Angriff empfunden. Deswegen in dem Beitragspunkt auch meine Aussage, dass ich ganz alleine festlege, was für mich okay ist und niemand anderes das für mich zu tun hat.

      “In der rapefiction- oder “Paper Princess”-Debatte geht und ging es nie um Sex. “

      Doch. Vielleicht nicht bei dir, aber bei so einigen anderen Kritikern leider schon. Unter dem Deckmantel “Rape Culture” hieß es, dass es in dem Buch nicht nur viel zu viel Sex gibt, sondern Ella auch noch vergewaltigt wurde und wir davor die Augen verschließen und alles verharmlosen. Der Witz an der Sache ist, dass es in dem gesamten ersten Band nicht ein einziges Mal zum Akt kommt. Der Vorwurf “Vergewaltigung” bezieht sich auf die Drogen-Befriedigungs-Szene, auf die ich auch im Beitrag eingegangen bin und ich gebe zu, dass sich die Szene auf dünnem Eis bewegt und ich sie eindeutig anders bewertet hätte, wenn der männliche Prota nicht die ganze Zeit versucht hätte, es Ella auszureden.

      “In der Kunst ist alles erlaubt und das muss es auch im Sinne der Kunstfreiheit. ABER: Es steht auch jedem frei, zu hinterfragen, in wiefern diese Kunst unsere Realität spiegelt, verzerrt oder verkehrt”

      Völlig richtig. Da in den Diskussionen jedoch oft damit argumentiert wurde, dass Paper Princess völlig realitätsfern sei und ein verzerrtes Bild einer gesunden Beziehung und auch des normalen Schulgeschehens darstellt, habe ich den Punkt in meinen Beitrag mit aufgenommen, weil ich die Reihe eben leider gar nicht realitätsfern finde. Ich muss allerdings auch hier nochmal dazu sagen, dass ich glaube, dass viel Kritik einfach nur aus Halbwissen heraus entstanden ist. Damals wurden jede Menge Fotos von kurzen Szenen auf Twitter geteilt, die völlig aus dem Zusammenhang gerissen waren und die auf jemanden, der das Buch nicht kennt, wirklich einen ganz anderen Eindruck machen konnten, als sie es im Gesamtbild schlussendlich tun. Erstrecht, nachdem man alle Bände gelesen hat und gerade bei Buchreihen finde ich das tatsächlich sehr wichtig, um bestimmte Szenen zu beurteilen.

      “Das nächste, was ich an dem Argument, das du in dem Absatz machst, schwierig finde, ist, dass du argumentierst, Feminismus sollte keine allgemein gültigen Regeln festlegen, aber im selben Moment so tust als gäbe es “den” Feminismus. Würde man das auf den kleinsten gemeinsamen Nenner der meisten modernen Feminist*innen herunter brechen, dann würde da sexuelle Befreiung des/der Einzelnen mit drin stecken, du sprichst hier aber an, dass die Akzeptanz dafür nicht gegeben sei. Was denn nun?”

      Ich gebe zu, dass ich mich hier vielleicht etwas unglücklich ausgedrückt habe. Weiter oben habe ich ja bereits erklärt, wie es zu diesem Absatz überhaupt gekommen ist, also tue ich das hier nicht nochmal. Es ist einfach so, dass jede Menge kritisiert wurde und sehr vieles davon eben auch unter dem Deckmantel des Feminismus’. Für mich persönlich bedeutete Feminismus immer Selbstbestimmung auf allen Ebenen und Gleichberechtigung und diverse Aussagen, die unter dem Feminismus getroffen wurden, widersprachen dem einfach. Wenn in einem Buch (oder von mir aus auch im realen Leben) Männlein und Weiblein gleichermaßen Spaß an SM, Dominzspielen oder Dirty Talk haben, finde ich das persönlich nicht verwerflich und sehe nicht, wo das erniedrigend für die Frau ist und den Feminismus mit Füßen tritt. Andere haben aber genau so argumentiert und deswegen nun meine Aussage, dass es nicht darum geht, allgemein gültige Regeln festzulegen, sondern dass jeder das für sich selbst entscheiden darf.

      “Dass jemand ernsthaft einen Jugendschutz für Bücher oder gar ein Verbot gefordert hätte, wäre mir neu. Worauf du hier anspielst, sind glaube ich eine Reihe von unterschiedlichen Dingen, die in der Debatte aufkamen und sie zugegbener Weise auch sehr unübersichtlich gemacht haben: Die vermittelten Ideale in Jugendbüchern, ihre Dominanz auf dem Markt und Triggerwarnings.”

      Ob tatsächlich ein Jugendschutz im Sinne von Altersfreigabe auf dem Cover und Ausweiskontrolle an der Kasse gemeint war, weiß ich nicht. Es ging jedenfalls darum, dass viele der Ansicht waren, dass junge Leser vor Büchern wie Paper Princess geschützt werden müssen, weil sie eben ein völlig “verzerrtes Bild” aufzeigen und eben diese jungen Leser hinterher annehmen würden, dass all das normal wäre. Diese Aussage hatte für mich aus ganz persönlichen Gründen einen bitteren Beigeschmack, weswegen ich ihn mit aufgenommen und versucht habe zu erklären, wieso ich es wichtig finde, dass junge Leute auch sowas lesen. Sie sollen wissen, dass sie keine unnormalen Gedanken oder Gefühle haben, dass Gefühle eben nicht immer rational sind und uns manchmal zu diversen Dummheiten verleiten. (Damit meine ich nicht Paper Princess im speziellen, sondern einfach Bücher, in denen die Figuren total bescheuert und dumm handeln, weil sie überfordert sind, Angst haben, sich schämen oder was auch immer. Gerade ab einem gewissen Alter können solche Probleme auch dazu führen, dass man auf sexueller Ebene Bockmist verzapft. Der schüchterne Junge, der noch dabei ist, seine Sexualität zu entdecken, unbedingt wissen möchte, wie sich Brüste anfühlen und im Vorbeigehen “mal eben” hupt, denkt sich da sicher nichts böses bei und will das Mädchen damit auch nicht erniedrigen oder bedrängen, sondern handelt in dem Moment einfach völlig unüberlegt und Hormon gesteuert. Nicht schön, gar keine Frage, aber solange er seinen Fehler einsieht und sich entschuldigt, auch nicht zwangsläufig weiter problematisch. Oder wenn Teenager herausfinden wollen, wie sie sexuell auf andere wirken und deshalb anzügliche Sprüche ablassen, oder sich dem Objekt der Begierde körperlich annähern, finde ich das erstmal überhaupt nicht problematisch. Sobald sich hier aber über ein Nein! hinweggesetzt wird, sieht die Sache schon wieder anders aus. Will heißen, dass ich das Warum bei der Beurteilung einer Situation sehr wichtig finde, weil es manchmal einfach alles in einem anderen Licht erscheinen lässt.)

      Die Triggerwarnung-Debatte fing etwas später an und ich muss gestehen: ich stehe dem sehr kritisch gegenüber. Nicht, weil ich sie für vollkommen unnötig halte, sondern, weil es halt auch Leute wie mich gibt, die zB an einer Angststörung leiden und für die solche Warnungen eventuell ein großes Problem darstellen könnten, weil sie auf Grund der Warnungen regelrecht darauf warten, getriggert zu werden.

      “Abschließend noch eins, auch wenn ich das bereits geschrieben habe: Es geht bei der rapefiction-Kritik nicht um Sex, nicht um Prüderie und nicht darum, irgendwem seinen Geschmack zu verbieten. Es geht um eine gesamtgesellschaftliche Debatte, die weit über “Paper Princess” und sogar weit über Bücher hinaus geht und auch alle anderen Medien betrifft.”

      Ich muss abschließend sagen, dass wir in gar nicht so weit voneinander entfernten Galaxien leben. Vieles von dem, was du schreibst, kann ich unterschreiben und bei anderem denke ich “Sie ist anderer Meinung, aber das ist völlig okay.” Allerdings glaube ich, dass wir von zwei grundverschiedenen Diskussionen reden. Vielleicht, weil unsere Timelines von ganz unterschiedlichen Leuten gefüllt werden? In den Diskussionen die ich meine, ging es eindeutig um Sex, darum, dass harter und/oder dominanter Sex und ordinäre Sprache die Frau erniedrigen. Es ging darum, dass jeder, der die Bücher mag, gegen den Feminismus und ein schlechterer Mensch (“Was für ein Mensch bist du nur, dass du sowas gut findest?!”) ist. Es ging darum, dass wir sexuelle Gewalt verherrlichen. Und ja, ausgehend von den Diskussionen, die ich oben anspreche, frage ich mich ehrlich, wo sexualisierte Gewalt anfängt. Wenn man mich fragt, dann beginnt sie dort, wo etwas nicht mehr einvernehmlich ist, doch hatte ich nicht den Eindruck, dass die Allgemeinheit das ebenso sieht. Viel mehr sieht es für mich immer wieder so aus, als suche man gerade in dieser Frage eben wirklich eine allgemein gültige Grenze und da kommen wir wieder zu dem Punkt, dass jeder selbst entscheiden soll, was er in seinem Schlafzimmer machen möchte und was nicht.

      Der Grund für all die Diskussionen ist ein sehr ehrenwerter, denn es wird versucht die zu schützen, die es alleine vielleicht nicht können. Das verstehe ich und begrüße das sogar. Aber die Art, wie das abgelaufen ist und auch jetzt wieder an vielen Stellen abläuft, gefällt mir ganz und gar nicht. Nicht nur die Fronten sind verhärtet, sondern auch die Meinungen und das tut beiden Seiten nicht gut. Kennst du den Film “Footloose”? Darin gibt es den einen Vater im Stadtrat, der seinen Sohn bei einem Unfall auf dem Weg von einem Ball zurück nach Hause verloren hat und aus dem Grund allen Teenagern das Tanzen verbietet und völlig taub für jedes Argument gegen dieses Gesetz ist. Wenn man weiß, was passiert ist und wie sehr er leidet, ist dieses Verbot nachvollziehbar, aber macht es das deswegen auch gleich richtig? Natürlich nicht, aber man kann ihn verstehen. Die aktuelle Diskussion erinnert mich sehr daran. Man versucht zu schützen, das ist toll, aber gleichzeitig verschließt man die Ohren, weil man eine andere Meinung gar nicht erst hören will. Finde ich schade. Grundsätzlich finde ich aber sowieso, dass unsere Gesellschaft viel zu schnell mit dem erhobenen Zeigefinger wedelt und urteilt. “Was, du findest Sache X toll? Was für ein scheiß Mensch bist du bitte?”, “Du hast gerade dein Kind angeschrien! Schämen solltest du dich! Du hast es gar nicht verdient, Mutter zu sein!”, “Du hast X eine gescheuert! Du bist so erbärmlich! Und du willst erwachsen sein?!” Natürlich sind das alles keine tollen Sachen. Man sollte sein Kind nicht anschreien, ebenso wenig, wie man jemanden eine scheuern sollte, aber (und das ist, was mich an unserer Gesellschaft im allgemeinen und an unserer Community im speziellen tierisch stört) fragt da mal einer, wieso das passiert ist? Vielleicht hat die Mutter große Sorgen und ist überfordert? Wo ist die Aussage “Dass du dein Kind angeschrien hast ist scheiße, aber ich glaube, das weißt du selbst ne? Wie ist es denn dazu gekommen? Kann ich helfen?” Wir reden an allen Ecken immer davon, dass wir mehr Menschlichkeit brauchen, dass wir nicht wegsehen, sondern helfen sollen und dann begehen wir doch den einen ganz entscheidenden Fehler immer und immer wieder: wir urteilen blind.

      Auf die Diskussion rund um Paper Princess bezogen heißt das: ich würde mir wünschen, dass die Kritiker der Reihe einfach mal fragen “Hey, wieso gefallen dir die Bücher denn? Ich sehe da Gewaltverherrlichung etc pp, wieso du nicht?”. Dann hätte ich ihnen sagen können, dass ich Szene X, Y und Z zwar auch nicht toll finde und sie als problematisch eingestuft hätte, wäre im Laufe der Reihe nicht erklärt worden, wie es zu dem fragwürdigen Verhalten kommen konnte. Ich hätte ihnen erklären können, dass ich, nachdem ich das Warum kenne, zwar immer noch nicht  “Yeah, hast du klasse gemacht!” sagen kann, aber sehr wohl “Dass das extrem scheiße war weißt du selber, oder?”. Will heißen, dass die Begründungen die Fehltritte nachvollziehbar gemacht haben und ihnen dadurch ein Stück Problematik genommen wurde. Denn, das wissen wir alle: Gefühle sind nicht immer rational und manchmal überwältigen sie uns einfach. Wir wären dann zwar vielleicht trotzdem nicht beste Freunde geworden, aber wir hätten immerhin miteinander geredet, uns gegenseitig zugehört, anstatt andauernd zu beleidigen. (Und Aussagen wie “Was bist du nur für ein Mensch, dass du sowas gut findest!” sind beledigend weil abwertend gemeint. Allerdings ist es nicht nur die Seite der Kritiker die beleidigt).

      Jetzt bin ich irgendwie total abgeschweift, das tut mir sehr leid. Gestern habe ich es nicht geschafft, mich neben meinem Mama-Dasein ausreichend auf die Antwort zu deinem Kommentar zu konzentrieren und jetzt hatte ich etwas Luft und einfach mal meine Gedanken frei niedergetippt.

      Noch kurz zum Abschluss: Ich finde die grundsätzliche Diskussion um RapeFiction (nicht die, die ich mitbekommen habe, sondern die, die du in deinem Kommentar beschreibst) sehr interessant und tatsächlich auch wichtig und ich denke, dass sich auch viel mehr daran beteiligen würden, wenn es uns allen gelingen würde, die Meinung des anderen nicht zu beurteilen, sondern mit ihr zu arbeiten.

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      • Aurelia Dezember 17, 2017 at 14:50

        Erstmal wiederum danke für deine Antwort 🙂
        Damit hast du für mich im Grunde etwas bestätigt, was ich vage schon nach deinem Blogpost vermutet habe – Nämlich, dass zumindest die Art von Kritik, die du hier äußerst, wenig mit Feminismus oder dem Thema als Solches, sondern mehr mit Mechanismen der Netzkultur zu tun hat. Gegen Beleidigungen aus Halbwissen heraus habe ich auch entschieden etwas, gerade weil Twitter in etwas abdriftet, das ich gerne mal “unreflektierten Popfeminismus” nenne und nicht für zielführend halte. Und so sehr du mit diesem Punkt auch recht hast: Damit sprichst du Debattenkultur und Netzkultur und nicht “Paper Princess” oder rapefiction im Speziellen an bzw. weiß ich nicht, wie sinnvoll es ist, zu versuchen, eine Kritik an einer toxischen Diskussionskultur damit zu äußern, dass man sich nur an einem Beispiel festbeißt. (Ich war ja selbst gedanklich auf einem vollkommen anderen Dampfer.) Da wäre es vielleicht wirklich sinnvoll, lieber mal gesondert über Diskussionskultur in der Community zu reden und bewusste Aufrufe zur Diskussion auf Blogs zu starten, sicher zu stellen, dass die Kommentarfelder auch mobile friendly sind, anderen erklären, wie das geht, usw. (Keine Ahnung, ob dein Kommentarfeld hier mobile friendly ist – ich schreibe das hier am PC :D) Alles andere ist denke ich eine andere Baustelle.

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        • MadameLustig Dezember 19, 2017 at 09:49

          Du hast natürlich recht. Mit meinem Beitrag wollte ich keine Debatte über irgendwelche Themen im speziellen auslösen, sondern mir Gehör verschaffen und Dampf ablassen. Wie oben ja bereits erklärt, habe ich mich mehrfach versucht, auf Twitter in die Debatte einzuklinken, um die wirklich sehr schnell sehr herablassend gewordene Diskussion etwas runterzukühlen, und zu erklären, dass die Dinge, die sie ansprechen, tatsächlich ein Problem sind, aber eben so gar nicht (oder in 2 Szenen zumindest nicht in der Härte) in Paper Princess passieren. Aber das wollte niemand hören. Es hat niemanden interessiert, dass man auf Grund einzelner Textstellen nicht darüber Urteilen kann, was Szene X nun wirklich bedeutete und dass sich viel Fehlverhalten im Laufe der 3 Bände erklärt (nicht nichtig macht, nicht falsch verstehen!). Tja und dann lief es wie zu erwarten aus dem Ruder. Es wurde gehetzt, gemeckert, beleidigt und immer mehr haben sich dem angeschlossen und blind mit dem Zeigefinger gewedelt und irgendwann reichte es einfach.

          Ich habe mich in meinem Beitrag also nicht auf Feminismus oder die Rapefiction Debatte bezogen, von der du sprichst, sondern auf diese spezielle Diskussion, wo nicht nur von all dem geredet, sondern auch die Art Mensch, die wir sind, hinterfragt wurde. Und das konnte und wollte ich nicht länger so stehen lassen, weswegen ich alles, was ich dort nicht sagen konnte, hier getan habe.

          Im Übrigen begrüße ich offene Diskussionen immer sehr. Erst recht, wenn sie sich mit Themen wie Diskriminierung, Erniedrigung, Schutz u.ä. befassen. Ich störe mich nur einfach an dieser Richtige Meinung/Falsche Meinung Aussage, die ganz gerne mal (oft auch unterschwellig) mitklingt. In den allermeisten Fällen gibt es nämlich mehr als einen Blickwinkel (siehe mein Beispiel mit der Triggerwarnung).

          Vielen Dank nochmal, dass du dir die Mühe gemacht und dich hier eingebracht hast, Aurelia!

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  • Katie Dezember 16, 2017 at 16:20

    Wow ein klasse Beitrag!

    Ich habe den Shitstorm über die Paper Reihe auf Twitter mitbekommen und war vollkommen geschockt. Gerade Aussagen, dass die Bücher verboten werden sollten, fand ich extrem überzogen. Ich habe die gesamte Reihe gelesen und sehe durchaus Stellen und Handlungen, die nicht einwandfrei sind, aber es handelt sich nunmal um ein Buch und damit um reine Fiktion. Jeder sollte frei entscheiden dürfen, was er lesen möchte und sollte sich nicht rechtfertigen müssen warum man dies und jenes liest!

    Dein Beitrag spricht mir aus der Seele. Deine Argumente sind wunderbar aufgeführt und sachlich erklärt. Ich freue mich sehr, dass es Menschen gibt, die ebenfalls nicht gleich alles als “problematisch” deklarieren.
    Gerade in Büchern darf schon mal etwas überzogen werden, schließlich sind Buchcharaktere nicht fehlerfrei und werden dadurch authentisch. Nur über einwandfreies und korrektes Verhalten zu lesen wäre wohl extrem langweilig!
    Bei den vielen Leuten, die immer sofort mit XY ist problematisch anfangen, frage ich mich ernsthaft, warum sie das Buch bzw. die Reihe dann überhaupt gelesen haben? Wenn mir etwas nicht gefällt, dann höre ich auf damit und quäle mich nicht weiterzulesen, nur um letztlich schlecht darüber reden zu können.

    Ebenfalls sollte jeder für sich entscheiden dürfen, wie er mit dem Inhalt umgeht. Ich lese sehr viele NA und Liebesromane. Dabei ist mir aber stets bewusst, dass es sich um Fiktion handelt und nicht um das reale Leben. Natürlich wird sich der Playboy-Milliardär, nicht unbedingt in die Jungfrau verlieben, trotzdem lese ich gerne solche Bücher. Auch gibt es in solchen Büchern oft sehr dominante Männer, bei denen dann die Feministinnen laut aufschreien, dass solche Männer nicht begehrenswert seien und ihr Verhalten frauenfeindlich etc. ist. Gefallen mir solche dominanten Männern in Büchern? – Ja eindeutig! Würde ich mich im echten Leben so von einem Mann behandeln lassen? – Wohl eher nicht bzw. wäre es meine eigene Entscheidung, inwiefern ich so ein Verhalten dulde. Beim Feminismus geht es doch darum, selbst zu bestimmen und als Frau mündig zu sein, warum muss ich dann meine Vorlieben rechtfertigen? Ich finde es sehr schade, dass Meinungsfreiheit nur so weit akzeptiert wird, solange man der SELBEN Meinung ist! Sobald man davon abweicht, wird man verurteilt für seinen Geschmack!
    Aus diesem Grund bin ich sehr dankbar für deinen ehrlichen und offenen Beitrag!

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    • MadameLustig Januar 10, 2018 at 15:22

      Vielen vielen Dank für dein liebes Feedback, Katie! <3
      Ich glaube der Hund liegt darin begraben, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der keine Fehler, Schwächen und Offenheit geduldet werden. Was, du fragst jemanden nach seiner Herkunft? Rassist! Die Mutter schreit ihr Kind an? Schämen sollte sie sich. So jemand hat es gar nicht verdient, Mutter zu sein! Dein Mann hat dich an die Wand gedrückt und dir seine Hand zwischen die Beine geschoben? Und du hast ihm keine geknallt? Tzzz, damit trittst du all jene Frauen, die für die Frauenrechte gekämpft haben, mit Füßen! Das könnte man endlos so weiter führen. Klar, es ist nicht toll, dass eine Mutter ihr Lind anschreit, ein Mensch kann sich angegriffen fühlen, weil man nach seiner Herkunft fragt und es wird sicher auch Frauen geben, die sich bedrängt fühlen, wenn der Mann ihr gegenüber so dominant handelt, aber alles in einen Topf zu werfen und fröhlich vorverurteilen finde ich viel problematischer! Lasst die Menschen doch offen Fragen stellen, verdammt. Wenn sich jemand davon verletzt fühlt, kann man es sagen! Und die arme Mutter: fragt da mal jemand, wieso sie das tut und ob sie Hilfe braucht? Nö. Dabei weiß weiß sicher selbst, dass sie Mist verzapft hat, dafür bracht sie keine Belehrungen. Und lasst die arme Frau und ihr dominantes Herzblatt doch bitte heiß finden, was sie wollen .. Aber das wird in unserer Gesellschaft einfach nicht funktionieren.

      Ich habe übrigens mal einen Beitrag zu dem Thema geschrieben. Vielleicht interessiert er dich ja:
      http://kunterbunteflaschenpost.de/warum-ich-mich-fortan-bemuehe-fuenf-gerade-sein-zu-lassen/

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  • Patrizia J. Dezember 17, 2017 at 10:31

    Wow! Ich kann dem eigentlich gar nichts mehr hinzufügen.
    Ich finde, ein Buch ist ein Buch und es ist alles erlaubt.
    Ich habe die Reihe zwar zuhause, aber kam noch nicht zum lesen. Möchte es aber unbedingt 🙂 Von daher, kann ich nicht mitreden, was alles passiert und ob es gerechtfertigt ist. Aber ich denke trotzdem, dass alles seinen Grund haben wird. Natürlich hab ich auch schon so vieles über die Reihe gehört, negatives, kann es aber durch die Aussagen nicht nachvollziehen. Eine Geschichte kann Vieles von der Realität beinhalten, muss aber nicht und ich denke auch, dass das, zusätzlich zu alledem was du schon gesagt hast, die Leute auch vergessen.
    Und darüber hinaus: Gott, es ist ein Buch!
    Sollten den Filme, die Alkoholkonsum, Schlägereien auch verboten werden? Ich kann da nur den Kopf schütteln…….
    Wem es nicht passt, der sollte es nicht lesen. Ich bin in diesen Dingen sehr offen und verstehe meistens alles, was die Protas in den Geschichten tun. Denn sie haben auch immer einen Grund dafür.
    Lange Rede, kurzer Sinn ……..

    Toller Beitrag!!!! Tolle Argumente!!

    GlG Pat

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    • MadameLustig Januar 10, 2018 at 15:24

      Oh, vielen vielen Dank für dein Feedback, liebe Pat!
      Da du die Reihe noch lesen möchtest: sagst du mir bescheid, wie sie dir gefallen hat! 😀

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  • Liebe Community, ich habe was gelernt! - Kunterbunte Flaschenpost Dezember 17, 2017 at 19:06

    […] ich das schreibe? Weil Ramona, Franzi und ich gestern einen Beitrag online gestellt haben, in denen wir unsere Sichtweise versuchen zu erklären, in der Hoffnung, […]

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  • angeltearz liest - Aktion | Gebloggt aus dem Dezember 2017 Dezember 30, 2017 at 08:01

    […] “13 Tipps um mehr zu lesen! Leseroutine entwickeln” – Kunterbunte Flaschenpost “Der Fall Paper Princess oder auch: Ich möchte bitte lesen dürfen, was ich möchte!” – Kielfeder “Vorwürfe gegen Paper Princess: Kommentar einer Leserin” – […]

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