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Herzenstage 2016 | Die erste große Liebe

Es ist Samstag, Valentinswochenende und die strahlende Sonne zaubert aus der Eiseskälte draußen das schönste Winterwetter. Und anstatt meine Lungen mit frischer Luft zu füllen sitze ich auf meinem Sofa und starre auf den PC-Bildschirm. Noch. Denn sobald meine beiden Herzensmänner den Schlaf der Gerechten geschlafen haben geht es auch für mich nach draußen. Die Natur genießen. Die Weite und deren Freiheit auf mich wirken lassen. Mich lebendig fühlen.

Doch bis es so weit ist schwelge ich noch eine Weile in Gedanken. Gedanken, die durch die Herzenstage-Playlist und den Programmpunkt Herzklopfen und die erste große Liebe nur so beflügelt werden und mich mit einem Satz zurück in die Vergangenheit katapultiert haben. Zurück in die Zeit, in der es noch als absolut hip und cool galt,  übergroße T-Shirts oder Hemden unter viel kürzeren Pullovern zu tragen. Eine Zeit, in der man noch von Tür zu Tür gegangen ist, um seine Freunde zu gemeinsamen Unternehmungen rauszuklingeln. Eine Zeit, die ich ohne zu zögern als eine der schönsten meines Lebens bezeichnen würde.

Es ist jetzt schon einige (sehr viele) Jahre her. Ich besuchte damals die 5. Klasse der Orientierungsstufe in einem Ort ganz kurz vor Hamburg. Ich sehe sie noch vor mir, als wäre es erst gestern gewesen, die Schule mit ihren türkisen Fensterrahmen, der Aula, in der wir an unserem ersten Tag einer nach dem anderen aufgerufen und in unsere neuen Klassen eingeteilt wurden, unseren Stufenflur, die Anordnung der Klassenräume .. und Ihn.

Er ging in meine Parallelklasse und anfangs liefen wir uns immer nur auf dem Flur über den Weg. Hier ein scheuer Blick, da ein schüchternes Hallo war alles, was Wir hinbekamen. Mit der Zeit tauten Wir jedoch ein wenig auf, unterhielten uns, während Wir auf den Lehrer warteten und lachten über den ein oder anderen Witz. Auch ein Besuch im Kino inklusive 3 Kugeln Eis in der Waffel (After Eight, Straziatella und Banane) und ein nächtliches Treffen während unserer Klassenfahrt auf dem Flur der Jugendherberge in Husum gab es. Es war alles so schön. So unschuldig und perfekt. Damals gab es keine Smartphones, kein whatsapp, um einfach mal eben ein Herzchen an jemanden zu schicken. Es war die Zeit, bevor uns die Technik unserer Kreativität beraubt hat, eine Zeit, in der wir Herzchen bastelten, uns kleine Zettelchen zusteckten und unseren Schwarm ein Kreuzchen bei Ja, Nein oder Vielleicht machen ließen, um die Frage nach dem Beziehungsstatus zu beantworten. Ich vermisse diese Zeit.

Er und Ich verbrachten viele tolle Verabredungen miteinander und hatten richtig Spaß. Wir verstanden uns blind und es war, wie bereits erwähnt, perfekt. Bis .. ja, bis meine Eltern auf die super tolle Idee kamen, umzuziehen. Weit weg. GANZ weit weg. Wir versuchten unsere Freundschaft über Briefverkehr aufrecht zu halten und eine Weile gelang uns das auch, doch nach und nach ging sie in unserem neuen Leben unter und wurde still.

2 Jahre nach unserem Umzug war ich zu Besuch in der Stadt, in der Er lebte und wie es der Zufall so wollte, liefen Wir uns über den Weg. Es war wie damals, so, als wäre nie irgendeine Lücke zwischen uns entstanden und das ließ mein Herz für ihn nur  noch höher schlagen. Es war Schützenfestzeit, Wir verbrachten den Tag gemeinsam bei den Auto-Scootern und als es bereits spät war, brachte Er mich zum Taxistand. Es knisterte richtig zwischen uns, während wir auf das Taxi warteten und der Kuss, auf den jede Faser meines Körpers sehnsüchtig wartete, war greifbar. Und dann kam dieses vermaledeite Taxi und vorbei war er, dieser magische Moment.

Als wir uns das nächste Mal wieder sahen, war Er bereits 18 Jahre als und ich 17. Auch diesmal gab es kein Gefühl der Fremde zwischen uns. Und dann erfuhr ich etwas, das mein Herz in tauschend Scherben zerspringen ließ: Er hatte eine Freundin. Nein, das war untertrieben, sie war nicht seine Freundin, sie war seine Verlobte. Ich hätte heulen und ganz ladylike im Strahl kotzen können!

Natürlich war mir klar, dass sich nicht nur meine Welt weitergedreht hatte, sondern auch seine und ich glaube, wäre unsere Geschichte eine andere gewesen, hätte ich mich in den ersten Sekunden nach Erfahren dieser Neuigkeit auch aufrichtig freuen können, anstatt erst einmal zu gucken, als hätte man mir mit voller Gewalt in die Magengrube geboxt.

Er und Ich, wir sahen uns seit diesem Tag nie wieder. Irgendwann gab ihm eine gemeinsame Freundin meine Handynummer und er schrieb mir. Es entstand ein sehr regelmäßiger und herzlicher Kontakt, bei dem auch zum ersten Mal ausgesprochen wurde, wie viel wir damals für einander empfanden. Und dass wir dieses doofe Taxi von damals beide verfluchten.

Viel Zeit ist auch seitdem bereits vergangen und er hat schon viele Jahre nicht mehr diese packende Gewalt über mein Herz. Doch auch, wenn unserer Geschichte das gewünschte Happy End verwehrt blieb, ist sie für mich nach wie vor perfekt. Er war perfekt.

 

Meine erste große Liebe war perfekt!


Könnt ihr euch noch an eure erste Liebe erinnern, meine Lieben? Und bekamt ihr euer Happy End?

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8 Gedanken

  • Antworte sundaystephie

    Wow! Danke für das teilen dieser sehr persönlichen Geschichte! Das ist ja wie im Liebesroman. Auch wenn es nicht zum Happy End kam, ist es schön zu hören, dass du deine erste Liebe so positiv in Erinnerung behältst:)
    An meine erste große Liebe kann ich mich auch noch ganz genau erinnern: schließlich sind wir noch zusammen 😉

    Viel Spaß noch bei den Herzenstagen und liebe Grüße,
    Stephie <3

    Februar 13, 2016 at 16:32
  • Antworte Tatze

    Oh Gott, Maike! Eine absolut berührende Geschichte! Danke, dass du sie mit der Welt geteilt hast 🙂

    Liebe Grüße,
    Tati

    Februar 13, 2016 at 21:31
  • Antworte Rebecca S.

    Das ist so eine süße Geschichte. Richtig passend zu den #Herzenstagen.
    Ich glaube, fast jeder hat so eine verpasste Chance in Erinnerung. Und diejenigen bewahren diese Augenblicke sicher im Herzen.

    Mir ging es mal so ähnlich mit einem Klassenkameraden. Ich bin auch weggezogen und später zurück gekommen. Mit knapp 22 hatten wir dann auch mal ein Date und Flirtereien. Allerdings mit der Feststellung, dass die Magie von einst verflogen war und diese kleinen Momente als Teenager, diese schüchternen Blicke und Wortwechsel, nur noch eine Erinnerung geworden sind.

    Liebe Grüße,
    Rebecca

    Februar 14, 2016 at 14:17
  • Antworte Madame Lustig

    Oh wie wundervoll und romantisch, Stephi! *.*

    Februar 15, 2016 at 20:40
  • Antworte Madame Lustig

    Hallo Rebecca,

    ja, ich glaube, solche Erfahrungen machen viele. Diese romantische Vorstellung, mit der ersten großen Liebe auch die Liebe seines Lebens gefunden zu haben, ist wohl leider einfach nur rosarote Träumerei.

    Aber ich finde es schön, dass ihr es versucht habt, auch, wenn die Brausestäbchen im Bauch fehlten. Eure erste große Liebe kann euch keiner mehr nehmen.

    Liebe Grüße
    Maike

    Februar 15, 2016 at 20:49
  • Antworte Madame Lustig

    <3 <3 <3

    Februar 15, 2016 at 20:49
  • Antworte „Kunterbunte Flaschenpost“ stellt sich vor | Walking in the Clouds – Das Portal rund um Romance in Buch, Film & Co.

    […] mich einfach nicht auf den Einen festlegen. Im Rahmen der Herzenstage habe ich einen Beitrag über meine erste große Liebe geschrieben, der viele Erinnerungen in mir wachgerüttelt und während des Schreibens die […]

    Juni 27, 2017 at 19:47
  • Antworte Eine erste Liebe und ihr Song - Kunterbunte Flaschenpost

    […] was aus uns geworden ist, erfahren möchte, der ist herzlich eingeladen, den Beitrag über meine erste große Liebe zu […]

    Oktober 23, 2017 at 11:32
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