Im freien Fall oder wie ich mich in eine Pappfigur verliebte von Jessica Park

Posted on Juli 16, 2015

Es gibt Bücher, zu denen kann und will man gar nicht viel sagen. Dabei liegt es nicht immer daran, dass sie einem nicht gefallen haben oder es nichts zu sagen gäbe, nein, manchmal ist genau das Gegenteil der Fall. Das Buch hat einen restlos begeistert und man hat Angst, zu viel zu sagen und am Ende irgendwem den Lesespaß zu rauben. Genau so ein Buch ist Im freien Fall oder wie ich mich in eine Pappfigur verliebte für mich geworden und deswegen will ich nun auch gar nicht zu sehr um den heißen Brei herum reden (oder schreiben), sondern einfach die – auf gar keinen Fall verräterischen – Fakten auf den Tisch legen.

Erschienen: 21. Juli 2014 im Loewe-Verlag | Format: Gebundene Ausgabe | Seiten: 384 | Autor/in: Jessica Park | Bewertung: 4,5 Fläschchen

Worum geht es überhaupt?
Julie ist gerade von Ohio nach Boston gezogen, wo sie fortan das Collage besuchen möchte. Kaum angekommen, muss sie allerdings schon das erste Problem lösen: die Wohnung, die sie übers Internet gemietet und bereits bezahlt hatte, entpuppt sich als Burrito-Restaurant. Wo soll sie nun hin in einer Stadt, in der sie nichts und niemanden kennt? Hilfe kommt in dieser verzwickten Lage von ihrer Mutter, die in der Not eine Lösung parat hat und so wird Julie kurzerhand bei Erin Watkins, einer ehemaligen Studienkollegin ihrer Mutter, einquartiert. Als Julie in das Auto ihres Sohnes Matt einsteigt, ahnt sie noch nicht, dass mit ihrem Einzug in das Haus der Watkins das Abenteuer Boston erst so richtig für sie beginnt, denn diese Familie ist nicht das, was sie von außen scheint, was in Julie sofort Neugier und Helfersyndrom zum Leben erweckt – nicht ahnend, was sie damit auslöst.

So denke ich darüber
Auf die Thematik der Geschichte möchte ich gar nicht groß eingehen, denn das würde dem Leser, so glaube ich, die Möglichkeit nehmen, sich offen auf das Buch, die Gefühlswelt, die es bereit hält und seine Charaktere mit all ihren Facetten einzulassen. Nur so viel sei gesagt: die Autorin hat ein Händchen dafür bewiesen, Sarkasmus, Witz und Charme mit Tiefgang zu kombinieren und bleibt dabei stets glaubwürdig.

In die Figuren aus diesem Buch habe ich mich absolut verliebt. Sie sind alle so sensibel und realistisch gezeichnet, so einzigartig in ihrem Wesen und ihren Eigenarten, das man gar nicht anders kann, als sie schlichtweg ins Herz zu schließen. Dabei hat es mir ganz besonders die kleine Celeste angetan, die mit ihrer herausragenden Intelligenz viel erwachsener wirkt als manch anderer ihrer Familienmitglieder und doch blitzt hier und da das Kind hervor, welches sie tief in ihrem Inneren doch immer noch ist.

Matt ist Celestes großer Bruder und so etwas wie das provisorische Familienoberhaupt. Es scheint, als würde er alle Last auf seinen Schultern tragen und dennoch bewahrt er sich einen Funken Leichtigkeit, den er nur zu gerne dafür nutzt, Julie mit Freuden an seinen Sarkasmuskünsten teilhaben zu lassen. Aber nicht nur darin ist er gut, denn nicht nur seine Schwester ist hochintelligent, sondern auch Matt, der sein Köpfchen dafür nutzt, es mit Mathe und Physik zu füllen. Finn, der Älteste im Watkins Geschwister-Clan, lernen wir in erster Linie über Facebook kennen, da dieser als Langzeitreisender die Welt unsicher macht. Wenngleich der Leser ihm nicht “persönlich” begegnet, hat man nicht das Gefühl, ihn nicht zu kennen oder das die Autorin in seiner Ausarbeitung irgendwie geschludert hätte. Aber auch die Eltern der drei Geschwister sind durchaus erwähnenswert. Wenngleich sie nicht allzu viele Auftritte haben, hinterlassen sie doch ihre Spuren in dieser Geschichte. Hinter ihrem herzlichen Wesen merkt man, dass auch diese Beiden tief im Inneren ihr Päckchen zu tragen haben, wenngleich sie es konsequent zu verbergen versuchen.

Julie ist die Hauptprotagonistin in diesem Buch und man könnte sagen, dass sie durch Zufall in diese Familie stolpert. Erin Watkins, die Mutter der drei und einstige Studienkollegin von Julies Mutter, bietet ihr ein Dach über dem Kopf, als sie es ganz dringend nötig hat. Kaum im Hause Watkins einquartiert merkt Julie recht schnell, dass in dieser Familie irgendwas nicht ganz koscher ist und macht sich direkt fleißig daran, hinter das Geheimnis der Familie zu kommen. Dabei überschreitet sie manches Mal ungewollt die ein oder andere Grenze und eckt an, aber das nimmt ihr nicht den Wind aus den Segeln, hat sie sich doch fest vorgenommen, dieser Familie zu helfen.

Kurzum
Im freien Fall oder wie ich mich in eine Pappfigur verliebte ist kein Buch, das vor Überraschungen nur so strotzt und den Leser am Ende mit einem lauten Knall sprachlos zurücklässt. Es ist ein Buch, in dem sich eine Familie hinter einer Mauer aus gespielter Harmonie versteckt, ein Buch, das zuckersüß wie sein Cover ist und bitter wie Medizin. Ein Buch, dass Tränen fließen lässt und Lächeln ins Gesicht zaubert.

2 Gedanken

  • Nana August 20, 2015 at 15:40

    Für mich war "Im freien Fall" ein vollkommen überraschendes Lese-Highlight 🙂
    Vor allem "Matt" ist mit so ans Herz gewachsen…
    Ich empfand es genau wie du: es bringt einen zum Lächeln und jagt einem Tränen in die Augen :o)

    Liebste Grüße,
    Nana

    Antworten
  • Madame Lustig August 22, 2015 at 09:28

    Ja, Matt war auch einer meiner Lieblinge. Getoppt wurde er jedoch von seiner kleinen Schwester Celeste, die ich in ihrer Art einfach nur Zucker fand. 😀

    Liebe Grüße
    Madame Lustig

    Antworten

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