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Liebe und andere Fremdwörter von Erin McCahan

Auch wenn dein Hirn blitzgescheit ist, kann dein Herz immer noch saudumm sein.
Ich zähle die unangenehmen Eventualitäten an vier Fingern ab. “Was, wenn ich ihn lieber mag als er mich? Was, wenn mich lieber mag als ich ihn? Was, wenn keiner von uns den anderen allzu gern mag? Und was, wenn wir eine Wiederholung des letzten Schulballs erleben?”

Josies IQ liegt einige Punkte über “Genie”. In Liebesdingen braucht Josie aber ganz dringend Nachhilfe, denn durch reine Logik bekommt sie die Sache mit der Liebe einfach nicht in den Griff. (Klappentext)

Erschienen: 26. März 2015 bei Fischer FJB  |  Format: Gebundene Ausgabe  | Seiten: 352  | Website der Autor/in: Erin McCahan | Bewertung: 3 von 5 Fläschchen

So denke ich darüber
Als frisch gebackener Teenager fragte ich meine Mutter mal, was der Unterschied zwischen Verliebtsein und Liebe ist. Als Antwort sang sie mir folgende Zeilen vor:

Dieses Kribbeln im Bauch
das an niemals vergisst, 
wie wenn man zuviel Brausestäbchen isst ..

So fühlt es sich an, verliebt zu sein, sagte sie. Und wenn dieses Kribbeln irgendwann nachlässt und die vorher bekribbelte Person immer noch Platz 1 deiner Gedanken einnimmt, dann ist daraus Liebe geworden. Ok, ganz so simpel ist das natürlich nicht, aber ich hatte zumindest eine Idee davon bekommen, wie es sich anfühlt, verliebt zu sein – die Liebe kam für mich erst viel später. Treffend in Worte fassen könnte ich dieses wunderschöne und doch oft auch bittersüße Gefühl dennoch nicht. Liebe und andere Fremdwörter hat es versucht und ob es gelungen ist, sollte bei so einem komplexen und immer anders empfundenen Gefühl allerdings jeder für sich entscheiden.

Aber genug um den heißen Brei geredet, kommen wir zurück zum Wesentlichen und widmen uns den Charakteren. Hauptprotagonistin und Ich-Erzählerin Josie war für mich von der ersten Seite an ein sehr erfrischender und gern gelesener Charakter, was neben ihren Bemühungen, sich ihrer Umwelt anzupassen und deren Sprache zu verstehen, nicht zuletzt ihrem Grips und ihrer Denke zu verdanken war, wodurch mir nicht selten ein anderer Blick auf für mich alltägliche Dinge ermöglicht wurde. Stu, Nachbar und bester Freund, ergänzt Josie in Sachen Intelligenz perfekt und bildet gemeinsam mit ihr ein perfektes Team in Mitten “normalsterblicher” Teenager, denen hier die ehrenvolle Aufgabe zuteil wurde, die Rollen als Josies Schulfreundinnen einzunehmen. Anders als unsere Hauptprotagonistin waren diese in meinen Augen eher gewöhnliche 0-8-15 Teenager, die etwas blass rüber kamen. Normalerweise hätte das dafür gesorgt, dass ich ziemlich schnell ziemlich genervt von eben jener 0-8-15 Charaktersorte gewesen wäre, doch hier haben sie sich wunderbar in die Handlung eingefügt, wurden die Unterschiede zu Josies Denke in dieser direkten Gegenüberstellung doch nochmal verdeutlicht.

Kommen wir als nächstes zu Josies Familie. Während ich anfangs wirklich pnahmslos alle Mitglieder mochte, ging mir Josies große Schwester Kate doch recht bald gewaltig auf den Keks. Niemals sollte man einfach auf Kosten der kleinen Schwester handeln und ohne Rücksicht auf Verluste seinen Weg verfolgen. Und tatenlos dabei zusehen, wie der neue Lebenspartner die kleine Schwester in ihrer Persönlichkeit angreift, sollte man schon 3x nicht.

Sprachlich hat mich Liebe und andere Fremdwörter auf ganzer Linie überzeugt. Dazu beigetragen haben gleichermaßen die teils sehr unterhaltsamen und anregenden Dialoge wie auch Josies Gedankenstränge, die nicht nur über den Großteil der Geschichte hinweg kein halbherziges Lesen erlaubten, um nicht den roten Faden zu verlieren, sondern dem Buch auch eine tiefgründige Note verliehen haben.

Gerne würde ich an dieser Stelle jetzt sagen, dass sich Liebe und andere Fremdwörter im Laufe der Geschichte zu einem meiner Bücherhighlights gemausert hat – und Josie hätte das definitiv verdient – doch das würde leider nur bedingt zutreffen. Trotz dessen, dass sprachlich absolut mein Geschmack getroffen wurde und die Charaktere zu 90% Anklang gefunden haben, konnte mich das Buch einfach nicht fesseln. Viel mehr verhielt es sich so, dass die Seiten eher vor sich hin dröppelten, weswegen ich für jedes Kapitel eine gefühlte Ewigkeit brauchte und deswegen hier und da sogar Schwierigkeiten hatte, am Ball zu bleiben. Lange habe ich darüber nachgedacht, was der Grund dafür war – ohne Erfolg. Ich weiß nicht, ob meine Genervtheit von Kate am Ende mein Lesevergnügen unbewusst so sehr getrübt hat, oder ob mir nicht doch noch etwas anderes fehlte, etwas, das ich nicht benennen kann. Ein bisschen Pfiff vielleicht, oder auch ein Spannungsbogen, der sich schlussendlich in einem Highlight entlädt – ich weiß es nicht.

Kurzum
Liebe und andere Fremdwörter ist ein Jugendbuch aus der Sicht eines hochintelligenten Teenagers auf der Suche nach der Liebe, welches mich unterm Strich leider nicht ganz so zu packen wusste, wie erhofft.

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