Miss you von Kate Eberlen

Posted on September 22, 2016

Was wäre wenn Fragen, verpasste Chancen und unerfüllte Träume kennen wir wohl alle und jeder weiß, dass sie zu einer großen Belastung werden können, wenn man ihnen zu viel Raum gibt. Nicht nur für einen selbst, sondern auch für das Umfeld oder aber, wie in meinem Fall, für mich als Leser. Seit nunmehr fast zwei Wochen habe ich Miss you beendet und mache mir seitdem Gedanken über das Buch und noch immer weiß ich nicht so recht, was ich davon halten soll. Blöd, aber sowas kommt durchaus mal vor.

Erschienen: August 2016 im Diana Verlag | Originaltitel: Miss you | Format: Brochiert/Ebook | Seiten: 576
Übersetzung: Stefanie Fahrner & Babette Schröder | Webseite der Autorin Kate Eberlen | Bewertung: 3 von 5 Fläschchen


Aber worum geht es überhaupt?

Tess ist mit ihrer besten Freundin in Florenz im Urlaub, als sie Gus begegnet. Die beiden reden kaum mehr als eine handvoll Worte miteinander, bevor sich ihre Wege wieder trennen. Zurück in England schlägt das Schicksal knallhart zu. Tess’ Mutter stirbt und um sich um ihre kleine Schwester kümmern zu können, verzichtet sie auf ihren Traum zu studieren. Gus hingegen tritt seinen Studiumsplatz an der Uni, die auch Tess besucht hätte, an, beginnt seinen Eltern zu Liebe mit einer Ausbildung, auf die er gar keine Lust hat und versucht nebenbei irgendwie, den Tod seines Bruders zu verarbeiten. Sowohl Tess als auch Gus führen ein Leben, das sie nicht glücklich macht und ahnen dabei nicht, dass die Person, die alles ändern könnte, oft nur eine Entscheidung weit entfernt ist ..

Die Geschichte von Tess und Gus
wird aus der Ich-Perspektive erzählt, wobei sich die beiden Charaktere die Rolle des Erzählers teilen. Durch die regelmäßigen Perspektivwechsel lernt man als Leser somit sowohl sie als auch ihn kennen, kann sich ein Bild von der jeweiligen Lebenssituation machen, eine Bindung zu ihnen aufbauen und beiden die Daumen für ein besseres, glücklicheres Leben drücken. Dem flüssigen und an einigen Stellen doch sehr detaillierten Schreibstil ist es dabei zu verdanken, dass man sich jederzeit in Tess’ und Gus’ hineindenken kann und darüberhinaus ihre Umgebung genau vor Augen hat.

Diesen letzten, sorglosen Urlaubstag in Florenz aber,
den Tag, bevor mein Leben sich dramatisch verändern sollte,
kann ich Stunde für Stunde,
ja fast schon Schritt für Schritt im Geist nachzeichnen. (S. 11)

Tess habe ich als junge, starke Frau wahrgenommen, die vor Verantwortung nicht zurückschreckt und ihr eigenes Glück für das der anderen zurückstellt. Trotz dessen, dass ich mit ihr nicht unbedingt einer Meinung war und mir an manchen Stellen einfach gewünscht hätte, dass sie mal auf den Tisch haut und etwas egoistischer ist, mochte ich sie sehr. Mit Gus hingegen hatte ich so meine Schwierigkeiten. Seine schüchterne Art und wie er sich von seinen Eltern und seinem toten Bruder in eine Richtung drängen ließ, die er eigentlich gar nicht gehen wollte, ließen ihn in meinen Augen manchmal sehr bemitleidenswert rüberkommen. Die Charakterstärke, die ich bei Tess so bewundert habe, fehlte mit bei Gus gänzlich und auch in Sachen Partnerschaft hat er nicht gerade bei mir punkten können.

Ich befand mich in diesem Stadium der Trunkenheit,
in dem man im Begriff ist, alles zu vergessen, und zugleich das absurde Gefühlt hat,
alles unter Kontrolle zu haben. (S. 246)

Miss you ist in meinen Augen weniger eine Liebes-, als vielmehr eine Lebens- und Schicksalsgeschichte und genau da lag für mich auch der Hund begraben. Ich habe zwar grundsätzlich nicht so das Problem damit, wenn sich unter den Buchdeckeln eine ganz andere Geschichte versteckt, als ich auf Grund des Klappentextes erwartet habe, denn immerhin habe ich genau auf diese Art bereits den ein oder anderen überraschenden Schatz entdeckt, doch hier wollte es für mich nicht passen. Es fehlte einfach etwas. Das Gefühl, die Romantik, das Herzklopfen. Dabei hätte es noch nicht einmal alles auf einmal sein müssen, kleine Bröckchen hier und da, die mein Herz höher schlagen lassen, hätten mir schon genügt, doch ging es leider erst ziemlich am Ende in diese Richtung und diese paar Seiten konnten da für mich dann nicht mehr viel rausreißen. Dabei ist es jedoch nicht so, dass mir die Geschichte überhaupt nicht gefallen hätte, ich empfand die Hürden, die Tess und Gus zu meistern hatten einfach nur als viel zu viel und weil ein Stein den nächsten jagte und es einfach kein Ende zu geben schien, war in dieser Geschichte nicht nur viel zu wenig Raum für die Liebe, sondern sie las sich stellenweise auch wie Kaugummi.

Zusammengefasst heißt das ..
Ich habe mir von diesem Buch sehr viel Herzklopfen versprochen und auch, wenn die einzelnen Lebenswege voller diverser Emotionen waren, fehlten mir hier einfach die alles verzehrenden Gefühle, die Hach-Momente, das Hoffen und Bangen. Bei Miss you handelt es sich nicht um eine Liebesgeschichte, sondern um den Weg dahin und während auch das durchaus sehr spannend und vollgepackt mit romantischen Gefühlen sein kann, ging es hier fast durchgängig um meter hohe Hürden, Stolpersteine und Schicksalsschläge, die das Leben den Charakteren in den Weg stellt und das ist etwas, worauf ich weder durch Klappentext noch durch Kurzbeschreibung schließen konnte. Für mich war diese Lektüre leider kein goldener Griff, aber all jene unter euch, die gerne Schicksalsromane lesen, sollten sich Miss you einmal etwas genauer anschauen.


Weitere Meinungen zu dem Buch: Magnificent Meiky | Lottas Bücher | Buchsichten

 

9 Gedanken

  • Rebecca September 22, 2016 at 19:04

    Huhu Maike!

    Schöne Rezension! ♥
    Ich muss gestehen, dass ich das Buch lange im Visier hatte. Damals als ich es in der Verlagsvorschau entdeckt habe, hatte es mich unglaublich gereizt. Dann kurz vor dem Erscheinen, hab ich mir das Buch nochmal angesehen und da war der Zauber hin. Was ich nicht bereue. Ich hab es nämlich doch ganz gerne, wenn ich das bekomme, was auf dem hinteren Buchdeckel steht.

    Es gibt, ganz richtig, auch manche Perle dazwischen. Doch meiner Erfahrung nach, ist das selten so. Weil man eine gewisse Erwartung an das Buch hat, sobald man so grob vom Inhalt weiß.

    Umso besser an der Stelle, dass du die Art dieses Romans neu definierst und somit vielleicht anderen interessierten Lesern einen Hinweis in die richtige Richtung gibst.

    Allerliebste Grüße! ♥
    Rebecca

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    • MadameLustig September 29, 2016 at 23:03

      Meine liebste Rebecca, vielen vielen Dank für deinen lieben Kommentar!

      Du hast Recht, viele dieser versteckten Perlen gibt es nicht, doch die Hoffnung, dass ich eine finden werde, stirbt bekanntlich zuletzt. Allerdings ist es in meinem Fall gerade bei solchen Büchern, die nach Liebesgeschichte durch und durch ausschauen, so, dass ich tatsächlich dann auch genau das bekommen will und wenn ich dann statt Streicheleinheiten fürs Herzlein irgendein Drama bekomme, bin ich nicht nur enttäuscht, sondern oftmals auch richtiggehend genervt.

      “Miss you” hätte mir sicher besser gefallen, wenn ich ohne die Erwartung einer süßen Zuckerwattewolke an die Lektüre rangegangen wäre bzw wenn der Klappentext passender gewesen wäre und ich gezielt nach der Lektüre gegriffen hätte. Aber nun ja .. 🙂

      Fühl dich gedrückt
      Maike

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  • kitsune_miyagi November 8, 2016 at 13:55

    Und genau weil die Liebesgeschichte nicht im Vordergrund steht, hat mich das Buch nun doch neugierig gemacht. Im Buchladen hatte ich es zur Seite gelegt, weil mich der Perspektivwechsel genervt hat. Ist jetzt doch wieder auf meiner Wunschliste, danke 🙂

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    • kitsune_miyagi November 10, 2016 at 14:00

      Auf jeden Fall. Ich muss allerdings vorher noch meine Leseliste abarbeiten.

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  • -Leselust- Dezember 4, 2016 at 14:22

    Hallöchen Maike,
    Mit dem Buch liebäugel ich auch schon eine Weile. Mich erinnert es von der Beschreibung her ein bisschen an “Zwei an einem Tag” von David Nicholls. Hast du das auch gelesen? Mir hat das damals total gut gefallen und deswegen bin ich auch neugierig auf dieses Buch. Mal sehen, wann ich zum Lesen komme, denn oberste Priorität haben erstmal andere Schmöker. 🙂
    Liebste Grüße,
    Julia

    Antworten
    • -Leselust- Dezember 4, 2016 at 14:24

      Oh, und fast hätte ich es vergessen zu erwähnen: deine Rezension hat mir sehr gut gefallen. Eine ausführliche Beschreibung, die aber nicht zu viel verrät. Und durch die Zitate bekommt man einen kleinen Eindruck vom Schreibstil. Also alles supi! <3

      Antworten
      • MadameLustig Dezember 5, 2016 at 14:41

        Vielen Dank für dein liebes Feedback, liebe Julia. Ich freue mich immer, wenn meinen Lesern mit meiner Meinung irgendwie helfen kann. Für mich war das Buch ja leider nichts, aber für dich vielleicht. Ich bin jedenfalls gespannt auf deine Meinung dazu. 🙂

        Liebe Grüße
        Maike

        Antworten
        • -Leselust- Dezember 12, 2016 at 23:33

          Sehr gern. Als Blogger lebt man ja auch vom Feedback und mir ist das selbst auch immer sehr wichtig. Deswegen kommentiere ich bei anderen auch so gerne, was mir aufgefallen ist oder gut gefallen hat. 🙂
          LG

          Antworten
          • MadameLustig Dezember 13, 2016 at 09:00

            Das stimmt! Ich stöbere auch sehr gerne durch Blogs und hinterlasse ein Hallo, aber in letzter Zeit komme ich schrecklich selten dazu. ich lese zwar unterwegs immer noch viele Beitrage übers Smartphone und nehme mir dann immer vor, später auch zu kommentieren, aber das geht dann oft unter. Ich hoffe, das wird i neuen Jahr wieder anders. 🙂

            Ganz liebe Grüße
            Maike

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