Schau mir in die Augen, Audrey von Sophie Kinsella

Posted on November 10, 2016

Dieses Schmuckstück von Autorin Sophie Kinsella steht tatsächlich bereits seit dem Tag seiner Erscheinung in meinem Bücherregal, lächelte mich immer wieder an und doch griff ich jedes Mal zu einem anderen Buch, in dem Glauben, dass Schau mir in die Augen, Audrey gerade nicht die richtige Lektüre für mich wäre. Darüber kann ich im Nachhinein allerdings nur den Kopf schütteln, denn Sophie Kinsella hat hier eins dieser absoluten Wohlfühlbücher geschrieben, die immer genau richtig sind.

Erschienen: Juli 2015 im cbj-Verlag | Originaltitel: Finding Audrey | Broschiert/Ebook/Taschenbuch
Seiten: 384 |Übersetzung: Anja Galic | 4 von 5 Fläschchen


Aber worum geht es überhaupt?

Seit dem einen ganz bestimmten Vorfall kann Audrey das Haus nicht mehr verlassen. Allein bei dem Gedanken daran läuft ihr der Angstschweiß den Rücken hinunter. Auch auf ihre Sonnenbrille verzichten kann Audrey seit jenem Vorfall nicht mehr. Um es ihr leichter zu machen, wieder ein Teil des Ganzen zu sein und stückchenweise aus sich herauszukommen, gibt ihr ihre Therapeutin Dr. Sarah auf, einen Dokumentarfilm zu drehen. Was sich anfänglich als etwas holprig gestaltet, bringt ihr schon bald Spaß und sogar Linus, Freund von Audreys Bruder Frank, erklärt sich bereit, ihr ein Interview zu geben. Ob sie diese Hürde meistern kann? Und wäre das nicht nur schwer genug und die Batterien der Familie wegen ihr sowieso schon so gut wie ausgereizt, hat sich ihre Mutter auch noch in den Kopf gesetzt, dass ihr Teenager-Sohn mehr frische Luft und sinnvollere Hobbys braucht, anstatt einen Computer …

Es waren gerade einmal
eine handvoll Sätze nötig, um mich in der Geschichte zu verlieren, was in allererster Linie dem tollen Schreibstil zu verdanken war, der mich regelrecht an die Seiten fesselte. Herrlich locker, witzig und gespickt mit einer ordentlichen Portion Situationskomik tragen die Wörter den Leser durch die Seiten und so kam es, dass ich die Hälfte des Buches mal eben fix zwischen Abendbrot und Zubettgehen durchgelesen hatte.

Man hat nicht die leiseste Vorstellung davon, 
wie viele Menschen es auf der Welt gibt, bis man anfängt, 
vor ihnen Angst zu haben. (S.54)

Ein weiterer Punkt auf der Pro-Liste sind die Charaktere. Neben Erzählerin Audrey ist es vor allem ihre Familie, die die Seiten mit Leben füllen. Wir sind Zuschauer, wenn der Bruder mit Intelligenz und Sarkasmus seine Mutter zur Verzweiflung treibt, der Vater zu schlichten versucht und ihr schlussendlich doch die Hutschnur reißt und ich habe mich dadurch herrlich unterhalten gefühlt. Es waren Szenen und Charaktere wie aus dem Leben geschnitten und ins Buch eingeklebt, die mich wohlfühlen ließen und Lust auf Popcorn machten.

Manchmal hoffe ich, dass jedes Lachen, das mir entgangen ist,
irgendwo gespeichert wird und in einem gigantischen,
vierundzwanzig Stunden andauernden Lachanfall aus mir herausbricht,
wenn ich geheilt bin. (S. 138)

Schau mir in die Augen, Audrey ist dieses Jahr bereits das dritte oder vierte von mir gelesene Buch, das sich dem Thema Angststörung annimmt und damit Aufklärungsarbeit über dieses heikle, immer noch gerne belächelte oder unter den Teppich gekehrte Thema leistet. So ernst diese Krankheit und die damit einhergehenden Probleme auch sind: Frau Kinsella lässt die Lektüre und Audreys Schicksal zu keinem Zeitpunkt bleiern und schwer wirken, sondern schafft mit viel Witz, den richtigen Worten, Respekt und Fingerspitzengefühl Hoffnung, Lebensmut und Lebensfreude.

Zusammengefasst heißt das nun
Wer zu Schau mir in die Augen, Audrey greift, wird sich an einer Lektüre erfreuen können, die nicht nur durch Worte überzeugen, die sich beinahe von selbst lesen, sondern dank der Charaktere und den gut ausgearbeiteten Szenen einfach echt wirkt. Der freche, spritzige Charme, der sich durch die Seiten zieht, tut sein übriges und so ist das Buch auch schon beendet, kaum, dass man zu lesen begonnen hat.


Weitere Meinungen zu dem Buch: Wortmalerei | Frühlingsmärchen | My Book Blog

 

 

4 Gedanken

  • Nelly November 10, 2016 at 22:02

    Huhu Liebes,
    eine wunderschöne Rezension.
    Ich hab das Buch letztes Jahr gelesen und kann dir nur voll und ganz in allen Punkten zustimmen. Ich hatte anfangs ja so meine Zweifel, ob Kinsella im Jungendbuch-Sektor wirklich richtig aufgehoben ist. Aber sie hat das wirklich gut gemeistert. Audrey war einfach toll und ihre Geschichte spannend und gleichzeitig emotional. Kann ich nur auch empfehlen.

    Alles Liebe, Nelly

    Antworten
    • MadameLustig November 12, 2016 at 17:49

      Hallo meine liebe Nelly,
      danke für deine lieben Worte. Ich muss ja sagen, dass mir diese Rezension gar nicht so leicht gefallen ist. Das Buch hat mich sehr berührt und in solchen Fällen fehlen mir manches Mal einfach die Worte. Umso mehr freue ich mich, dass ich offensichtlich alles richtig rüberbringen konnte.

      Beim Kisten auspacken nach dem Umzug habe ich gesehen, dass ich ein weiteres Buch von Sophie Kinsella in meinem Regal stehen habe. Unbemerkt. Kennst du Charleston Girl und kannst mir eventuell etwas dazu sagen?

      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
      Maike

      Antworten
  • Diana November 26, 2016 at 16:30

    Das Buch weilt schon lange auf meiner Wishlist. Da ich unter derselben Erkrankung leide bin ich gespannt, wie ich es finden werde, wenn ich als Betroffene es lese 🙂

    Liebe Grüße ♥

    Antworten
    • MadameLustig November 29, 2016 at 13:08

      Hallo liebe Diana,
      mir geht es ähnlich wie dir und mir hat es sehr gut gefallen. Vor allem, weil hier nicht Trübsal geblasen, sondern Hoffnung vermittelt wird.

      Ich würde mich freuen, wenn du mich wissen lässt, wie es dir gefallen hat.

      Liebe Grüße
      Maike

      Antworten

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