Soljanka

Posted on August 27, 2015

Soljanka

Kennt ihr das: ihr steht vor eurem Kühlschrank, seht darin hier ein halb gefülltes Glas, dort Aufschnittreste und da unten, in den kleinen Schubfächern, da liegt noch eine verlassene, überreife Tomate und die übrig gebliebene Fleischwurst vom Nudelsalat. Kurz gesagt: Reste!

Ich weiß nicht, wie es euch bei solch einem Anblick geht. Ich persönlich komme oft ins Grübeln, was ich mit dem Durcheinander an Zutaten anfangen soll und aus meinem Bekanntenkreis weiß ich, dass der ein oder andere aus schlichter Ideenlosigkeit heraus schlussendlich alles wegwirft, bevor den Resten im Kühlschrank noch Haare wachsen. Dabei ist die Lösung für so eine Resteverwertung ebenso simpel wie naheliegend: Wir kochen einen Eintopf! Was für einer es am Ende wird und wie er schmeckt hängt dabei natürlich von den Resten ab, aber im Grunde sind sie doch alle lecker.

Was früher – nicht zuletzt aus finanziellen Gründen – einen festen Platz auf den Speiseplänen hatte, sieht man heute nur noch vergleichsweise selten in den Töpfen. Dabei haben wir doch fast alle schon als Kinder gelernt, dass aus Scheiße Gold machen das leckerste Essen auf den Tisch zaubert! Und genau das habe ich vergangenes Wochenende auch wieder getan.

Einmal in der Woche gab es bei uns Zuhause Eintopf oder Suppe auf den Tisch, was bei 6 zu stopfenden Mäulern sicher nicht die schlechteste Idee war. Während ich für Graupensuppe nicht sonderlich viel übrig hatte und Hühnerbrühe nur über meine Lippen kommt, wenn ich WIRKLICH krank bin, kann ich von Linsen- oder Weiße Bohnen Eintopf gar nicht genug bekommen. Ebenso sieht es mit Soljanka aus, die es bei uns immer dann gab, wenn der Kühlschrank zu viele Wurstreste beherbergte. Ähnlich sah es nach unserem Urlaub auch bei mir aus, weswegen wir uns kurzerhand dazu entschieden, mal wieder etwas Kindheit in unsere Teller zu holen.

In meinem Kühl- und Vorratsschrank fand ich noch etwas Geflügelfleischwurst, 2 Pfefferbeißer, Reste von Schinken, Salami und Chorizzo, Zwiebeln, Paprika, eine überreife Tomate und Gewürzgurken. Das Einzige, was wir für unsere Soljanka noch besorgen mussten, war Lecho, eine Zutat, die bei unserem Rezept nicht fehlen darf.

Bevor es ans Kochen geht, müssen erstmal ein paar Vorbereitungen getroffen werden – auch Schnippelarbeit genannt. Was bin ich an dieser Stelle froh, dass mein Mann vor Jahren mal eine Kochausbildung absolviert hat und mir so immer alles ratzfatz zurecht schnippeln kann. Also ja, ich gebe zu, diese wunderschön auf den Tellern drapperten, fein säuberlich geschnitten Zutaten sind nicht meinen fleißigen Fingerchen zu verdanken.

Haben eure Heinzelmännchen artig alles fertig geschnippelt, könnt ihr euch ans Kochen der Soljanka machen. Dafür bringt ihr die Lecho in einem großen Topf zum köcheln. Nebenbei wird die geschnippelte Wurst in der Pfanne angebraten, damit sie schöne Röstaromen entwickelt, die später unserem Eintopf einen Großteil seines Geschmacks geben.

Wisst ihr was? Wir haben es schon fast geschafft. Nachdem die Lecho köchelt und die Wurst in der Pfanne leicht vor sich hin brutzelt, kommen die Paprika zu der Lecho in den Topf und dürfen kurz mit durchziehen, bevor wir die restlichen Zutaten ebenfalls mit dazu geben. Als allerletztes fügen wir die angebratene Wurst der Soljanka hinzu und lassen alles zusammen noch einmal kurz durchziehen. Riecht ihr schon, wie sich die Dämpfe in eurer Küche breit machen?

Ihr werdet euch nun sicherlich fragen, wie es denn mit Gewürzen aussieht. Darauf hätte mein Papa nun Folgendes gesagt: eine gute Soljanka braucht keine Gewürze, weil sie ihren Geschmack und ihre Würze aus der Vielfalt an Wurstresten in Kombination mit der säuerlichen Lecho und den Gewürzgurken gewinnt. Das macht dieses Gericht nicht nur super lecker, sondern auch idiotensicher.

Fertig. Nachdem die Soljanka ein paar Minuten durchziehen konnte, ist sie bereit, eure Tellerchen zu füllen und die Gaumen zu verwöhnen.

Guten Appetit!


Gab es bei euch früher auch regelmäßig Eintöpfe oder Suppen auf den Tisch? Habt ihr da Lieblinge und wenn ja, kocht ihr sie genauso, wie eure Mama damals? Und übt ihr euch in Resteverwertung, wie unsere Mütter und Großmütter vor uns?

 

 

5 Gedanken

  • Suselpi September 12, 2015 at 21:54

    Hallo 🙂

    Ich setze mal zu einem Gegenbesuch an und kam an diesem Beitrag nicht vorbei.
    Bei mir ist schon ewig keine Soljanka mehr auf dem Teller gelandet. Ich kenne es auch nur noch aus meiner Kindheit. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, ob mein Freund sowas überhaupt isst 😛

    Eintöpfe gibt es bei mir recht selten. Einfach weil ich damals immer mit Bohneneintopf gequält wurde. Und das ist für mich nun die Urform des Eintopfs und löst ganz böse Kindheitserinnerungen aus xD

    Vielleicht sollte ich mal etwas in der Rezeptschublade wühlen und schauen ob ich da mal was leckeres finde 🙂 Und dann werden wir sehen, ob meine Familie das isst 😉

    Ein wirklich schönes Rezept. Nun hab ich irgendwie Lust auf Soljanka… . Mist :S
    Bei mir gab es die Tage Gnocchi mit Spinat-Frischkäse-Soße. Vielleicht ist es auch was für deine Familie. Man kann es wunderbar anpassen und geht super schnell. Schau einfach mal rein, wenn du magst 🙂
    *Klick* 🙂

    Liebe Grüße
    Suselpi

    PS. Ich folge dir jetzt mal. Vielleicht finde ich ja das ein oder andere leckere Rezept 😀

    Antworten
  • Madame Lustig September 15, 2015 at 18:25

    Hallo Suselpi, schön, dass du hergefunden hast und bleiben magst! 😀

    Ich finde die lange Soljankaabstinenz ist Grund genug, diese Köstlichkeit wieder auf den Tisch zu bringen und dabei gleichzeitig den Geschmack deines Liebsten auf den "Zahn" zu fühlen. xD

    Das mit den bösen Kindheitserinnerungen ist schade, aber vielleicht findest du ja irgendwann noch einen Eintopf, den du wieder gerne löffen magst. 😉

    Das Gnocchi-Rezept hatte ich schon entdeckt und werde es ganz sicher einmal nachkochen. Wenn mein Mann nicht da ist. Der hasst nämlich Spinat. Noch so eine böse Kindheitserinnerung. *seufz*

    Liebe Grüße
    Madame Lustig

    Antworten
  • Suselpi September 16, 2015 at 20:47

    Hallo 🙂

    Ja, die bösen Kindheitserinnerungen verfolgen wohl jeden von uns eine Weile 😉

    Nächste Woche hätte ich glatt mal die Möglichkeit Soljanka zu machen. Und wenn er es nicht isst, bleibt mehr für mich 😉

    Liebe Grüße
    Suselpi

    Antworten
  • WortKunstSalat Oktober 21, 2016 at 21:00

    Huhu 🙂
    Ganz toller Beitrag, der mir gerade richtig Lust auf einen Eintopf macht 😀
    Ich bin da selbst leider immer zu unkreativ.
    Aber meine Oma macht heute noch Linsensuppe, Graupensupoe oder mein Favorit: Erbsensuppe 😀
    und Graupensupoe mochte und mag ich z.B. super gerne. So unterschiedlich sind Geschmäcker 😉
    Meine Uroma hat damals auch gerne dicke Bohnensuppe gemacht. Die mochte ich aber auch NUR von ihr 🙂
    Aber ich sollte vielleicht auch mal so was ausprobieren. Sehr gute Idee 🙂
    Danke dir.
    Ganze liebe Grüße
    Nadine

    Antworten
    • MadameLustig November 6, 2016 at 17:24

      Zum Glück sind sie unterschiedlich, sonst hätten wir doch immer Mangel an Köstlichkeiten! o.O
      Hast du denn inzwischen einmal die Soljanka ausprobiert? 🙂

      Ganz liebe Grüße
      Maike

      Antworten

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