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Sternenwald von Julie Heiland

Nachdem ich Bannwald und Blutwald wie eine Süchtige verschlungen hatte, konnte ich es kaum erwarten, bis ich endlich den dritten und damit auch letzten Band dieser Trilogie in meinen Händen halten konnte. Es kam mir wie eine kleine Ewigkeit vor, dabei liegt noch nicht einmal ein Jahr zwischen den beiden letzten Bänden. Aber wenn ich dieses Buch so in meinen Händen halte und das Cover betrachte, war es jede einzelne Warteminute wert, denn es ist einfach nur wunder-wunderschön.

Erschienen: Mai 2016 bei Fischer FJB | Format: Broschiert/Ebook | Seiten: 384 | Reihen-Info: 3/3
Website der Autorin Julie Heiland | Meine Bewertung: 4 von 5 Fläschchen

Aber worum geht es überhaupt?
Nachdem Emilian auf der Flucht von den Tauren gefangen genommen wurde, ist Robin alleine und während alles in ihr danach schreit, umzukehren und Emilian zu retten, weiß sie auch, dass sie es ohne Hilfe nicht schaffen kann. Bei den Aries findet sie neue Freunde und Antworten, doch wird dieses friedliche Sternenvolk ihr auch im Kampf gegen Birkaras helfen? Viel Zeit ihren Vater zu stürzen und damit die Leonen und Emilian zu befreien, bleibt ihr nicht, denn auch, wenn sie sich das selbst zunächst nicht eingestehen will: Robin wird von Tag zu Tag schwächer.

Sternenwald setzt mit der Handlung ..
.. dort an, wo Blutwald uns Leser vor einiger Zeit mit einem ganz gemeinen Cliffhanger zurückgelassen hatte – nämlich nachdem Emilian während der Flucht von den Tauren gefasst und gefangen genommen wurde. Damit findet man sich ab der ersten Seite ohne große Umschweife und Rückblenden mitten in der Handlung wieder.

Vor ein paar Jahren hatte Almaras mir abends am Lagerfeuer versprochen, dass am Ende die Guten immer gewinnen würden. In diesem Moment bin ich mir sicher,
dass er gelogen hat. (S. 93)

Wie auch schon in Band 1 und Band 2 ist es die junge Leonen Robin, die uns in der Ich-Perspektive durch den Großteil der Geschichte führt und uns an ihren Gefühlen, Gedanken und Ängsten teilhaben lässt. Ebenso wenig neu ist, dass wir immer mal wieder zu Birkaras schwenken, wodurch wir erfahren, was sich hinter Robins Rücken abspielt. Um dem Handlungsverlauf auch wirklich an allen Ecken folgen zu können, dürfen die Leser diesmal hin und wieder Robins bestem Freund Laurin über die Schulter schauen, wodurch ein Blick auf die Situation der sich auf der Flucht befindenden Leonen ermöglicht wird, was mir wirklich gut gefallen hat, denn auch hier gab es interessante Entwicklungen zu beobachten.

Der Schreibstil ist auch hier wieder von kurzen, prägnanten Sätzen durchzogen und ich bin immer noch überrascht darüber, dass mir das so gut gefällt, bin ich doch eigentlich ein totaler Fan von unendlichen Verschachtelungen. Frau Heiland jedoch hat es nun zum dritten Mal geschafft, mich von ihrem Stil zu überzeugen, eine fantastische Atmosphäre zu schaffen und mich so mitzureißen, dass ich mich ohne Weiteres im Spannungsbogen und Gefühlsstrudel verlieren konnte.

Über altbekannte Charaktere möchte ich an dieser Stelle gar nicht viele Worte verlieren, denn damit würde ich mich nur wiederholen. Nur so viel: Sowohl Robin als auch Emilian haben im Laufe der Geschichte eine ganze Menge durchgemacht und auch in Sternenwald erbarmt sich das Schicksal ihnen nicht und es hat mir sehr gefallen, den beiden dabei zuzusehen wie sie von Seite zu Seite und von Problem zu Problem gereift und gewachsen sind, um am Schluss die Stärke und Größe besitzen zu können, ihren Weg zu Ende zu gehen. Und selbstverständlich kommen auch hier die großen Gefühle nicht zu kurz. Begleitet werden Robin und Emilian dabei von einigen neuen Gesichtern, die der Geschichte nochmal etwas frischen Wind verleihen, ihr Leben einhauchen und Antworten liefern.

Nur derjenige, der wahrhaft geliebt hat, hat auch wahrhaft gelebt.
Und das habe ich. (S. 314)

Wer meine Meinung zu den beiden vorangegangenen Bänden gelesen hat, der weiß, dass ich mir mehr Informationen über die anderen Sternenvölker gewünscht hatte und dieser Wunsch ging mit Sternenwald in Erfüllung. Zwar bin ich der Meinung, dass dieser wunderbaren Idee und den interessanten Stämmen mehr Raum hätte eingeräumt werden sollen, doch bin ich nun, nachdem ich das Buch bereits ein wenig hab sacken lassen können, tatsächlich ganz zufrieden mit dem, was ich bekam. Frau Heiland hat hier eine gute Mischung aus altbekanntem und Neuem geschaffen, so dass in diesem letzten Band alle Fäden nachvollziehbar zusammen laufen.

Trotz all des Lobes, das ich mir für Sternenwald aus den Fingern tippe gibt es doch eine Sache, die mir leider so gar nicht schmecken wollte und ich bin wirklich froh, dass ich bereits ganz tief im Gefühlsstrudel feststeckte und nur noch ein paar wenige Seiten vor mir hatte, denn anderenfalls wäre mein Lesevergnügen womöglich doch etwas mehr getrübt worden. Ich bin mir durchaus darüber im Klaren, dass sich Elemente aus Büchern immer mal wieder wiederholen und man sich dadurch recht häufig an irgendeine andere Geschichte erinnert fühlt, doch dass es ausgerechnet Harry Potter sein musste .. Versteht mich nicht falsch, es ist nicht so schlimm, als dass ich das Gefühl bekam, auf einmal nach Hogwarts katapultiert worden zu sein und doch war es mehr als ein flüchtiges Kitzeln an den Erinnerungen an ein anderes Buch und das hatte für mich einen leicht bitteren Beigeschmack. Nichtsdestotrotz fügt sich auch dieser Teil der Geschichte passend in Handlung und Welt ein, sodass es am Ende wirklich nur bei dem bitteren Beigeschmack mit einem kleinen Seufzer geblieben ist, was mir meine Freude an dem Buch nicht rauben konnte.

Zusammengefasst heißt das
Mit Sternenwald hat eine Trilogie einen Abschluss gefunden, die nicht nur mit einer für mich völlig neuen, interessanten und gut umgesetzten Idee aufwartete, sondern neben starken und authentischen Charakteren auch genau die richtige Portion Tiefe enthielt. Zwar gab es auch hier einen Punkt, den ich nicht ganz so glücklich fand, doch ändert das nichts daran, dass ich Sternenwald als wirklich gelungenen und runden Abschluss empfunden und mich zufrieden nach dem Lesen der letzten Seiten zurückgelehnt habe. Vielen Dank, Frau Heiland.

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