Triggerwarnungen in Büchern: Hilfe oder Verschlimmbesserung?

Posted on Februar 15, 2018

Triggerwarnung in Büchern

Triggerwarnungen. In den vergangenen Monaten bin ich häufig sowohl über klare Forderungen wie auch über Diskussionen gestolpert, in denen Triggerwarnungen in Büchern thematisiert wurden und ich klickte mich durch einige von ihnen mit sehr viel Interesse. Die aufgeführten Argumente waren nachvollziehbar wie auch verständlich und je länger ich still mitgelesen hatte, desto mehr merkte ich, dass mich das Thema nicht mehr losließ. Ich kam also nicht umhin, mir über kurz oder lang so meine eigenen Gedanken zu machen, mich zu fragen, welchen Einfluss Triggerwarnungen auf mein Leseverhalten hätten und je intensiver ich darüber nachdachte, desto klarer wurde für mich, dass mir ein ganz entscheidender Punkt in den Diskussionen fehlt: die andere Seite. Meine Seite.

Filme und Videospiele mit entsprechenden Warnhinweisen zu versehen, ist ja schon lange Thema und die meisten würden hier wohl zustimmend mit dem Kopf nicken und eine solche Kennzeichnung befürworten, wohingegen es in der Buchwelt da bei Weitem noch nicht so eindeutig ausschaut. Und während der Wunsch, andere zu schützen in meinen Augen ebenso verständlich wie auch löblich ist, muss ich gestehen, dass ich gegen Triggerwarnungen in Büchern bin. Dabei zweifel ich keineswegs daran, dass entsprechende Warnhinweise vielen Menschen dabei helfen würden, Bücher auszusieben, durch deren Handlung sie getriggert werden könnten und ich weiß auch, dass das für einige nicht nur eine Erleichterung, sondern wirklich lebensrettend sein könnte. Und würden Triggerwarnungen bei mir nicht mit hoher Wahrscheinlichkeit genau das Gegenteil von hilfreich sein, würde ich sicher auch anders über sie denken, Petitionen unterschreiben und Schilder in die Luft halten. Doch dadurch, dass ich mich nun intensiv mit der Frage auseinander gesetzt habe, was solche Warnhinweise für mich persönlich bedeuten würden, kam ich zum einen nicht umhin zu erkennen, dass sie mir mehr schaden denn nützen würden und zum anderen mich zu fragen, ob es anderen Menschen wie mir nicht vielleicht ebenso ergehen könnte.

Dass ich an einer Angststörung leide, ist ja nun kein Geheimnis mehr und so fällt es mir an dieser Stelle auch bei Weitem nicht mehr so schwer, darüber zu sprechen wie es noch vor ein paar Wochen der Fall gewesen wäre und das ist nicht nur gut, weil es sowieso allerhöchste Eisenbahn ist, dass sich Menschen mit psychischen Krankheiten nicht mehr ihrer Krankheit wegen schämen, sondern auch, weil ich euch so befreiter erklären kann, wieso ich in Triggerwarnungen nicht nur eine Hilfe, sondern auch ein Problem sehe. Wie in meinem Beitrag Hallo, ich heiße Maike und ich habe Angst geschrieben, leide ich an einer Generalisierten Angststörung. Das heißt, ich habe nicht nur Angst vor bestimmten Dingen wie Brücken, Fahrstühlen oder Spinnen, sondern immer Angst. Mein Tag ist beherrscht von Endlosgrübelein und Sorgen um alles mögliche, worauf mein Körper mit Magendruck, Herzstolpern, Unruhe, Kopfschmerzen und extremer Müdigkeit reagiert. Trotz dessen dass ich weiß, dass all diese Symptome ein Resultat meiner Angst sind, machen sie mir ihrerseits wieder Angst, wodurch sich die Endlosgrübelein, Sorgen und körperlichen Symptome nur noch verschlimmern. Es ist ein ewiges im Kreis drehen, ein Gang durch die Hölle und an schlechten Tagen kostet es mich alle Kraft, diese Gedankenspirale zu unterbrechen.

Bücher helfen mir dabei. Sie helfen mir, meine Sorgen beiseite zu schieben und je tiefer ich in eine Geschichte abtauche, desto ruhiger werde ich. Meine Symptome verschwinden, ich kann mich entspannen und nehme meinen Körper nur noch am Rande wahr. Doch nicht nur dabei helfen mir Bücher, nein, sie helfen mir auch, meine Ängste und Sorgen zu hinterfragen und meine Denkmuster zu durchbrechen. Bücher sind Urlaub für mich, Wellness für meine Seele und Therapie für meinen Kopf. Triggerwarnungen würden mir all das nehmen. Sie würden mir meinen Rettungsanker nehmen, indem sie mich vor einer Gefahr zwischen den Buchdeckeln warnen. Dabei muss es sich noch nicht mal um etwas handeln, das mir vorher Probleme bereitet hat, nein, allein das Wissen, dass da etwas ist, durch das jemand in ein tiefes Loch stürzen könnte, würde bei mir dafür sorgen, dass ich genau darauf warte. Ich lese also nicht mehr entspannt und vertieft, sondern angespannt wie ein Flitzebogen, beginne, meinen Körper genau zu beobachten und auf die Angst zu warten, was über kurz oder lang das auslöst, wovon mich Bücher bislang befreien: Angst.

Aber nicht nur ich dürfte ein Problem mit Triggerwarnungen haben, sondern auch all jene, die gelernt haben, mit ihrem Trauma umzugehen und nicht mehr in allem eine Gefahr sehen. So könnte zum Beispiel eine Szene, die sie im Normalfall gelesen und inzwischen als ungefährlich für ihre eigene Person eingestuft hätten, durch den Warnhinweis für sie doch wieder zur Gefahr werden. Fragen wie Wieso auch ein entsprechender Vermerk, wenn für mich gar keine Gefahr droht? könnten sich ganz von alleine einschleichen und dahin wäre der harte Kampf zurück in ein unbeschwertes, selbstbestimmtes Leben. Ihr findet das übertrieben? Das ist es sicher nicht. So wie eine Stimme, ein Wort oder auch ein Geruch Menschen zurück in eine Krise katapultieren können, können es sicherlich auch Triggerwarnungen. Und wo wir schon bei Auslösern sind: wo sollte im Fall von Triggerwarnungen in Büchern angefangen werden? Welche Auslöser würde man als erwähnenswert erachten und welche nicht? Sollte nur vor der Vergewaltigung, der Misshandlung, dem Überfall, dem Mord, dem Unfall etc als solches gewarnt werden, oder auch vor dem Gürtel, der Beschreibung eines bestimmten Geruchs, eines Geräuschs, einer Umgebung? Denn, so unvorstellbar das für manche sein mag, sind es gerade diese scheinbaren Nebensächlichkeiten, die die Gedankenspirale wieder in Gang setzen und jemanden ganz tief fallen lassen können. Wo also anfangen zu warnen, wo doch einfach so gut wie alles ein Trigger sein kann?

Doch auch, wenn ich selbst gegen eine entsprechende Warnung bin, finde ich die Diskussion um die Triggerwarnungen wichtig, ebenso wie ich es wichtig finde, dass es Menschen gibt, die sich dafür einsetzen. Nicht jeder kann sich selbst schützen und jene Menschen brauchen andere, die das für sie tun. Doch gibt es nun mal eben immer zwei Seiten der Medaille. Wo durch Triggerwarnungen die einen geschützt werden würden, würden andere in die Krise stürzen. So wie ich und hier bin ich einfach Egoist und spreche mich gegen Triggerwarnungen und für meinen eigenen Schutz aus.

43 Gedanken

  • Lea Phelina Februar 15, 2018 at 11:27

    Hey Liebes <3

    also bei allen Büchern muss man wirklich keine Warnung hinschreiben oder ähnliches. Aber bei manchen Büchern wäre es mir schon lieb. Besonders, wenn Autoren über Kindesmorde oder Kindesmisshandlungen schreibt. Ich weis, dass ist ein Thema vor dem man nie die Augen verschließen soll, aber es reicht mir, wenn ich das auf Arbeit erleben könnte, da möchte ich das wirklich nicht auch noch lesen. Gerade dann nicht, wenn es sehr Detailliert beschrieben wird. Aber ansonsten, bin ich selbst auch froh, wenn es Themen gibt, die mich interessieren. Wie eben bei Berühre mich. Nicht. von Laura Kneidl. Es war schon ein sehr hartes Thema für mich, aber ich fand es dennoch interessant und war begeistert von dem Buch.

    Bücher, wie Harry Potter sind auch Bücher, wo Eltern immer wieder sagen "Das lasse ich mein Kind nicht lesen. Das ist voller Gewalt." Sicher, dort werden unzählige Themen angesprochen, die wirklich nicht ohne sind. Aber gerade diese Bücher finde ich sehr toll, denn Kindern lesen nicht an erster Stelle das, was wir Erwachsenen lesen, sondern eher, dass es um einen jungen Zauberer geht, der an eine neue Schule kommt, freunde findet und den mächtigsten Zauberer aller Zeiten umbringen muss. Was ich aus den Büchern lese? Ich könnte dir eine ellen Lange Liste schreiben, aber dann würde ich Spoilern und das wollen wir ja nicht 😉

    Vielen Dank für deinen ehrlichen und wirklich tollen Beitrag.
    Lg Lea

    Antworten
    • MadameLustig Februar 24, 2018 at 16:01

      Vielen Dank für dein tolles Feedback, liebe Lea!
      Es ist halt wirklich einfach nicht leicht zu sagen, vor was man (im Fall der Fälle) warnen sollte und vor was nicht, weil jeder nun mal anders empfindet. Und dann kommen natürlich auch noch die Eltern, die in einer Handlung ganz andere Gefahren sehen, als Kinder es tun würden … hach. Endlosthema!

      Ganz liebe Grüße,
      Maike

      Antworten
  • Tanja Februar 15, 2018 at 13:29

    Hallo,

    Triggerwarnungen finde ich auch ein gutes Diskussionsthema: Da bin ich mir auch immer unsicher, was von mir als Rezensent erwartet wird und vor Allem, was Menschen eben alles als Trigger empfinden könnten. Das kann ja wirklich alles sein, wie du auch meintest. Ich verzichte dann auch eher auf die Triggerwarnungen und verlasse mich lieber auf die Mündigkeit der Lesenden und darauf, dass sie vermutlich generell eher nicht (solch ein Buch) lesen würden, befürchteten sie, es könnte in ihnen etwas Negatives hervorrufen.
    Ich habe dann aber doch auch schon zwei oder drei Mal erwähnt, wenn in einer Geschichte etwas wirklich Heftiges, Grosses, Strafbares vorkam: Das war aber jeweils in Romances und kam in allen Fällen so unvermittelt, dass selbst ich, ohne in irgendeiner Form getriggert worden sein zu können, total überrumpelt davon war. Das waren dann halt eher so oberflächliche, lustig-lockere “heitere Frauenromane”, die Viele wohl einfach auch wegen der easy-peasy Unterhaltung lesen wollen, und da schien es mir grad auch für die, die vielleicht einfach nur in “echten” traurigen Zeiten was zur Aufmunterung lesen wollen, sinnvoll zu sagen, dass es mittendrin mit der guten Laune plötzlich komplett vorbei ist. Ich weiss eigentlich gar nicht, ob es mir dabei nicht einfach nur vielmehr um diese “wenn du nur was zum Lachen willst, lies lieber was Anderes”-Warnung ging als um eine echte Triggerwarnung.

    Für “dunklere Belletristik” will ich eigentlich generell keine Triggerwarnungen aussprechen; da finde ich Schlimmes zu erwartbar und ich bin immer noch verblüfft, vor ca. einem halben Jahr einen Hardcore-Thriller gelesen zu haben, der als solcher ausgezeichnet war und in dessen Kurzbeschreibung schon klar zu lesen war, dass hier die brutale Geschichte einer Gang erzählt wird, die sich im Anschluss an ein gemeinsam begangenes Kapitalverbrechen gegenseitig abzumurksen beginnt: Da hat’s diverse Rezensionen, in denen diese Brutalität angekreidet wird, das alles sei viel zu plastisch und blutrünstig und da hätte man die Leser doch vorher warnen müssen. Dabei ist, für mich, die Buchbeschreibung zusammen mit dem Genre schon eine einzige grosse Warnung gewesen.
    (Ähnlich verrückt finde ich ja übrigens bei Erotica diese separaten Hinweise, dass in der Geschichte explizit gebumst wird.)

    Manchmal überlege ich auch, ob im allgemeinen Sprachgebrauch “das triggert mich” nicht allzu häufig mit “darüber mag ich nix lesen, weil ich’s einfach böse find” gleichgesetzt wird. Meinen Beobachtungen zufolge sind beispielsweise sterbende Tiere ein Riesentabu; als Autor Tiere sterben zu lassen ist sehr mutig: selbst wenn sie halt einfach nur sterben ohne dass ihnen sonstwas angetan wird. Trotzdem hab ich da schon häufig gelesen “Ah, das triggert mich; da denk ich immer an all die Tierquäler und ach, dann stell ich mir gleich vor, wie wer meinem Wuffi was antut… nein, das ist zuviel; da will ich vorher gewarnt werden, das kann ich nicht verarbeiten, das löst in mir so viel aus.” – und wie gesagt: da ist dann noch die Rede von fiktiven Tieren, die einen natürlichen Tod sterben.
    Ich habe grad den jüngsten Teil einer Krimireihe gelesen: Da stirbt nun der Hund der Hauptfigur, ebenfalls auf natürliche Weise, alt und krank. Aber da habe ich dann auch noch überlegt, ob man das jetzt als Triggerwarnung von vornherein verraten müsste, denn das wäre wiederum auch einfach ein Riesenspoiler, weil der Hund während der ganzen Reihe bisher so präsent war und ich ihn eigentlich mit zu den “Hauptfiguren” zählen würde, wenn man denn so will. Da wurde dieser Konflikt bzgl. der Triggerwarnungen für mich ganz besonders deutlich, denn grad bei diesen “grossen” Sachen sind die ansonsten ja auch einfach nur Spoiler; mir ist auch klar, dass ich mit “Triggerwarnung: XY wird in dieser fluffigen Romance plötzlich mittendrin verprügelt, vergewaltigt und halbtot liegengelassen” wahrscheinlich mehr Leute damit verärgert habe, ihnen das nun schon verraten zu haben als dass ich Leuten mit dem Hinweis einer Triggerwarnung behilflich sein konnte, sich für oder gegen diese Lektüre zu entscheiden.
    Ich sehe es von daher auch als zweischneidiges Schwert an: Klar, ich will auch nicht, dass jemand auf meine Empfehlung ein Buch liest und dadurch tatsächlich so getriggert wird, dass er wirklich psychisch einen “Rückfall” erleidet und sich wieder in monatelange klinische Behandlung begeben muss, nur weil ich nicht gesagt habe, dass XY von ABC gekillt, zerstückelt und ausgeweidet wird. Aber ich überlege auch, ob, sollte das tatsächlich so passieren, derjenige nicht bestenfalls längstens engmaschig betreut gehört hätte, wenn eine einzige fiktive Szene so etwas in ihm auslöst: Was würden denn dann Nachrichten mit dieser Person machen? Weil’s grade aktuell ist: Bin ich als Leser (und Rezensent) wirklich verpflichtet oder will ich mich als verpflichtet dazu ansehen, davor zu warnen, dass in einem belletristischen Roman ein brutaler, aber eben fiktiver, Mord passiert – während der Gewarnte als Nächstes in den Nachrichten einen Bericht darüber sieht, wie irgendein Volldepp mal wieder in einer Schule Amok gelaufen und zig Menschen erschossen hat (gefolgt von einem Fahndungsaufruf, mit dem in NRW grad kaum 20Jährige Gruppenvergewaltiger gesucht werden)? Klar kann ich sagen, dass potentielle Triggeropfer Nachrichten generell vermeiden und sich eben in eine fiktive, “bessere” Welt flüchten wollen, aber ignoriere ich mit einer Triggerwarnung ihre non-fiktionalen Schwierigkeiten, die Ängste aus der Realität, nicht vielmehr und unterstütze die Betroffenen so nicht eher darin, sich keinesfalls mit ihren persönlichen Lasten/Belastungen auseinanderzusetzen, und vor ihren Ist-Zuständen wegzulaufen? Müsste ich da nicht Angst haben, dass da plötzlich doch mal wieder die Realität über ihnen hereinbricht (man kann sich ja nicht ewig vor Allem verschliessen) und sie damit dann vielmehr überfordert sind als mit einer z.B. eben Mordszene?
    Ich unterstütze dein Argument, dass sich eben nicht jeder selbst schützen kann und da externe Hilfe braucht. Da denke ich dann aber auch: Ist man als zumeist ja völlig fremder Rezensent, der womöglich Hunderte Kilometer entfernt ist, nicht schon sehr viel zuuuuu extern, zu weit weg? Gehört die Trigger-Thematik nicht vielmehr in das jeweilige Umfeld, um abschätzen zu können, was geht, was geht nicht, was löst was aus. Trigger sind ja rein subjektive Empfindungen; wie wollen wir da mit objektiven Gemeinplätzen oder einer willkürlichen Allgemeinregel (wie “Vor Diesem und Jenem muss eine Triggerwarnung stehen; vor dem und dem aber nicht.”) überhaupt irgendwas erreichen oder in irgendeiner Form behilflich sein?
    Definitiv ein spannendes Thema, aber meiner Meinung nach dann doch auch eher etwas für das Psychologie-Seminar (grad wenn man zu einem fundierten Konsens kommen wollen würde)…

    LG,
    Tanja

    Antworten
    • MadameLustig Februar 24, 2018 at 16:18

      Wow, liebe Tanja, vielen vielen Dank für dein Feedback!
      Ich finde deinen Gedanken, dass “getriggert werden” inzwischen vielleicht sogar als Begriff für all jenes benutzt wird (als eine Art Modebegriff sozusagen), was man in irgendeiner Art als böse oder schlimm empfindet, sehr interessant. Das ist mir noch gar nicht in den Sinn gekommen, aber du könntest damit tatsächlich Recht haben. Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass getriggert werden eine Kettenreaktion auslöst und so Menschen mit auf den Zug aufspringen und ganz laut und empört Trigger rufen, die eigentlich gar nicht getriggert worden sind.

      Ich fände in dieser Diskussion eine Psychologenmeinung wirklich sehr sehr interessant. Vielleicht findet sich ja noch einer, der hier in den Kommentaren seine Meinung mit uns teilt. Ich werde mich da mal umhören und dir dann bescheid geben!

      Ganz liebe Grüße,
      Maike

      Antworten
  • Jule Februar 15, 2018 at 13:58

    Hallöchen,
    vielen Dank, du sprichst mir ein wenig aus der Seele. Ich habe die Diskussionen, vor allem bei Twitter, mitbekommen und leise verfolgt. Und deine Argumentation finde ich schlüssig und richtig. Es gibt immer zwei Seiten, die sollten bedacht werden. Man kann nicht vor allem warnen und gerade bei Büchern, wo die eigene Fantasie so wichtig ist, sollte man auch nicht alles als Warnung drauf schreiben, weil vieles zu einem Spoiler werden kann und die Freude nimmt.
    Und du schreibst schon ganz richtig: wo anfangen? Jeder findet etwas anderes schrecklich und wird getriggert.
    Ich glaube, dass es noch ein langer Weg ist, bis man da an einem Ziel ankommt.
    Liebe Grüße
    Jule

    Antworten
    • MadameLustig Februar 24, 2018 at 16:24

      Ich glaube auch, dass die aktuelle Diskussion erst der Anfang ist und sich die Bücherwelt noch eine ganze Weile ziemlich intensiv mit dem Thema Trigger auseinandersetzen wird und muss. Was ich auch nicht unbedingt verkehrt finde. Einige ganz tolle Ideen gab es hier in den Kommentaren ja bereits und ich denke, dass das so tatsächlich funktionieren könnte.

      Ganz liebe Grüße,
      Maike

      Antworten
  • Dubliner Februar 15, 2018 at 14:26

    Ich stimme dir vollkommen zu. In Bezug auf meine eigene Angststörung (ich habe auch eine Generalisierte AS, aber eher in der Richtung Sozialphobie) hatte ich das Thema aber auch noch gar nicht auf dem Schirm. Wenn ich in Büchern von Depressionen u.ä. lese gibt mir das aber ein positives Gefühl weil ich mich dann oft darin wiedererkennen kann. Man liest von Erfahrungen die andere mit den gleichen Problemen gemacht haben und weiß: auch die haben es irgendwie geschafft. In der Hinsicht fand ich vor allem “Drüberleben” von Kathrin Weßling grandios. Im übrigen bringt es ja absolut nichts vor seinen Problemen davonzulaufen (was ja eine TW begünstigen würde) sondern nur die Konfrontation damit. Ich bin auch oft weggelaufen und das hat mir nur noch mehr Probleme bereitet. Wenn man diese heftige Phase in dem einem der Körper mit aller Kraft “Lauf weg!” signalisiert übersteht, merkt man erst dass es gar nicht so schlimm ist wie man befürchtet hatte.

    Antworten
    • MadameLustig Februar 24, 2018 at 16:29

      So ähnlich geht es mir auch. Wenn ich Bücher lese, in denen die Protagonistin an einer Angststörung leidet und ich sehe, wie sie kämpft und am Ende gewinnt, zieht mich das nicht runter, sondern gibt mir Hoffnung. Ich kann mich mit dieser Figur identifizieren und durch sie sehen, dass sich der Kampf, egal, wie schwer er ist, lohnen wird. So gesehen finde ich einfach, dass Bücher und schwierige Themen auch eine Art Therapie sein können und deswegen fänd ich es schon problematisch zu Beginn einen Warnhinweis zu schreiben.

      Auch mit dem letzten Punkt hast du Recht. Weglaufen löst keine Probleme und am Ende des Weges sieht man dann, dass alles gar nicht SO schlimm war, wie man es sich selbst im Kopf die ganze Zeit ausgemalt hat. Dennoch ist weglaufen manchmal besser und richtig. Für den Moment. Manchmal muss man sich das einfach auch erlauben.

      Antworten
  • Jacquy Februar 15, 2018 at 14:53

    Generell bin ich eigentlich eher der Meinung, dass es diese Warnungen geben sollte, aber deinen Standpunkt verstehe ich ebenfalls. Ich glaube, ein guter Kompromiss wäre es, die Triggerwarnungen nicht direkt vorne ins Buch zu drucken, sondern zum Beispiel auf einer extra Website anzumerken, wo eventuell Betroffene konkret nachschauen können, wenn sie es möchten. So bleibt man unbeinflusst, wenn man es nicht explizit wissen möchte.

    Antworten
    • MadameLustig Februar 24, 2018 at 16:30

      Liebe Jacquy, ich finde deine Idee wirklich großartig! Ich könnte mir vorstellen, dass das tatsächlich sehr gut funktionieren würde. 😀

      Antworten
  • Nicci Trallafitti Februar 16, 2018 at 10:26

    Hey!
    Auch ich habe mir (als Nichtbetroffene) Gedanken zu dem Thema gemacht und kam auch irgendwann an den Punkt zu sagen: wo fängt man an, vor Triggern zu warnen?
    Wie du schon sagst, es können vermeintliche Kleinigkeiten sein, ein Geruch, eine Äußerung, eine Bewegung. Das ist mir während meiner Arbeit in einer Psychiatrie schon oft klar geworden.
    Ich finde es somit sehr spannend, den Aspekt von einer betroffenen Person geschildert und beleuchtet zu bekommen, danke also für deine Ehrlichkeit!

    Ich stimme Jacquy zu und fände eine Website, oder sogar eine App, hilfreich. So könnte jeder, der möchte, einfach nachschauen und die anderen erfahren es halt nicht.

    Liebe Grüße,
    Nicci

    Antworten
    • MadameLustig Februar 24, 2018 at 16:33

      Liebe Nicci,
      ich habe es ja eben bereits bei Jacquy gesagt – die Idee finde ich großartig! Auch, das Ganze als App zu gestalten ist ein klasse Ansatz. So könnte man in der Buchhandlung vllt sogar über den QR-Code schauen, ob zu dem Buch etwas vermerkt ist oder nicht.

      Antworten
      • Nicci Trallafitti März 5, 2018 at 13:01

        Genau! Das fände ich sehr cool.
        Jetzt muss es nur noch jemand entwickeln. 😀

        Antworten
        • MadameLustig März 8, 2018 at 08:59

          Ja! Aber vielleicht findet sich ja sogar jemand, der Bock hat, sich da mal ordentlich auszutoben. 😀

          Antworten
  • Ladysmartypants Februar 16, 2018 at 16:45

    Hallo,
    ich kann deinen Standpunkt sehr gut nachvollziehen. Selbst denkt man vielleicht nichtmal, dass eine bestimmte Szene gefährlich für die eigene Psyche sein könnte, aber wenn man ein fettes Warnschild mit “Achtung, GEFÄHRLICH” sieht, dann denkt man natürlich daran. Das alte “denk jetzt NICHT an einen weißen Elefanten” Problem. Außerdem möchte ich hinzufügen, dass es nicht unbedingt nur auf die Erwähnung eines sensiblen Themas ankommt, sondern viel mehr darauf, wie damit umgegangen wird. Erzählt eine Geschichte etwa davon, wie ein Mensch seine Angst, seine Hinderisse überwunden hat, ist es also eine motivierende, Mut und Trost schenkende Erfolgsgeschichte, würden viele sie vermutlich wegen der Triggerwarnung nicht lesen und das wäre meiner Meinung nach eine Schande. Ich hoffe, das macht Sinn?

    Liebe Grüße,
    Smarty

    Antworten
    • MadameLustig Februar 24, 2018 at 16:36

      Ja, das macht sogar sehr viel Sinn, liebe Smarty!
      Im Allgemeinen finde ich auch, dass Bücher einem bei der Bewältigung seiner Probleme helfen und Mut machen können. Ich kann allerdings auch verstehen, wenn Menschen mit ihren Problemen einfach noch nicht so weit sind und lieber erst noch allem, was in diese Richtung geht, ausweichen möchten. Solchen Menschen muss natürlich geholfen werden. Und da finde ich die Idee von Jacquy und Nicci (über deinem Kommentar) gar nicht mal so verkehrt. 🙂

      Ganz liebe Grüße,
      Maike

      Antworten
  • Jill von Letterheart Februar 17, 2018 at 08:29

    Huhu❤
    Ein wirklich toller Beitrag zumeinem sehr aktuellen Thema!
    Ich war auch schon hin und hergerissen. Ich bin selbst nicht betroffen, möchte aber natürlich keine Entscheidung für andere treffen. Ich denke auch am besten wäre eine Lösung, die die Warnung niemanden aufdrängen würde, jene, die sie aber gerne hätten, könnten sich leicht Zugang verschaffen.

    Liebste Grüße ❤ Jill

    Antworten
    • MadameLustig Februar 24, 2018 at 16:38

      Vielen Dank, für dein liebes Feedback, liebe Jill! <3
      So eine Lösung fänd ich auch super und Jacquy und Nicci haben da weiter oben wirklich schon ganz tolle Ideen gehabt. Wenn das so umgesetzt werden könnte, könnte ich mir vorstellen, dass damit vielen geholfen wäre.

      Antworten
  • Gabi Februar 17, 2018 at 11:39

    Ich selbst befürchte nicht, durch irgend etwas getriggert zu werden und kann deshalb nicht aus eigenen Erfahrungen sprechen. Allerdings empfinde ich ein potenzielles Trigger-Thema in unterschiedlichen Büchern auch oft sehr unterschiedlich. Es kommt eben immer sehr darauf an, wie nah man emotional an das Thema kommt.
    Ich erinnere mich beispielsweise an einen Thriller, in dem die Heldin für kurze Zeit in einem Gefängnis im Ausland ist und dort auch gefoltert und vergewaltigt wird. Das war bei weitem nicht die erste Szene dieser Art, die ich aus Opfersicht zu lesen bekommen habe, und sie war auch nicht besonders reißerisch oder detailliert, aber in diesem Buch hat es mich so gepackt, dass ich kaum weiter lesen konnte. Bei den anderen Büchern fand ich es natürlich auch schlimm und habe mit gefühlt, aber nicht ansatzweise so intensiv wie bei diesem einen Thriller. Und ausgerechnet da hat kein einziger anderer Blogger sich zu diesen Szenen in die Richtung geäußert, dass sie diese Szene so mitgenommen hätte wie mich.

    Und wie will man diese Abstufung und ganz persönliche Empfindung in eine Triggerwarnung packen? Wie bei allen anderen Büchern vorher hätte ich auch hier trotz Triggerwarnung zum Buch gegriffen, weil ich dachte, es macht mir nichts aus. Oder aufgrund dieser einen Leseerfahrung hätte ich künftig alle Bücher, in denen wie bei dem kritischen Buch auch nur am Rande ein Trigger-Thema vorkommt, nicht gelesen – obwohl ich jetzt besser weiß, dass es schon eine ganz besondere Art und Weise braucht, um mich zu treffen.

    Ich verstehe, wenn man bestimmte Themen umgehen möchte und auch davor gewarnt werden möchte, ahnungslos in so eine Szene hineinzustolpern. Ich glaube aber, dass es wegen der Vielfalt der Trigger-Möglichkeiten und der individuellen Reaktionen nicht möglich ist, das mit wenigen Schlagworten ausreichend zu tun.

    LG Gabi

    Antworten
    • MadameLustig Februar 25, 2018 at 10:26

      Vielen Dank für dein Feedback, liebe Gabi! <3
      Ich denke auch, dass das größte Problem bei einer Triggerwarung die persönliche Empfindung sein dürfte. Jeder Mensch empfindet anders und bei jedem werden Gedankenspirale und Kopfkino von etwas anderem ausgelöst. Dazu kommt, dass viele gar nicht wissen, dass sie auf etwas empfindlich reagieren, bis sie es dann zum ersten Mal tun.

      Vielleicht wäre eine App (wie weiter oben vorgeschlagen) sinnvoll, in die man als Leser Anmerkungen schreiben kann? Also, dass man sozusagen eine Art Erfahrungsbericht in einer bestimmten Anzahl von Zeichen hinzufügen kann. Aber selbst dann kann man natürlich nicht sagen, dass jeder Trigger abgedeckt werden würde.

      Antworten
  • Elli Februar 17, 2018 at 13:31

    Hi Maike,
    ein spannender Beitrag, danke dafür! Das Thema kommt ja in regelmäßigen Abständen immer wieder auf, und das ist auch gut und richtig so. Allerdings gibt es einfach zu viele verschiedene Ansichten und Meinungen was das Thema betrifft, ganz nach dem Motto “Wie man es macht, man macht es falsch”. Wie oben schon von mehreren angedeutet könnte aber eine “freiwillige” Lösung eine gute sein; ein kleiner Vermerk im Buch, eine zentrale Sammelstelle für diese Hinweise, o.Ä. Die Frage nach dem Grad des Details ist natürlich eine schwierige und da ich damit keine Erfahrungen habe, kann ich mir auch schwer vorstellen, was ein guter Ansatz wäre. Wie du schon sagst, für jeden gibt es einen anderen möglichen Trigger.
    Ich persönlich bin ebenfalls gegen Triggerwarnungen, da ich vor dem Lesen gerne so unbefangen wie möglich an die Geschichte gehe und auch versuche noch nicht so viel über das Buch zu wissen. So ist es mir schon das eine oder andere Mal passiert, dass ein Buch mich so richtig umgehauen hat; und das ist dann einfach ein wahnsinnig befriedigendes Leseerlebnis.
    Ein toller Beitrag!
    Liebe Grüße,
    Elli

    Antworten
    • MadameLustig Februar 25, 2018 at 10:33

      Liebe Elli, da bin ich ganz bei dir. Bücher wie “Wie die Luft zum atmen” oder auch “Wie die Stille unter Wasser” haben mich emotional durch die Achterbahn meines Lebens geschickt und das wäre in dem Umfang gar nicht möglich gewesen, hätte ich vorweg bereits gewusst, was mich erwarten würde. Wie soll ein Buch so auch Spannung aufbauen, all die Emotionen transportieren und dich kalt erwischen?

      Antworten
  • Ramona Februar 17, 2018 at 13:47

    Liebe Maike,

    deine Gedanken zu dem Thema finde ich sehr interessant.
    Ich denke mir auch, dass jeder Menschen doch von anderen Dingen getriggert werden kann. Wie Nicci schon schreibt, mal sind es einfach nur Gerüche, oder Melodien, die bei manchen Menschen plötzlich etwas auslösen können.
    Wie soll man vor all diesen Kleinigkeiten warnen?

    Das ist echt ein Thema, über das man stundenlang diskutieren kann.
    Ich danke dir aber sehr, für deine ehrlichen Worte, die nochmal eine ganz andere Sichtweise auf das Thema geben. Denn du hast Recht, über Triggerwarnungen wird ja in der letzten Zeit sehr, sehr viel gesprochen.

    Liebe Grüße
    Ramona

    Antworten
    • MadameLustig Februar 25, 2018 at 10:37

      Liebste Ramona, hab vielen vielen Dank für dein liebes Feedback. <3
      Ich hatte ja ehrlich gesagt etwas Muffensausen, den Beitrag online zu schicken, weil ich mich dadurch noch einmal etwas angreifbarer mache, aber wie sich herausstellt, waren meine Bedenken umsonst. 🙂

      Antworten
  • Stephie Februar 17, 2018 at 20:15

    Ein sehr interessanter Beitrag, wobei ich gestehen muss, dass diese Diskussion bisher an mir vorbei gegangen ist und ich mich somit gerade zum ersten Mal gedanklich damit beschäftigt habe. Ich möchte mir nicht anmaßen zu sagen, was für bestimmte Leute ein Trigger sein könnte und was nicht, stelle es mir aber auch äußerst schwierig vor, dort eine vernünftige Grenze zu finden. Grundsätzlich mag es in gewisser Hinsicht sinnvoll sein z.B. vor der Darstellung einer Vergewaltigung zu warnen. Aber wie soll so eine Warnung aussehen und wo sollte sie erfolgen? Präsent wäre sie natürlich auf dem Buchrücken, allerdings könnte das auch zu Problemen führen. Einerseits könnte es abschreckend wirken, was von den Verlagen sicher nicht gewollt ist, andererseits könnte es in gewisser Hinsicht die Spannung nehmen – das klingt jetzt hoffentlich nicht makaber. Ich habe beispielsweise gerade ein Buch im Sinn, bei dem Kindesmissbrauch eine Rolle spielt, aber sowohl die Protagonistin selbst als auch der Leser dies erst kurz vor Schluss erfahren. Würde man den Leser bei diesem Buch vorher mitteilen, dass dieses Thema vorkommt, würde einem ein Großteil der Spannung genommen, was ich sehr schade fände.

    Es ist auf jeden Fall eine schwierige Diskussion, bei der man vermutlich nie auf einen Nenner kommen wird. Ich sehe die Vor- und Nachteile und verstehe die verschiedenen Standpunkte, aber ich selbst bin wahrscheinlich auch eher dagegen als dafür.

    Antworten
    • MadameLustig Februar 25, 2018 at 10:43

      Du sagst es, liebe Stephie. Dadurch, dass man vorweg gewarnt werden würde, wäre ein Großteil der Spannung futsch. Aber nicht nur das, die Emotionen, die ein Buch bei uns Leser auslösen soll, wären so wohl auch auf ein Minimum reduziert.

      Ich könnte mir aber vorstellen, dass eine App, wie sie weiter oben vorgeschlagen wurde, da durchaus alle Seiten glücklich machen könnte.

      Antworten
  • Kerstin Baumgarten Februar 17, 2018 at 22:31

    Hey Maike,
    ich wusste es nicht, jedenfalls nicht so genau und da bin ich dir sehr dankbar für deine Offenheit. Dein Beitrag zeigt mir das es wirklich für alles zwei Perspektiven gibt und niemals nur eine. In Sachen Triggerwarnung sorge ich mich nicht um mich, in Büchern kann ich fast alles ab, wogegen bestimmte Filme mir wirklich Angst einjagen und mich tagelang beschäftigen, aber das ist jetzt egal.
    Bei vielen Bücher weiß oder ahnt man zumindest was auf einen zukommt. Klar Horror ist eben wie es ist. Blut fliesst in Crime und Thrill und auch in manchem Roman. Woran ich mich stoße sind eher die Verunglimpfungen oder gar verherrlichenden Szenen mit denen man nie rechnen kann aber es eben muss. Manche Dinge müssen nicht explizit bis ins letzte Detail beschrieben werden. Ich würde es Sorgfaltspflicht nennen an die sich auch Verlage halten sollten oder zumindest die Autorenwelt. Es ist echt ein so breites Thema und je mehr ich über deine Meinung nachdenke umso mehr hinterfrage ich gerade meine. Es liegt wohl an den Betroffenen selbst die Entscheidung zu treffen was gut für einen ist. Genieß du deine Bücher, für mich ist auch jedes ein Ausgleich für den Alltag, Stress, Ärger. Somit kann ich es absolut nachvollziehen wenn man sich in Bücher fallen lässt.
    Wünsche dir eine gute Zeit.
    Liebe Grüße
    Kerstin

    Antworten
    • MadameLustig Februar 25, 2018 at 10:54

      Vielen vielen Dank für deine lieben Worte, Kerstin. <3
      Ich kann sehr gut verstehen, dass man sogenannte Verherrlichungen von was auch immer nicht lesen mag und andere auch davor schützen möchte. Allerdings weiß ich auch hier nicht, wo man da anfangen sollte, denn auch an dieser Stelle gilt wieder, dass Person A etwas völlig harmlos finden kann, während Person B wie eine Rakete hoch geht. Auch ist es oft so (zumindest im Jugendbuch, YA und NW Bereich), dass viel Fehlverhalten erst im Laufe einer Reihe aufgebröselt wird (und somit nicht verherrlicht wird) und bis dahin kommen vielen dann erst gar nicht. Was ich okay finde. Doof ist dann nur, dass es dem ersten Buch und dem Autor dann angekreidet wird, dass der erhobene Zeigefinger fehlte, obwohl er in den Folgebänden sehr wohl da ist. Es liegt nun mal in der Natur einer Reihe, nicht jedes Problem sofort zu klären. Wie sollte man da dann korrekt warnen, um jeder Seite gerecht zu werden? "Im 1. Band gibt es eine Übergriffsszene, auf die an dieser Stelle nicht weiter eingegangen wird. Problemlösung in Band 3"? Wobei ich mich wirklich frage, ob man hier überhaupt jedem gerecht werden kann.

      Ganz liebe Grüße,
      Maike

      Antworten
  • Franzi Februar 18, 2018 at 11:29

    Ein wirklich toller Beitrag, den ich absolut verstehe. Auch ich denke mir, wo fängt man da denn da bitte an und was ist mit denen, bei denen der Trigger selbst wiederum negaties auslöst? Ich meine, ich selbst kenn es ja von mir, ich kann den Geruch von Bier sowas von nicht ab und wenns ganz blöd kommt, krieg ich die Krise, wenn jemand in einem Buch trinkt (gott sei Dank nur noch selten). Dann hört man ja irgendwann nicht mehr auf mit Triggerwarnungen, da müsste man ja fast schon auf jedes Buch was schreiben. Ich fine auch, es sollte irgendwie Genre abhängig sein. Ich meine, wenn ich Erotik, Thriller, Psycho und Co lese, dann ist ja eigentlich klar, dass da triggernde Inhalte drinnen sein könnte. Wenns dann aber wie Tanja oben beschreibt plötzlich mitten in einem eigentlich gedachten easypeasy Buch kommt, zu dem man vielleicht greift, weil man genau nich getroffen werden will, ist es schwierig. Die Idee, dass man soclhe Triggerwarnungen nicht direkt am Buch aber z.B auf einer Website veröffentlicht, wäre gar nicht so schlecht, aber die Frage, was denn dann Trigger ist und was nicht ist halt echt schwierig und lässt sich ja eigentlich gar nicht allgemein beantworten, weil jeder von etwas anderem getriggert werden kann und sei es noch sun unerklärlich und unscheinbar – ich wurde das letzte Jahr über z.B. von Babies getriggert – also, auf die Idee kommt ja auch keiner, das als Trigger in einem Buch zu bringen. Ach schwierig, umso besser, dass du auch mal die andere Sichtweise dazu aufmachst!

    glg Franzi

    Antworten
    • MadameLustig Februar 25, 2018 at 11:07

      Wobei es ja, wie bereits erwähnt, jede noch so kleine Kleinigkeit sein kann, durch die eine Krise ausgelöst wird. Ein brauner Gürtel zum Beispiel kann in jedem Genre vorkommen und da wird dann plötzlich auch Chic-Lit zum Problem. Ich weiß wirklich nicht, ob man wirklich jeden schützen kann. Oder sollte. Denn das ist natürlich auch noch die Frage: schaden wir den Menschen nicht damit, wenn wir versuchen, sie von etwas fernzuhalten, anstatt ihnen dabei zu helfen, sich mit den Problemen auseinanderzusetzen?

      Antworten
  • Sandra Februar 18, 2018 at 16:22

    Ein sehr schöner Beitrag und ich kann nachvollziehen, was du schreibst. Ich bin selbst niemand, der Triggerwarnungen bräuchte, allerdings habe ich jetzt noch etwas besser verstanden, warum es nicht so einfach ist, diese überhaupt zu formulieren. Wie so oft stellt sich die Frage, wo denn die Grenze gezogen werden muss.

    Herzlichen Dank für den Gedankenanstoß und liebe Grüße,
    Sandra

    Antworten
    • MadameLustig Februar 25, 2018 at 11:08

      Ganz herzlichen Dank für dein liebes Feedback, Sandra! <3

      Antworten
  • -Leselust Bücherblog- Februar 18, 2018 at 18:06

    Hallo Maike,
    Einen sehr interessanten Beitrag hast du geschrieben, der mir einigen Stoff zum Nachdenken gibt. Ich habe mir über das Thema auch schon einige Gedanken gemacht, aber “deine” Seite habe ich bisher noch gar nicht bedacht. Ich habe bisher vor allem die Vorteile gesehen. Vielleicht könnte eine für alle Seiten gute Lösung sein, die Triggerwarnungen an einen bestimmen festen Ort zu schreiben (bsp. vorletzte Seite o.ä.). Alle, die vorsichtig sein wollen und die Warnungen gerne wüssten, könnten dann nachsehen. Andere Leser_innen, wie du, könnten diese Seite einfach ignorieren und so weiterhin mit den Büchern entspannen. Wäre das vielleicht eine Option?
    Finde ich auf jeden Fall gut, dass du dir Gedanken darüber gemacht hast und sie mit uns teilst.
    Liebe Grüße, Julia

    Antworten
    • MadameLustig Februar 25, 2018 at 11:11

      Liebe Julia, vielen Dank für deine lieben Worte! <3
      Das wäre sicher eine Option, ja! Weiter oben wurde auch bereits vorgeschlagen, eine extra Website einzurichten oder eine App. Fänd ich auch super! Dann wäre nur noch die Frage, wo man mit den Warnungen beginnt und wo man aufhört ..?

      Ganz liebe Grüße,
      Maike

      Antworten
  • Sabrina Februar 18, 2018 at 21:58

    Hallo Maike!

    Zu Beginn finde ich es toll und bewundernswert, dass du über deine Ängste sprechen kannst und dies auch tust.
    Triggerwarnungen finde ich ein sehr schwieriges Thema. Wie du bereits andeutest, gibt es derart viele unterschiedliche Ängste und manchmal sogar Ängste, von denen man sich gar nicht träumen lassen kann, dass dies jemand in derartige Zustände stürzen kann. Auch müssten die Warnungen differenziert sein. Ein allgemeines “Achtung enthält Trigger” ist nicht ausreichend. Man müsste schon genauer wissen ob die eigenen Thematiken angesprochen werden. Nicht auszudenken wenn man sich am Ende des Tages nicht mehr traut Bücher zu lesen.

    Liebe Grüße
    Sabrina

    Antworten
    • MadameLustig Februar 25, 2018 at 11:16

      Vielen Dank für dein liebes Feedback, Sabrina! <3
      Genau darin sehe ich auch das Hauptproblem. Was zählt man unter Trigger, wie formuliert man die Warnung, wo platziert man sie?

      Weiter oben wurde fiel die Idee einer App und das fänd ich gar nicht mal so verkehrt. Die wäre von überall aus abrufbar (also auch vom großen Büchergrabbeltisch aus) und vllt könnten dort Leser mit Zeichenbegrenzung ihr Feedback geben (das dann vor Veröffentlichung von einem Team geprüft wird, damit da nichts unter die Gürtellinie geht) ..? Vielleicht ein guter erster Ansatz. 🙂

      Antworten
  • Barbaras Paradies Februar 20, 2018 at 18:56

    Hallo Maike,

    Triggerwarnungen sind wirklich ein tolles Diskussionsthema. Ich gestehe, ich habe bis vor kurzem noch nicht viel darüber nachgedacht. Mir ist eine Warnung das erste Mal vor einer Folge von Tote Mädchen lügen nicht aufgefallen. Da habe ich angefangen, darüber nachzudenken. Für mich war die Warnung nicht notwendig, aber mir stellt sich dann auch die Frage, vor was genau sollte gewarnt werden. Da müsste man ja wirklich vor vielen Sachen warnen. Ich weiß nicht, ob das wirklich möglich ist. Aber wie schon in anderen Kommentaren oben erwähnt, könnte ich mir auch eine Warnung auf der letzten Seite vorstellen, die dann wenn notwendig gelesen werden kann.
    Danke für deinen tollen Post!

    Alles Liebe
    Barbara von Barbaras Paradies
    #litnetzwerk

    Antworten
    • MadameLustig Februar 25, 2018 at 11:20

      Vielen vielen Dank für dein liebes Feedback, Barbara! <3
      Die Idee mit der letzten Seite finde ich nicht verkehrt. Ebenso die Idee der Webseite oder der App, die beide weiter oben gefallen sind. 🙂

      Antworten
  • Ela Februar 22, 2018 at 17:17

    Hallo meine liebe Maike,
    endlich komme ich dazu deinen Beitrag zu lesen.

    Ich habe diese Diskussion gar nicht richig mitbekommen und bin daher gerade etwas “überrascht”. Aber ich bekomme eh immer erst alles mit, wenn es schon wieder vorbei ist. So richtig Gedanken hatte ich mir über Triggerwarnungenin Büchern noch nicht gemacht, weil ich es bisher gar nicht für nötig empfunden habe. Ich will mich gar nicht so viel wiederholen, andere haben schon vieles dazu gesagt. Aber ich denke auch, es ist schwierig da eine Grenze zu ziehen, wo der Trigger anfängt und wo nicht. Es ist aber auch vom Genre abhängig finde ich. Wenn ich ein Krimi oder Thriller lese halte ich eine Triggerwarnung für ziemlich unnötig, denn ein Mord und teilweise sogar grausame Beschreibungen sind da “normal”. Ein Leser sollte das im groben Wissen, wenn er sich für einen Krimi o.ä. entscheidet. Es ist aber auch wirklch so, dass man mit einer Triggerwarnung ganz anders an das Buch rangeht. Also ich würde zumindest anders an das Buch rangehen, weil ich die ganze Zeit im Hinterkopf hätte, dass ja irgendwann mal diese Szene kommen muss, vor der so ausdrücklich gewarnt wurde. Schwierig. Ich glaube tatsächlich ich bin auch gegen solche Warnungen, aber wie andere schon sagen, wäre es vielleicht gute Möglichkeit eine Sammelstelle oder ähnliches zu haben, bei der sich Personen informieren können, wenn sie dies denn möchten.

    Alles Liebe, Ela

    Antworten
    • MadameLustig Februar 25, 2018 at 11:25

      Vielen vielen Dank für dein liebes Feedback, Ela! <3
      Eins der großen Probleme, die ich sehe, ist, dass eben auch Thriller oder Horrorbücher triggern können. Vielleicht nicht durch die Haupthandlung, aber vielleicht, weil eine Figur irgendwas bestimmtes erlebt hat, oder die Beschreibung eines Geruchs Erinnerungen hervorruft. Natürlich will niemand, dass ein Leser in ein tiefes Loch fällt, aber wie soll man vor all diesen Sachen schützen? Ich bin echt gespannt, wohin uns dieses Thema noch führt .. 🙂

      Antworten
  • angeltearz liest - Aktion | Gebloggt aus dem Februar 2018 Februar 24, 2018 at 09:41

    […] – Kates Bücherregal „Warum Bücher nicht zu teuer sind“ – lesestunden „Pimp my book: Bücher aufbereiten für den kleinen Geldbeutel“ – Bookslove26 „Drachenpost Unboxing“ – The Beauty an the Book „Meine liebsten Bookish-Candle-Shops“ – Lese-Welle „Bekanntheit bei Klassikern: Vor- oder Nachteil?“ – flying-thoughts.de „Bücher, die ich nicht beendet habe – und warum“ – Kunterbunte Flaschenpost „Triggerwarnungen in Büchern: Hilfe oder Verschlimmbesserung?“ […]

    Antworten
  • Vivien März 5, 2018 at 17:51

    Wow was für ein Beitrag. Ich muss gestehen ich hab noch nie darüber nachgedacht bzw irgendwas gelesen wo eine drin ist(jedenfalls nicht bewusst), weil ich das Lesen wie du als eine Art Entspannung ja sogar als eine Art flucht aus meiner kleinen Welt sehe. Als ich damals meine Diagnose bekam (Depression) hab ich mit mir gerungen was zu finden was mich aus den Tiefs raus holt letztendlich hat nur das lesen geholfen für diese Paar stunden am Tag bin ich völlig lebendig Ergibt das Sinn? aber jetzt dank deinem Beitrag Frag ich mich ob ich das unbewusst bewusst übersehen habe oder einfach nie drauf geachtet habe. Ich danke dir jedenfalls für diesen Beitrag und für deine ehrlichen Worte 🙂 Ich werde mal drüber nachdenken wie ich auf so was reagieren würde.

    Liebe Grüße Buecherverrueckte

    Antworten
    • MadameLustig März 8, 2018 at 09:04

      Vielen Dank für deinen lieben lieben Kommentar, Vivien und ja, er ergibt sehr viel Sinn! <3
      Übersehen hast du diese Warnungen sicher nicht, es gibt sie bislang nämlich noch gar nicht oder zumindest nur sehr sehr selten. Aber die Bloggerwelt setzt sich intensiv mit dem Thema auseinander (weswegen ich mir dahingehend überhaupt erst Gedanken gemacht habe) und ich denke, dass es in irgendeiner Form irgendwann Warnungen geben wird. Die Frage ist nur Wann und Wie. 🙂

      Ganz liebe Grüße,
      Maike

      Antworten

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