Upside Down – Weil du mir den Kopf verdrehst von Lia Riley

Posted on Juni 18, 2016

Als ich beim Durchstöbern der Verlagsvorschauen auf Upside Down – Weil du mir den Kopf verdrehst gestoßen bin, war ich auf der Suche nach einer Lektüre fürs Herz. Einer, die meine Gefühle Achterbahn fahren und mich am Ende zufrieden zurück lassen würde. Dem Klappentext nach passte das Buch ganz zu meinen Auswahlkriterien, weswegen meine Entscheidung für diese Lektüre doch recht schnell gefallen war.  Ob ich schlussendlich aber auch das bekam, wonach ich gesucht hatte? Wir werden sehen …

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Erschienen: Mai 2016 bei Blanvalet | Originaltitel: Upside Down | Format: Taschenbuch/Ebook | Seiten: 400
Reihen-Info: 1/3 | Übersetzung: Ulrike Köbele | Bewertung: 4 von 5 Fläschchen


Aber worum geht es überhaupt?

Nach dem Verlust ihrer Schwester ist Talias Leben ein einziges Chaos und ihre Zukunft eine Traumwolke mit Fragezeichen. Für die 21-jährige Studentin wird es deswegen Zeit, die Reißleine zu ziehen und ihr Leben fernab ihrer Eltern und Freunde einmal komplett umzukrempeln und wo geht das besser als am anderen Ende der Welt? Sechs Monate versucht sie sich als Austauschstudentin in Australien nicht nur über Wasser zu halten, sondern endlich wieder zu leben. Und die ersten Schritte auf dem Weg zu einem befreiten und glücklichen Leben klappen besser als gedacht, doch dann taucht Bran auf der Bildfläche auf und bringt Talias mühsam erbautes Kartenhaus zum Einsturz.

Autorin Lia Riley verwendet ..
nicht viel Zeit darauf, den Leser langsam in die Geschichte einzuführen, sondern zieht ihn ohne große Umschweife bereits auf der ersten Seite mitten in Talias Welt und konfrontiert ihn somit direkt mit den schwerwiegenden Problemen, die das Leben der jungen Frau kontrollieren. Der moderne, lockere Schreibstil ermöglicht dabei ein angenehmes Lesetempo, während Frau Riley durch genau die richtigen Worte an den richtigen Stellen eine Mischung aus Sarkasmus, Kampfgeist, Abgeklärtheit, Enttäuschung, Trauer, Schmerz, Schuldgefühlen, Hoffnung und Liebe schafft, was mir so manches Wechselbad der Gefühle beschert hat.

Ich habe mir den Arsch aufgerissen,
um dieses Bild von mir zu erschaffen, und mir die Finger blutig gegraben,
damit dieser Eindruck Wurzeln schlägt. (S. 28, Talia)

Durch einen Blick auf Cover und Klappentext wird schnell klar, dass hier die Geschichte von Talia & Bram erzählt wird. Auch wird klar, dass beide ein Päckchen Probleme mit sich herumschleppen, welches ihnen fleißig Steine in den Weg legt. Wie gewaltig dieses Päckchen tatsächlich ist, erfährt der Leser jedoch erst nach und nach und mit jedem kleinen Puzzlestück beginnt man, ihr Handeln besser zu verstehen. Man kann nachvollziehen, warum sie eine Mauer aus Kälte, Gleichgültigkeit und Sarkasmus aufbauen, warum ihr Innerstes einem Haufen Schutt und Asche gleicht und warum sie Angst haben, sich jemand anderem zu öffnen. Ebenso nachvollziehen kann man jedoch auch die Entwicklung, die jeder von ihnen für sich und schließlich auch gemeinsam im Laufe der Handlung durchmacht, das Umdenken, das Aufkeimen der Hoffnung darauf, dass man die Risse im Inneren vielleicht nicht verschwinden lassen, aber vielleicht doch kitten kann. Dabei ist Frau Riley wirklich gut gelungen, all dies nicht zu schnell abzuhandeln, ihren Charakteren Zeit zu lassen und sie mit Ecken und Kanten zu versehen, wodurch diese sehr authentisch und für mich greifbar wurden.

Sie trägt ein supersüßes Lächeln zur Schau,
dabei ist sie in Wahrheit angespannt wie eine Sprungfeder. (S. 54, Bran)

Neben der Liebesgeschichte, die selbstverständlich mit Hürden und Auf & Abs ausstaffiert ist, spielen Probleme in Upside Down – Weil du mir den Kopf verdrehst eine Rolle, die mancher Leser (anfangs) nicht oder nur schwer verstehen wird: Zwangsstörungen und Panikattacken. Ich muss an dieser Stelle sagen, dass ich es wirklich ganz große klasse finde, dass sich immer mehr Autoren an solche schwierigen und immer noch häufig tabubehafteten Themen heranwagen und bin jedes Mal sehr gespannt, wie es umgesetzt wurde. Dabei bin ich mir natürlich darüber bewusst, dass jeder anders empfindet und es somit schwer ist, solch heikle Themen authenthisch und nachvollziehbar an den Leser zu bringen und in einem Buch, das vorrangig unterhalten und Herzen berühren soll, vielleicht sogar noch mehr. Und obwohl ich das alles weiß, finde ich es doch ein wenig schade, dass Talias Zwangsstörungen einen doch nur verhältnismäßig kleinen Raum in der Geschichte eingeräumt bekamen. Dass sie unter ihnen leidet erfährt der Leser zwar recht bald, ebenso, dass und wie sie ihr in gewissen Situationen zum Problem werden, doch wurden sie in meinen Augen größtenteils zu oberflächlich beschrieben, um mich in die junge Frau reinzufühlen. Der Zwang, die Panik, der drohende Kontrollverlust und die damit zusammenhängende Unsicherheit kamen einfach nicht in dem Maße rüber, wie ich es mir gewünscht hätte, um nicht nur mit Talia mitfühlen, sondern sie und ihre Krankheit auch besser verstehen zu können. Allerdings habe ich noch Hoffnung, dass Frau Riley das noch nachholen und mich tiefer in die Gefühlswelt ihres Hauptcharakters einblicken lässt, denn wie ich eben auf ihrer Webseite entdeckt habe, hat die Geschichte um Talia und Bram noch nicht ihr Ende gefunden.

Zusammengefasst heißt das ..
Als ich zu dem Buch griff, war ich auf der Suche nach einer Lektüre, die mein Herz berührt und das hat Upside Down – Weil du mir den Kopf verdrehst geschafft. Zwar hätte ich mir gewünscht, Lia Riley wäre ein wenig intensiver auf das Thema Zwangsstörungen eingegangen, anstatt diese nur anzuschneiden, doch konnte mich die restliche Handlung völlig überzeugen und in ihren Bann ziehen, sodass ich mich an dem einen oder anderen Herzschmerz-Hach-Moment erfreuen konnte.

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