Verliere mich. Nicht. von Laura Kneidl

Posted on Februar 8, 2018

Verliere mich. Nicht.

So ziemlich jeder Bücherfreund weiß, wie es ist, nach einem gemeinen Cliffhanger dem Folgeband entgegenzufiebern. Er weiß, dass man nach dem Schock beginnt, die Tage zu zählen, die Buchhandlung in der Hoffnung stürmt, den heiß ersehnten Folgeband vielleicht schon etwas früher ergattern zu können und er weiß, wie es ist, die Fortsetzung dann endlich in den Händen zu halten. Band 1 der Nicht-Dilogie, Berühre mich. Nicht., war so ein Buch mit einem ganz gemeinen Ende, und nachdem mich die Geschichte rund um Sage und Luca vollkommen in ihren Bann gezogen hatte, habe ich dem Erscheinungstermin von Band 2 gleich doppelt entgegen gefiebert und das stete Näherrücken von Tag X täglich auf dem Kalender verfolgt.

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Erschienen: Januar 2018 im LYX Verlag | Reihen-Info: 2/2 | Spoilergefahr: Ja!
Format: Brochiert/Ebook | Seiten: 480 | Bewertung: 3 von 5 Fläschchen
Meine Meinung als Podcast:

Rezensionsexemplar

Worum geht es genau?
Es ist Weihnachten und Sage sitzt in einem billigen Motel. Allein. Sie hat ihre Sachen gepackt und Luca verlassen, um ihn zu schützen, dabei wünscht sie sich nichts sehnlicher, als die Zeit zurückzudrehen und wieder in seinen Armen zu liegen. Doch das geht nicht und so versucht sie ihr Bestes, ihm aus dem Weg zu gehen und ihr Leben zu leben. Als er auf einer Silvesterparty dann plötzlich unerwartet und in weiblicher Begleitung vor ihr steht, bricht es ihr das Herz ..

Nahtloser Einstieg mit Tücken
Was den Einstieg in Verliere mich. Nicht. betrifft, bin ich ein wenig zwiegespalten. Zum einen finde ich es zwar toll, dass die Handlung beinahe dort anknüpft, wo Band 1 mich vor gut zwei Monaten zurückgelassen hat und zum anderen ist genau das auch mein Problem gewesen. Denn sowohl am Ende von Band 1 wie auch am Anfang von Band 2 spielen Gefühle eine ganz große Rolle und dadurch, dass mein Herz nun schon einige Wochen Zeit hatte, das Geschehene zu verdauen und meine Gefühle sich wieder gänzlich abgekühlt hatten, war ich die ersten zwei Kapitel über emotionsmäßig einfach nicht so dabei, wie ich es mir gewünscht hätte. Anstatt also hier mit Sage mitzuleiden und ob ihrer Hoffnungslosigkeit und ihrem Gedankenkarusell selbst ein gebrochenes Herz zu riskieren, haben mich diese sehr emotionalen Momente eher nüchtern zurückgelassen. Ungefähr ab Kapitel drei war ich dann jedoch auch gefühlsmäßig zum Glück wieder voll in der Geschichte drin, sodass ich endlich in den Genuss von Laura Kneidls Talent kam, mich zu berühren, wodurch ich wieder so richtig mitleiden, mitweinen, mithoffen und mitlachen konnte.

Sage & Luca
Ach, ich liebe die beiden einfach. Und daran hat auch die gedrückte Stimmung in diesem Buch nichts geändert. Im Gegenteil, wenn überhaupt würde ich sogar sagen, dass ich sie dadurch nur noch viel mehr in mein Herz geschlossen habe. Ihr Umgang miteinander und ihre Gespräche waren für mich jedes Mal ein Highlight und selbst die kleinen, flüchtigen Minimomente, die sie miteinander teilten, sorgten bei mir für eine gute Portion Herzklopfen. Aber was anderes habe ich auch nicht erwartet, denn Laura Kneidl hat mit Sage und Luca wirklich ein ganz wundervolles Paar geschaffen. Beide lassen sie sich zwar sehr von ihren Gefühlen leiten, sind dabei aber stets bemüht, den anderen zu verstehen und nicht zu verletzten, teilen meinen Humor und lösten so in mir die gesamte Dilogie über immer wieder den Wunsch aus, sie aus dem Buch heraus ins reale Leben und in meinen Freundeskreis zu ziehen. Kurz gesagt: ich hätte von ihnen noch mehr, viel mehr, lesen können.

Aber!
Ja, es gibt ein Aber und zwar leider ein ziemlich großes. Was ich an der Geschichte rund um Sage und Luca im ersten Band besonders toll gefunden habe, war, dass ich nie den Eindruck hatte, die Beziehung zwischen den beiden würde an erster Stelle stehen. Vielmehr lag der Fokus auf Sages Angststörung, den traumatischen Ereignissen in ihrer Vergangenheit und dem Ziel, sich ein neues Leben aufzubauen. Luca und die Gefühle für ihn waren nur ein Teil ihres neuen Lebens und das machte die Geschichte für mich nicht nur besonders, sondern echt. Und nachdem mich Berühre mich. Nicht. nun also vor zwei Monaten so begeistert und ganz tief berührt hatte, waren meine Erwartungen an diesen zweiten Band sehr hoch. Und wie das mit hohen Erwartungen nun mal leider so ist, ist das Risiko groß, enttäuscht zu werden. Und das wurde ich. Denn das, was ich am ersten Band so sehr geliebt hatte, fehlte in Verliere mich. Nicht. leider so gut wie komplett. Sages Angststörung hat so wenig Raum eingenommen, dass es fast einer Wunderheilung gleichkam und auch der Ursache ihrer Krankheit, dem Grund, weswegen sie überhaupt ihr altes Leben aufgegeben hat und jeden Tag für sich und ihr neues Leben kämpft, wurde erst zum Ende hin wieder etwas mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei bin ich mir natürlich bewusst, dass Veränderungen und besondere Menschen durchaus bewirken können, dass man Angst und Traumata überwindet, allerdings braucht auch das Zeit. Gedanken- und Verhaltensmuster ändern sich nicht über Nacht, doch genau diesen Eindruck hatte ich bei Sage stellenweise. Und das fand ich nicht nur schade, nein, ich vermisste die Sage aus Band eins. Die Sage, die zwar Angst hatte und unsicher war, aber nie müde wurde, zu kämpfen. Ich vermisste die Ecken und Kanten in diesem Buch und das beziehe ich nicht nur auf Sage, sondern auch auf das Problem Alan, denn wie bereits erwähnt, wurde das Thema erst so richtig wieder am Ende aufgegriffen und dann für meinen Geschmack viel zu schnell abgehandelt. Hier hätte ich mir mehr gewünscht. Mehr Gespräche über Alan, mehr Zeit, zum Spannung aufbauen und mehr Auseinandersetzung mit Nora und Sages Mutter.

Kurzum
Verliere mich. Nicht. hat mich am Ende zwar mit einem zufriedenen Gefühl zurückgelassen, aber mehr auch nicht. Es war gut, aber eben nicht sehr gut. Es hat mich unterhalten, aber leider nicht begeistert. Dass ich in Berühre mich. Nicht. nie das Gefühl hatte, die Liebesgeschichte würde im Fokus stehen und ihr alles andere untergeordnet sein, machte Band 1 dieser Dilogie für mich zu etwas Besonderem, einer Perle im New Adult Bereich. Verliere mich. Nicht. konnte da leider nicht mithalten. Hier stand ganz eindeutig die Beziehung zwischen Sage und Luca im Vordergrund, wodurch nicht nur große Teile dessen, was Band 1 für mich ausgemacht hat, für meinen Geschmack zu weit in den Hintergrund gerutscht sind, sondern Band 2 auch einfach zu rund wirkte. Laura Kneidl werde ich dennoch weiter ganz genau im Auge behalten, denn sie hat nicht nur auch dieses Mal wieder Figuren geschaffen, die einfach Spaß machen, sondern mich auch mit ihrem Stil überzeugen können.


Weitere Meinungen zu dem Buch: ivy.booknerd | Laura von Eden | Traumrealistin

6 Gedanken

  • Ramona Februar 11, 2018 at 13:06

    Liebe Maike,

    ich kann deine Gedanken so gut nachvollziehen!
    Es ging mir beim Lesen des Buches genau wie dir.
    Danke, für diese Rezension.

    Liebe Grüße
    Ramona

    Antworten
    • MadameLustig Februar 24, 2018 at 14:48

      Vielen Dank für dein liebes Feedback, liebste Ramona! <3

      Antworten
  • Nicci Trallafitti Februar 14, 2018 at 10:58

    Hey Maike,
    ich kann dir komplett zustimmen.
    Vor allem den Aspekt mit Alan fand ich zu flach, und wo war Nora denn irgendwann?
    Und die Mutter? Die hatte ja einen recht knappen Auftritt, aber wie du schon angemerkt hast, da wäre viel mehr Interaktion drin gewesen.

    Liebe Grüße,
    Nicci

    Antworten
    • MadameLustig Februar 24, 2018 at 14:52

      Du sagst es, Nicci. Vor allem wäre das nicht nur drin gewesen, sondern in meinen Augen bei der Thematik und der Wichtigkeit für die Geschichte auch wirklich nötig gewesen.

      Ich hätte mich übrigens gefreut, wenn dieser Band ebenfalls aus Lucas Sicht geschrieben gewesen wäre. Wie er das alles empfunden hat, hätte dem Buch sicher nochmal das gewisse Etwas verliehen.

      Ganz liebe Grüße,
      Maike

      Antworten
  • Lieblingsleseplatz Februar 18, 2018 at 09:57

    Moin,

    ich bin über das #litnetzwerk auf deinen schönen Blog gestoßen und ich muss sagen, es gefällt mir richtig gut hier! Dein Logo ist toll!

    Laura solltest Du in jedem Falle weiter im Auge behalten! Wenn Du auch Fantasy liest ist Herz aus Schatten DER Tipp für Ende März!!! Ich durfte es bereits im Sommer als Testleserin begleiten und bin absoluter Fan!

    Ich wünsche Dir noch einen wunderschönen Sonntag und morgen einen guten Wochenstart!

    Herzliche Grüße von meinem Lieblingsleseplatz,
    Verena

    Antworten
    • MadameLustig Februar 24, 2018 at 15:11

      Vielen vielen Dank, liebe Verena! Ich freue mich immer so sehr, wenn sich jemand bei mir auf dem Blog wohlfühlt. <3

      Laura Kneidl werde ich definitiv auf dem Schirm behalten. Sie schreibt toll und traut sich an Themen heran, die andere lieber meiden und allein das macht sie schon sehr interessant für mich. 🙂

      Ganz lieben Dank für deinen Tipp. Ich werde mich das Buch im März mal genauer anschauen. Vielleicht ist es ja was für mich. 🙂

      Liebe Grüße,
      Maike

      Antworten

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