Die tausend Teile meines Herzens

Die tausend Teile meines Herzens von Colleen Hoover

Posted on Januar 7, 2019

Die tausend Teile meines Herzens
Die tausend Teile meines Herzens

Jedes Mal, wenn ich in einer Verlagsvorschau sehe, dass ein neuer Roman von Colleen Hoover auf dem deutschen Markt erscheinen wird, freue ich mich riesig und wenn ich das Buch dann Wochen oder Monate später in den Händen halte, gleicht diese Freude ungefähr der, die man Kindern an Weihnachten nachsagt. Am liebsten würde ich dann immer sofort anfangen zu lesen, aber meisten grätscht da dann doch der Alltag dazwischen. Abends jedoch, wenn ich endlich die Beine auf dem Sofa hochlegen kann, meinen Tee und Knabbereien neben mir habe, kann es endlich losgehen und dann darf mich auch niemand mehr stören – es ist schließlich Hoover-Zeit.

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Erschienen: Oktober 2018 dtv Verlag | Übersetzung: Katarina Ganslandt | Format: brochiert | Seiten: 352
Bewertung: 4 von 5 Fläschchen

Meine Meinung als Podcast:


Worum geht es?

Merits Familie ist alles, nur keine Vorzeigefamilie. Probleme werden unter den Tisch gekehrt, oder gleich ganz totgeschwiegen und während jeder unter dem Dach sein eigenes Leben lebt und sich nicht groß für die anderen interessiert, küsst Merit in aller Öffentlichkeit einen völlig Fremden und ahnt dabei nicht, was das für sie bedeutet. Ahnt nicht, dass ein Herz nur ein gewisses Maß an Schmerz vertragen kann, bevor es in tausend Teile zerbricht ..

Erdrückende Stimmung
Es gibt halt für alles ein erstes Mal schoss es mir in den Kopf, während ich mich durch die ersten achtzig Seiten Die tausend Teile meines Herzens las und immer wieder mit dem Gedanken spielte, das Buch abzubrechen. Ein Colleen Hoover Buch abbrechen! Ich! Nie im Leben hätte ich gedacht, dass das jemals eine Option sein würde, doch hier wurde ich eines Besseren belehrt. Dabei ist es nicht so, als hätte Frau Hoover totalen Käse zusammengeschrieben, nein, doch hätte ich gewusst, welch erdrückende, deprimierende Stimmung mich erwartet, hätte ich das Buch – zumindest zu diesem Zeitpunkt – nicht gelesen. Letzten Endes habe ich natürlich nicht abgebrochen und mit steigender Seitenzahl nahm die Geschichte auch ein wenig an Fahrt auf, sodass sich zu der eh schon traurigen Stimmung nicht auch noch fehlende Handlung und Langeweile gesellte, doch musste ich das Buch immer mal wieder beiseite legen, um mich selbst davor zu bewahren, ähnlich wie die Protagonistin in ein tiefes Loch zu fallen.

Der etwas andere Hoover
Ich liebe Colleen Hoovers Bücher vor allem deshalb, weil sie mit meinen Gefühlen spielen, mich gleichermaßen zum lachen und weinen bringen, mich träumen und schmachten lassen. Das war bislang immer der Fall und dann kam Die tausend Teile meines Herzens und einfach alles war anders. Okay, nicht alles, denn auch dieses Buch hat mich ganz tief berührt und ist jetzt noch fest in meinen Gedanken verankert. Darüberhinaus gab es jedoch nicht viel, wie ich es von Frau Hoovers Büchern gewohnt war. Neben der erdrückenden Stimmung, die sich wie ein roter Faden durch die Seiten zog, ist der größte Unterschied wohl, dass es sich hier primär um ein Familiendrama denn um eine Liebesgeschichte handelt. Dabei hat Frau Hoover wieder mal ein Händchen dafür bewiesen, wichtige und sensible Themen, wie Depressionen und Angst, sowie Liebe, Fremdgehen und Grenzen sowohl mit dem nötigen Fingerspitzengefühl wie auch mit einer guten Portion Tacheles auszuarbeiten und mich dadurch mitzureißen. Doch zum weinen gebracht hat mich Die tausend Teile meines Herzens nicht, was für mich dann wieder ein erstes Mal war, denn bislang hatte noch jedes Hoover-Buch Tränchen aus mir herauskitzeln können. Ich habe mir lange Gedanken darüber gemacht, wieso es hier nicht der Fall gewesen ist und auch, wenn ich bis heute noch keine klare Antwort auf diese Frage gefunden habe, habe ich zumindest die Idee, dass diese hier aufgegriffenen Themen zu ernst und erdrückend waren, um mich auf die Art zu berühren, die Tränen nach sich zieht. .

Figuren in ihrer eigenen Welt
Ich habe es ja bereits an mehreren Stellen gesagt und ich werde nicht müde, es immer wieder zu sagen: Die Figuren sind es, die eine Geschichte ausmachen. Sie können eine langweilige Handlung wett machen, unterhalten, berühren und für Leben sorgen. Und Colleen Hoover hat es hundertprozentig raus, ihren Figuren genau diese Fähigkeiten zu verleihen und jeden einzelnen dabei unverwechselbar und einzigartig zu zeichnen. Hier ist mir das ganz besonders aufgefallen, denn in Die tausend Teile meines Herzens war es nicht damit getan, drei bis vier Figuren ins Spiel zu bringen und sie in eine Liebesgeschichte zu integrieren. Hier geht es um sieben Menschen, die unter einem Dach leben, jeder in seiner eigenen Blase und die sich mit Ignoranz, Gleichgültigkeit und unausgesprochener Wut und Traurigkeit begegnen, wodurch ein Drama losgetreten wird, das niemand vorhergesehen und zu dem jeder seinen Teil beigetragen hat. Das so authentisch auf Papier zu bringen, stelle ich mir nicht einfach vor, aber Frau Hoover ist es perfekt gelungen.

Kurzum
Frau Hoover gehört zu meinen absoluten Lieblingsautoren. Umso geschockter war ich davon, dass ich tatsächlich mit dem Gedanken gespielt habe, das Buch abzubrechen, weil die hier präsente Stimmung auf mich einfach erdrückend gewirkt hat. Schlussendlich habe ich es jedoch nicht über mich gebracht, das Buch ungelesen zurück in mein Regal zu stellen und darüber bin ich im Nachhinein sehr froh. Dieser Hoover ist anders und sehr intensiv, doch man spürt das Feingefühl der Autorin auf jeder Seite, was der Stimmung für mich persönlich gut entgegengewirkt hat. Dennoch würde ich Die tausend Teile meines Herzens nicht jedem blind empfehlen, sondern vielleicht erstmal dazu raten, die Leseprobe zu lesen und sich mit Lesern des Buches kurzzuschließen.


Weitere Meinungen zu dem Buch: Inas Little Bakery | Lovin Books | Bookaholic

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