Iron Flowers – Die Rebellinen von Tracy Banghart

Posted on Juni 20, 2018

Iron Flowers - Die Rebellinen

Frauenrechte, ein großes Thema. Auch heute, im Jahr 2018, läuft noch nicht immer nicht alles so, wie es sollte und Frauen weltweit müssen täglich für ihre Rechte kämpfen. Das ist nicht nur traurig, sondern eine Katastrophe. Kein Wunder also, dass diese Missstände auch ein beliebtes Thema in Büchern sind und das nicht nur in sogenannter Erwachsenenliteratur, sondern auch in Jugendbüchern und Dystopien. So schlimm es ist, dass es in der heutigen Zeit überhaupt noch nötig ist, dass Frauen auf die Straße gehen und laut Rechte einfordern müssen, die eigentlich selbstverständlich sein sollten, so sehr freue ich mich immer, wenn ich in Büchern davon lese. Ich freue mich, dass Autoren sich den Missständen annehmen und uns so dazu zwingen, uns mit der Thematik auseinanderzusetzen.

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Erschienen: April 2018 Sauerländer Verlag | Reihen-Info: Band 1/3 | Spoilergefahr: Nein!
Format: gebunden | Seiten: 384 | Originaltitel: Grace and Fury | Bewertung: 3,5 von 5 Fläschchen

Meine Meinung als Podcast:


Worum genau geht es?

Als Serina zur Grace-Anwärterin ausgewählt wird, heißt es für sie und ihre kleine Schwester Nomi Abschied nehmen. Abschied von dem Leben, das sie bisher kannten, von ihrem Zuhause und von ihrer Familie. Während das für Nomi der Horror ist, sieht sich Serina am Ziel ihrer Träume angelangt. All die Vorbereitung und das Training die vergangenen Jahre hat sich endlich ausgezahlt. Nie hätte sie erwartet, dass alles so dermaßen anders kommen würde, als geplant. Nie hätte sie erwartet, dass sie und ihre Schwester ihre Schicksale tauschen würden. Nie hätte sie erwartet, dass sie ihre innere Stimmen finden und für sich kämpfen muss ..

Die Frau als wertloses Objekt
Eine Frau, die nicht als Grace des Regenten oder des Thronfolgers erwählt wird, ist in der hier erschaffenen Welt ziemlich wertlos und selbst in ihrer Rolle als Grace definiert sich ihr Wert nicht in ihrer Persönlichkeit, sondern einzig im Erscheinungsbild. Das hatte schon etwas von Hugh Hefner und seinen Bunnys, wobei diese wohl zumindest sie selbst sein, eine Meinung und Spaß haben durften, ebenso, wie das Leben als Bunny ihre freie Entscheidung gewesen ist. Den Graces hingegen ist nicht nur ein eigener Wille untersagt, sondern auch Bildung. Sie sollen einfach schön aussehen, unterhalten und dem Regenten oder Thronfolger zu Diensten sein, wann immer man nach ihnen verlangt und deren Nachkommen gebären. Klingt ziemlich sexistisch und antiquiert, oder? Zu Beginn hatte ich diese Gedanken zumindest, allerdings verhält es sich hier ebenso wie in anderen Dystopien: so einfach, wie es am Anfang scheint, ist es dann doch nicht. Und ich muss sagen, die Welt mit ihren Strukturen ist Frau Banghart gut und vor allem glaubhaft gelungen. Ich war schockiert über die Rollenverteilung, die Gnadenlosigkeit und Grausamkeit den Frauen gegenüber, wie auch gespannt darauf, ob und falls ja, inwiefern das System im Laufe der Handlung ins Wanken geraten würde, ebenso, wie ich wahnsinnig gespannt darauf war, wie die Figuren an den Umständen wachsen.

Die Schwestern
Serina und Nomi sind so unterschiedlich, wie man nur sein kann. Wobei diese Unterschiede gar nicht mal unbedingt in ihrem Wesen liegen, sondern anerzogen wurden. Seit sich herauskristallisierte, dass Serina eine Schönheit werden würde, wurde sie darauf vorbereitet, eine Grace zu werden, während Nomi für die Rolle ihrer Dienerin ausgebildet wurde. Eigene Meinung, Wünsche, Träume? Nein, dafür ist kein Platz. Beide, Serina wie auch Nomi machen ihren zugewiesenen Rollen zu Beginn alle Ehre, wobei ich für die Jüngere der beiden, Nomi, eindeutig mehr Sympatien hegte. Das änderte sich allerdings mit Fortschreiten der Handlung, denn irgendwo zwischen Seite 1 und Seite 100 ist Nomi das Rebellische, Kämpferische ein wenig abhanden gekommen, wodurch sie leider auch berechenbarer wurde. Schade, aber immerhin war zum Ende hin wieder mehr von der kämpferischen Nomi zu spüren, weswegen ich große Hoffnung habe, dass sie im zweiten Band wieder ganz die Alte werden wird. Sehr gefallen hat mir hingegen die Entwicklung von Serina und das hat sie ihrem neuen Schicksal zu verdanken, durch das sie nicht nur endlich ihren eigenen Wert erkennt, sondern auch beginnt zu kämpfen. Entwickelt sie sich weiter in diese Richtung, könnte Serina definitiv mein absoluter Liebling werden!

Suboptimale Erzählperspektive
Während mir Figuren und Weltstruktur gut gefallen haben, hatte ich ein ziemliches Problem mit der Erzählperspektive. Ich schätze mal, die 3. Person wurde hier gewählt, weil die Kapitel zum einen zwischen Serina und Nomi hin und her wechseln und zum anderen, weil es so die Möglichkeit gibt, Informationen über Welt und Politik einzubauen, ohne, dass die Hauptfiguren selbst darüber bescheid wissen. Beides durchaus nachvollziehbare Gründe, allerdings empfand ich diese Perspektive hier als viel zu distanziert. Ich habe mich häufig einfach wie ein heimlicher Beobachter gefühlt, der das Geschehen um ihn herum zwar gut im Blick hat, aber von den Details nichts mitbekommt. Mir fehlte die Nähe zu Serina und Nomi, ihre Gedanken und Emotionen, die mich einfangen, mitnehmen und durch die ich eine enge Beziehung sowohl zu ihnen, wie auch zu anderen Figuren aufbauen kann.

Kurzum
Tracy Banghart hat mit ihrer Welt, die sie für Iron Flowers geschaffen hat, genau meinen Geschmack getroffen. Ich lese gerne über unterdrückte Frauen, die im Laufe der Handlung ihre eigene Stimme finden und für sich und Gleichstellung kämpfen. Die Geschichte hätte durchaus Potenzial gehabt, nicht nur ein Pageturner, sondern auch ein Highlight für mich zu werden, wäre da nicht die Erzählperspektive gewesen. Hier hätte mir der Ich-Erzähler eindeutig besser gefallen, bekomme ich durch ihn einfach einen besseren Einblick in seine Gefühls- und Gedankenwelt, wodurch natürlich auch eine gewisse Nähe zur Figur entsteht, die mir hier leider fehlte.


Weitere Meinungen zu dem Buch: Booknerds by Kerstin | Kumos Buchwolke | Golden Letters

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